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Argentinien : Nachbarländer meiden Peso

  • Aktualisiert am

Protest gegen die Wirtschaftskrise Bild: dpa

Auch wenn Argentinien offiziell die Dollaranbindung verteidigt. In den Wechselstuben ist der Peso bereits abgewertet.

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          Der argentinische Wirtschaftsminister Domingo Cavallo bekräftigt immer wieder, dass die Bindung der Währung an den amerikanischen Dollar nicht aufgehoben wird. Doch in den Wechselstuben der Nachbarländer gerät der Peso zunehmend unter Druck.

          „Niemand will mehr Peso haben“, sagt Paulo Cesar Preccaro, der eine Wechselstube in Sao Paulo betreibt. Er nimmt bereits seit vergangener Woche die argentinische Währung nicht mehr an, obwohl das offizielle Tauschverhältnis noch immer eins zu eins zum US-Dollar ist. In Brasilien, Chile und Uruguay sind Peso nur noch mit erheblichen Abschlägen einzutauschen. Beispielsweise gibt's in Uruguay, das nur eine Stunde mit der Fähre von Buenos Aires entfernt ist, für den argentinischen Peso nur noch weniger als 50 US-Cents.

          Große Angst vor einer Abwertung

          In der vergangenen Woche haben die chilenischen Geldwechsler nur noch mit einem 15-prozentigen Abschlag den Peso angenommen, am Montag weigern sich die meisten Händler überhaupt die argentinische Währung anzukaufen. „Es ist schwierig überhaupt einen Käufer für Peso zu finden. Die Angst vor einer Abwertung ist zu groß“, sagt Enrique Sereno, Chefhändler bei Cambio Gales in Uruguay.

          Die Kursverluste des Peso in den Nachbarländer zeigen den Vertrauensverlust in die argentinische Währung, nachdem die Regierung die Abhebung von Bankguthaben am Monatsbeginn limitiert hat. In Buenos Aires tauschen die wenigen privaten Wechselstuben, die noch bereit sind Dollar zu verkaufen, den Peso nur noch gegen 85 Cents ein.

          „Die Menschen haben einfach das Vertrauen verloren“, sagt Carlos Garnero, während er vor einer Wechselstube ansteht, um seine Peso in Dollar zu tauschen. „Ich bin sicher, dass wir schon bald fünf Peso für einen Dollar zahlen müssen.“ Eine Abwertung des Peso würde die Krise in Argentinien noch verschärfen, weil damit Kredite, die meistens in Dollar denominiert sind, noch teurer würden. Aber auch der Staat könnte seine Schulden bei einer Abwertung überhaupt nicht tragen.

          Dollarbindung faktisch aufgehoben

          „Eine Abwertung ist undenkbar, weil wir den Dollar nicht abwerten können, und der Peso ist in Dollar tauschbar“, sagte Wirtschaftsminister Cavallo in der vergangenen Woche. Argentinier müssen Peso und Dollar im Verhältnis eins zu eins akzeptieren, egal ob für eine Taxifahrt oder als Mietzahlung. Da Argentinier in den vergangenen Jahren meistens mit Dollar in die Nachbarländer gereist sind, haben die dortigen Wechselstuben auch einen Dollar gegen eine Peso eingetauscht.

          Nachdem Argentinier aber nur noch 250 Dollar pro Woche von ihren Bankguthaben abheben dürfen, eine Maßnahme mit der die Regierung eine Kapitalflucht verhindern will, sind die Nachbarländer nicht mehr bereit, die Anbindung an den Dollar in den Wechselstuben zu akzeptieren. Moody's Investor Service bezeichnete die Anbindung an den Dollar bereits als faktisch aufgehoben. Sowohl die Restriktionen für die Bankkunden als auch die in den Umlauf gebrauchten Währungen der Provinzen hätten das Währungssystem faktisch bereits aufgehoben.

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