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Angst vor Währungskrise : Asiens Schwellenländer stützen ihre Währungen

Bereitet Kopfzerbrechen: die indonesische Rupiah. Bild: dpa

In den asiatischen Schwellenländern macht sich Angst vor einer neuen Währungskrise breit. Besonders die indonesische Rupiah bereitet Sorgen - aber auch die hohe Privatverschuldung in Thailand.

          Die größte Volkswirtschaft Südostasiens stemmt sich gegen den Verfall ihrer Währung. Die indonesische Rupiah pendelt in dieser Woche um ihren tiefsten Stand gegenüber dem Dollar seit der asiatischen Finanzkrise 1998. Angesichts des Verfalls des Rubel-Kurses und der drohenden Zahlungsbilanzkrise in Venezuela werden Stimmen lauter, die vor einer neuerlichen Währungskrise der Schwellenländer warnen. In Asien haben schon erste Zentralbanken eingegriffen, um die heimischen Währungen zu stützen.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Nicht nur der russische Rubel, auch der brasilianische Real, der mexikanische Peso, die türkische Lira, der südafrikanische Rand, die indische Rupie und eben die Rupiah befinden sich auf Talfahrt. Dabei scheinen bislang weder die drohende Zinserhöhung in Amerika noch das schwächere Wachstum in China wirklich eingepreist zu sein. „Meine langjährige Erfahrung sagt, dass Schwellenländerwährungen einbrechen können, weil es einfach zu hohe kumulative Kapitalzuflüsse in diese Länder gegeben hat“, warnt Stephen Jen vom Hedgefonds SLJ Macro Partners in London. Als Zinsexperte hatte er für Morgan Stanley die Asien-Krise durchlitten. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel fürchtet, eine Aufwertung des Dollar könnte „tiefgreifende“ Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben. Nach Schätzungen der BIZ haben internationale Banken bis Mitte dieses Jahres ein Volumen von 3,1 Billionen Dollar an die Schwellenländer verliehen, zumeist auch in Dollar denominiert. Zudem haben diese Länder Auslandsanleihen im Volumen von 2,6 Billionen Dollar aufgelegt, drei Viertel davon wiederum in Dollar ausgegeben.

          Indonesiens Notenbank warnt vor Panik

          Die indische Rupie pendelt mit 63,55 um den niedrigsten Stand seit 13 Monaten gegenüber dem Dollar. In Indien verkauften Staatsbanken am Mittwoch im Auftrag der Notenbank schätzungsweise eine halbe Milliarde Dollar, um den Fall des Außenwertes der Rupie aufzuhalten. Allerdings erkennen Händler keine Krise, die der von 2013 gleiche: Denn Indien verzeichnet nun eine wesentlich niedrigere Inflationsrate, hat mit 315 Milliarden Dollar höhere Währungsreserven und ein niedrigeres Leistungsbilanzdefizit.

          Ohne Zweifel lastet auf Indonesien derzeit mehr Druck. Die Notenbank stützte am Mittwoch abermals die Rupiah. Ihr Wert war am Montag auf 12.698 je Dollar und damit auf dem tiefsten Stand seit 16 Jahren gesunken. Am Dienstag hatte sie weitere 2 Prozent verloren. Am Mittwoch gewann sie minimal um 0,2 Prozent auf 12.658, nachdem die Zentralbank eingegriffen hatte. Die Währungshüter seien mit einer Bandbreite zwischen 11.900 und 12.300 gegenüber dem Dollar zufrieden, erklärte der Stellvertretende Gouverneur Mirza Adityaswara am Mittwochabend. Er warnte vor einer „Panik“, die Fundamentaldaten seien weiterhin gut.

          Stagnierendes Wachstum in Thailand

          Die Notenbank hat auch Staatsanleihen gekauft. Ausländische Investoren, die vor der Wahl auf den Gewinn des heutigen Präsidenten und einen Wirtschaftsaufschwung setzten, haben seit Monatsbeginn schon Anleihen im Wert von 8,8 Milliarden Dollar abgestoßen und Aktien im Wert von 337 Millionen Dollar. Die Bonds sind aufgrund der Eigentümerstruktur ein Risiko für Indonesien: Liegen in Malaysia 28,6 Prozent in Händen von Ausländern, in Thailand 18,2 Prozent und auf den Philippinen 7,5 Prozent, liegt der Auslandsbesitz in Indonesien bei gut 39 Prozent. Er könnte rasch schmelzen, wenn die Zinsen in Amerika steigen und die Krise der Rohstoffländer zunimmt. Zwar hilft Indonesien der niedrige Ölpreis, denn das Land ist Nettoimporteur. Doch belasten die ebenfalls geringen Preise für Kohle und Palmöl die Einnahmen.

          Auch Thailand, Südostasiens zweitgrößte Volkswirtschaft, zeigt sich fragil: Viele Unternehmer schwärmen zwar von der Militärdiktatur, die seit Mai für Ruhe sorgt. Doch stagniert die Wachstumsrate bei nur noch 1,5 Prozent. Zugleich verschulden sich die Haushalte immer mehr. Weil die private Verschuldungsrate nun schon 84 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) erreicht hat, konnte die Zentralbank auch in dieser Woche die Zinsen nicht weiter senken. Innerhalb von zehn Jahren hat sich der Schuldenstand fast vervierfacht. Damit fehlt der Regierung das Mittel, die Wirtschaft anzuheizen. Im benachbarten Malaysia liegt die Privatverschuldung sogar bei 86 Prozent des BIP. Die thailändische Notenbank sprach nun von einem „alarmierenden Niveau“.

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