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Rohstoffe : Anleger fliehen aus Rohstofffonds

  • Aktualisiert am

Weizenernte in Haßmoor bei Rendsburg Bild: dpa

Lange Zeit galt eine Anlage in Energie- und Agrarrohstoffe als sichere Wette auf eine wachsende Weltwirtschaft. Die Rechnung geht aber nicht auf.

          Die Anleger verlassen den Rohstoffmarkt in Scharen. In diesem Jahr sind schon 17 Milliarden Dollar aus Indexfonds auf Rohstoffe abgezogen worden, schätzt die britische Barclays Bank. Das wären 10 Milliarden Dollar mehr als im gesamten vergangenen Jahr, in dem sich Investoren vor allem aus Goldfonds zurückgezogen hatten. Alleine im September und Oktober hätten sich Fondsvolumina um 7 Milliarden auf aktuell 286 Milliarden verringert, heißt es bei Barclays. Ende des Jahres 2012 hatte das akkumulierte Fondsvolumen zum Vergleich noch 418 Milliarden Dollar betragen.

          „Viele Investoren haben sich aus den Rohstoffen als Anlageklasse verabschiedet. Das bekommen wir auch zu spüren“, sagt Christoph Eibl, Gründer der auf Rohstoffe spezialisierten Fondsgesellschaft Tiberius, die Rohstoffanlagen im Wert von 500 Millionen Dollar verwaltet. Viele Rohstofffonds hätten „dramatisch“ verloren. Eibl schätzt, dass sich die Investitionen in Rohstoffe seit 2011 mehr als halbiert haben.

          Dieses Bild bestätigt auch die Deutsche Bank. „Das Interesse an Rohstofffonds ist in den vergangenen Monaten deutlich zurückgegangen“, sagt Manuel Tenekedshijew, Rohstoffanalyst bei dem Geldhaus. Die Marktstimmung sei für diese Anlageklasse extrem negativ. Das habe einerseits mit den starken Preisrückgängen bei Rohstoffen selbst zu tun, aber auch mit dem starken Dollar. Da Rohstoffe in amerikanischer Währung gehandelt werden, verteuern sie sich für Anleger außerhalb Amerikas. Zudem seien Aktien als Anlageklasse so attraktiv gewesen, dass sie anderen Investitionsmöglichkeiten wie Rohstoffen den Rang abgelaufen hätten.

          Diese Entwicklung hat in den vergangenen Wochen auch schon Opfer gefordert. Die Fondsgesellschaft Hermes gab Anfang des Monats bekannt, Rohstoffe als Anlageklasse aufgeben zu wollen. Ihnen war zum Verhängnis geworden, dass der Pensionsfonds der British Telecom - ihr mit Abstand wichtigster Investor - die Entscheidung getroffen hatte, sich aus Rohstoffen zurückzuziehen. „Wir finden es sehr schwierig, verlässliche Erträge mit Rohstoffen mit Rohstoffanlagen zu erwirtschaften“, hieß es in einer Mitteilung der Fondsgesellschaft. Im Oktober hatte schon der auf Rohstoffe spezialisierte Hedgefonds Hall, der ein Volumen von 100 Millionen Dollar verwaltet, seine Schließung nach nur zwei Jahren bekannt gegeben.

          Kein Wunder: Das Umfeld ist für Rohstoffinvestitionen mehr als schwierig. Die gängigen Rohstoffindizes sind tief im Minus. Der Bloomberg Commodity Index hat seit Jahresbeginn 7 Prozent verloren, der energielastige Index S&P GSCI sogar 15 Prozent. Allein der Preis für Rohöl ist in den vergangenen vier Monaten um 30 Prozent auf aktuell weniger als 80 Dollar je Barrel (159 Liter) gefallen. Die schlechte Entwicklung der Rohstoffindizes schlägt natürlich direkt auf die Indexfonds durch, die diese abbilden und die deswegen auch hohe Verluste erlitten haben. So hat der Rohstoffindexfonds von DB X-Trackers, der ein Volumen von 676 Millionen Euro hat, in diesem Jahr knapp 13 Prozent eingebüßt. Auf Sicht von zwei Jahren sind es sogar knapp 24 Prozent.

          Einige Banken verabschieden sich aus dem Rohstoffgeschäft

          Beim Konkurrenzprodukt der Commerzbank sieht es etwas besser aus, was unter anderem damit zu tun hat, dass der Comstage-Indexfonds nicht in Agrarrohstoffe investiert. Zucker, Baumwolle, Sojabohnen, Mais und Weizen haben seit Jahresbeginn deutlich verloren, teilweise mehr als 20 Prozent. Nach Aussage von Thomas Meyer zu Drewer, zuständig für das ETF-Geschäft bei der Commerzbank, liegt der Fonds seit Jahresbeginn sogar 3,6 Prozent im Plus. Zur Zeit stecken in dem Fonds 250 Millionen Euro. Am Anfang des Jahres hat Meyer zu Drewer eine starke Nachfrage nach dem Fonds festgestellt. „Viele Investoren hatten sich aus Rohstoffen zurückgezogen und wurden dann auf dem falschen Fuß erwischt“, sagt er. In den vergangenen Wochen hat er jedoch auch Abflüsse aus dem Fonds beobachtet.

          Dieses Bild deckt sich mit der allgemeinen Entwicklung an den Rohstoffmärkten in diesem Jahr, dass sich im Jahresverlauf spektakulär gewandelt hat. Im ersten Halbjahr waren die Rohstoffe noch die Anlageklasse mit der besten Wertentwicklung. Doch verschiedene Faktoren haben dazu geführt, dass es seit Juni deutlich bergab ging. Dazu gehörten unter anderem der schon genannte starke Dollar, ein Überangebot auf dem Ölmarkt sowie Rekordernten für verschiedene Agrarrohstoffe, die auf ohnehin schon prall gefüllte Lager trafen. Die Situation hat dazu geführt, dass verschiedene Banken wie zum Beispiel JP Morgan Chase oder die Credit Suisse aus dem Rohstoffgeschäft verabschiedet haben. Barclays und Deutsche Bank gaben bekannt, ihr Geschäft mit dieser Anlageklasse zumindest deutlich verkleinern zu wollen.

          Fondsmanager Eibl will hingegen weiter am Ball bleiben. „Erst kam der Kampf um Margen, jetzt folgen Liquidierungen. Das sind Zeichen einer Bodenbildung.“ Wer jetzt aufgebe, verpasse ausgezeichnete Chancen in der Zukunft.

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