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Fernöstliche Finanzmärkte : Die Öffnung Saudi-Arabiens weckt Phantasien

Mitten in der saudischen Wüste: Flüssiggasanlage von Saudi Aramco Bild: AFP

Noch sind die meisten arabischen Finanzmärkte für westliche Investoren kaum interessant. Doch der Ölpreisverfall hat viele Reformen in Gang gesetzt. Ein Aufstieg in den MSCI-Index würde die Gewichte verschieben.

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          Wenn alles so kommt, wie Dino Kronfol es ausmalt, dann muss das Investieren in Schwellenländer bald neu gedacht werden. Dann ist Samsung nicht mehr der größte Einzelwert in den Schwellenländer-Indizes, und Staaten wie Südafrika, Indien und Russland verlieren darin an Bedeutung. Ganz unwahrscheinlich ist es nicht, dass Kronfols Erwartungen eintreten – dass nämlich der arabische Raum, insbesondere Saudi-Arabien und dessen gigantischer Ölkonzern Saudi Aramco, für internationale Finanzinvestoren alsbald eine große Rolle spielen werden.

          Tim Kanning
          (kann.), Wirtschaft

          Kronfol ist oberster Investmentstrage von Franklin Templeton für Rentenpapiere aus den Golfstaaten. Er und sein Kollege für das Aktiengeschäft, Bassel Khatoun, verwalten gemeinsam mit 40 Mitarbeitern von Dubai aus die Fonds aus der arabischen Welt. Die amerikanische Investmentgesellschaft ist einer der wenigen internationalen Spieler, die auch nach der Arabellion, dem Erstarken des sogenannten Islamischen Staates und dem Ölpreisverfall immer noch Fonds in der Region verwalten.

          Doch mit der Öffnung der saudischen Finanzmärkte dürfte die internationale Aufmerksamkeit für den gesamten Raum Mittlerer Osten/Nordafrika (Mena), zu dem neben den Golfstaaten unter anderem auch Ägypten, Tunesien und Marokko zählen, bald wieder steigen. Vor allem die „Vision 2030“ des einflussreichen saudischen Vize-Kronprinzen Muhammad Bin Salman hat die Phantasien in der Finanzwelt geweckt. Der Kronprinz will das Land unabhängiger vom Öl machen, weite Teile der Wirtschaft privatisieren und dafür internationale Investoren gewinnen.

          Aufstieg frühestens 2019 erwartet

          Gerade erst haben die saudische Börse Tadawul und dessen Regulator die Regeln für internationale Investoren deutlich gelockert. Beispielsweise wird man sich von 2017 die Aktienabwicklung an internationale Standards anpassen, Investoren müssen nur noch mindestes 1 Milliarde Dollar Kapital verwalten. Dafür dürfen Ausländer weit größere Anteile an saudischen Unternehmen halten als bisher. Das alles könnte auf kurz oder lang zu einem Aufstieg des Landes in den MSCI Schwellenländerindex führen. Vor allem dieser Schritt würde das Land und die Region aus der Peripherie der internationalen Finanzmärkte bewegen, glaubt Khatoun. Heute stehe der Mena-Raum zwar für 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der Welt und für 7 Prozent des BIP in den Schwellenländern, im Welt-Index von MSCI macht der Raum aber nur 0,2 Prozent aus, im Schwellenländer-Index nur 2 Prozent. „Die Region ist heute in den Indizes massiv unterrepräsentiert“, sagt Khatoun.

          Ob und wann der Indexanbieter MSCI Saudi-Arabien in seinen Schwellenländerindex aufnimmt, ist in der Finanzwelt umstritten. Khatoun meint: „MSCI könnte 2017 ankündigen, dass sie Saudi-Arabien im Jahr 2018 in den Index aufnehmen.“ Auch Omar Abu Rashed, Fondsmanager bei der Anlagegesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, Union Investment, hält das für realistisch: „Meines Erachtens besteht eine gute Chance, dass Saudi Arabien im Jahr 2018 in den Index aufgenommen wird.“ Die Credit Suisse erwartet den Aufstieg dagegen frühestens 2019.

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