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Anlageklasse : Rohstoffe haben sich Aktien angenähert

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Rohstoffe haben sich Aktien angenähert Bild: dapd

Rohstoffe müssen als eigene Anlageklasse innerhalb eines Portfolios neu betrachtet werden. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung.

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          Sie gehören auf jeden Fall in ein langfristig ausgerichtetes Depot, hieß es noch vor gut 16 Monaten - wenn man Analysten auf Rohstoffe angesprochen hat. Nun müssen Rohstoffe als eigene Anlageklasse innerhalb eines Portfolios neu betrachtet werden. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Ökonomen Marco Lombardi und Francesco Ravazzolo. Der Grund ist, dass sich seit dem Ausbruch der Krise die Renditen von Anlagen in Aktien und Rohstoffen (die Autoren schauen hier besonders auf Rohöl) angenähert haben. Damit muss das Verhältnis von Aktien und Rohstoffen in einem Portfolio neu definiert werden.

          Die potentielle Bedeutung dieses Ergebnisses für die Vermögensverwaltung wird anhand eines kleinen Rückblicks deutlich. Die große Bedeutung, die Rohstoffe im vergangenen Jahrzehnt als eigenständige Anlageklasse für Großanleger gewonnen hatten, erklärte sich zu einem nicht geringen Teil mit Untersuchungen von Ökonomen. Sie hatten seinerzeit demonstriert, dass bei einem Blick auf die Preisentwicklung der vergangenen Jahrzehnte kein enger Zusammenhang zwischen der Entwicklung von Rohstoffpreisen und den meisten Aktienkursen besteht. Damit schienen sich Rohstoffe als Anlage für Großanleger zu eignen, die große Aktienbestände halten, aber gleichzeitig eine Absicherung für die Aktien suchen. Zwar werden häufig Anleihen in großen Portfolios als Absicherung für Aktien gehalten, aber da im vergangenen Jahrzehnt, von den Vereinigten Staaten ausgehend, das Interesse an sogenannten „realen“ Anlagen zunahm, erhielt die Nachfrage nach Rohstoffen durch große Anleger einen erheblichen Schub.

          Rohstoffindex S&P GSCI und MSCI Welt sewit dem Jahr 2000
          Rohstoffindex S&P GSCI und MSCI Welt sewit dem Jahr 2000 : Bild: F.A.Z.

          Viele Großanleger erwarben Rohstoffe wegen der hohen Lagerkosten allerdings nicht physisch, sondern investierten in Terminmärkte. Gleichzeitig nahm die Zahl der von Finanzunternehmen aufgelegten Rohstoff-Investmentfonds für kleine wie große Anleger sehr stark zu. Auch diese Fonds investieren überwiegend in Terminmärkte für Rohstoffe.

          Die für viele Anleger verheißungsvolle Behauptung von Fachleuten, Aktienkurse und Rohstoffpreise liefen nicht parallel, besaß nicht nur eine empirische, sondern auch eine betriebswirtschaftliche Logik. Für die meisten Unternehmen (mit der Ausnahme von Rohstoffproduzenten) sind Rohstoffe in erster Linie ein bedeutsamer Kostenfaktor. Steigende Rohstoffpreise drohen daher, bei vielen Unternehmen den Gewinn zu schmälern, was sich in der Tendenz nachteilig auf die Aktienkurse auswirken müsste.

          Mit Ausbruch der Finanzkrise lässt sich allerdings ein engerer Zusammenhang zwischen Aktienkursen und Rohstoffpreisen, und hier vor allem dem Ölpreis, beobachten. Das ist das Ergebnis der Arbeit von Lombardi und Ravazzolo. Ein Grund hierfür könnte sein, dass Großanleger nach anderen Kriterien investieren als vor der Krise. Analysen der vermutlichen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung besitzen seit dem Ausbruch der Finanzkrise und der mit ihr verbundenen Verunsicherung ein größeres Gewicht als früher.

          Durch die Brille der Konjunkturanalyse betrachtet, gibt es dann aber Argumente, warum sich Rohstoffpreise und Aktienkurse ähnlich entwickeln könnten. Mit einer spürbaren Belebung der Weltkonjunktur verbindet sich die Vorstellung steigender Rohstoffpreise und Aktienkurse, mit der Furcht vor einer nachlassenden Konjunktur hingegen die Annahme sinkender Rohstoffpreise und Aktienkurse.

          Wenn sich Rohstoffpreise und Aktienkurse aber gemeinsam in eine Richtung bewegen, eignen sich Rohstoffe in einem Portfolio nicht mehr als Absicherung gegen die mit Aktien verbundenen Kursrisiken. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall. Eine Kombination aus Aktien und Rohstoffen kann zusätzliche Chancen bieten, aber auch die Volatilität eines Portfolios erhöhen. Diese zusätzliche Volatilität ist aber gerade in einer Zeit, in der viele Anleger sehr vorsichtig sind und Kapitalerhalt über die Suche nach attraktiven Renditen stellen, wenig erwünscht. Wie die Entwicklung der vergangenen Monate belegt, lässt das Interesse der Anleger an Rohstoffen nach. Je weniger Anleger sich auf diesen Märkten tummeln, umso größer können die Aussichten für Profis werden, dort wieder Gewinne einzufahren.

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