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Tankstellen : Preise für Benzin und Diesel schwanken immer stärker

Bild: F.A.Z.

Ökonomen halten die Preisschwankungen für ein gutes Zeichen: Der Wettbewerb an Deutschlands Tankstellen nehme zu. Das geht aber zu Lasten des Frühstücksgeschäfts - beschweren sich die Pächter.

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          Die Preise an Deutschlands Tankstellen schwanken offenbar noch stärker als in früheren Zeiten. Tankstellenpächter berichten, zum Teil änderten sich die Preise mittlerweile bis zu 14 Mal am Tag. Sie führen das auf die Markttransparenzstelle des Bundeskartellamtes zurück, an die seit etwa anderthalb Jahren rund 13.000 Tankstellen in Deutschland laufend ihre Preise berichten. Über Internetseiten, Apps und Navigationssysteme von rund 50 Dienstleistern können Autofahrer auf diese Weise leichter eine günstige Tankstelle finden.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Dass die Schwankungen bei den Kraftstoffpreisen für Benzin und Diesel im letzten Jahr zugenommen haben, ist sicher nicht zu bestreiten“, sagt Christian Küchen, der Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbands. Mit den neuen Benzinpreis-Übersichten hätten die Verbraucher ein „einfaches Instrument in der Hand, eine regional günstige Tankstelle zu finden“. Der Bundesverband Tankstellen und Gewerbliche Autowäsche Deutschland hingegen beklagt, dass sich mittlerweile viele Autofahrer darauf eingestellt hätten, dass die Benzinpreise nachmittags günstiger seien als morgens. Die Folge: Die Tankstellen könnten in ihren Shops weniger Brötchen fürs Frühstück verkaufen. Die Pächter verlieren nach Angaben des Verbandes so rund 1000 Euro Umsatz monatlich im Backwarensegment, etwa für belegte Brötchen.

          Von fehlendem Wettbewerb kann keine Rede sein

          Das Internetportal Clever-Tanken.de berichtet unterdessen, in letzter Zeit sei zusätzlich zu den sonst üblichen Preisänderungsrunden eine Preiserhöhung an vielen Tankstellen zur Mittagszeit hinzugekommen. Ansonsten sind die Benzinpreise morgens am höchsten und sinken im Tagesverlauf. Zwischen 17 und 19 Uhr sind sie am niedrigsten, danach steigen sie dann wieder. In den vergangenen Wochen schwankte dabei der Preis für Super E10 im Bundesdurchschnitt zwischen 1,42 und 1,48 Euro, der Preis für Diesel zwischen 1,12 und 1,20 Euro.

          „Ich habe auch den Eindruck, dass die Geschwindigkeit der Zyklen zunimmt“, sagte der frühere Vorsitzende der Monopolkommission, Justus Haucap. Gemeinsam mit anderen Ökonomen aus Düsseldorf wertet er gerade in mehreren Arbeitspapieren Daten über den deutschen Benzinmarkt aus, die jetzt erstmals so vorliegen, weil sie bei der Transparenzstelle gemeldet werden müssen. Ein wichtiges Ergebnis laute: „Im Gegensatz zu dem Verdacht, dass es auf dem Benzinmarkt kaum Wettbewerb gibt, zeigen die Zahlen das Wirken der Wettbewerbskräfte deutlich“, so Haucap. Die Untersuchungen der Düsseldorfer bestätigten Forschungsarbeiten des amerikanischen Ökonomen Michael Noel, dass die Edgeworth-Zyklen – so nennen Ökonomen solche Zyklen von Preisanhebungen und Senkungen – beim Benzin am Ende zu niedrigeren Preisen führten. „Je schneller die Tankstellen die Preise ändern, desto mehr reagieren sie auf das Angebot der Wettbewerber – desto stärker ist also der Wettbewerb.“

          Sinkende Rohölpreise werden an Verbraucher weitergegeben

          Interessant seien Regionen, in denen es viele Supermarkt-Tankstellen oder Tankstellen von Mr. Wash gebe, zeigten die Untersuchungen. Diese Tankstellen, bei denen der Benzinverkauf ein Nebengeschäft sei, senkten tendenziell das Preisniveau. „Das merkt man immer dann, wenn diese Tankstellen abends schließen“, sagt Haucap. „Dann setzen die anderen Tankstellen in der Region regelmäßig das Preisniveau hoch.“ Im Prinzip gelte daher: „Je heterogener der Tankstellenmarkt einer Region ist, desto niedriger sind dort die Preise – was der Vorstellung eines bundesweit von Konzernen gelenkten Marktes widerspricht.“

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          In einer Studie im Auftrag des Verbraucherzentrale-Bundesverbands waren Wissenschaftler unlängst zu dem Ergebnis gekommen, bei den Preisen für Benzin und Diesel werde der Preisverfall beim Rohöl zwar an die Verbraucher weitergegeben – allerdings nur zu einem Teil. Die Verbraucherschützer hatten das kritisiert.

          Der Rohölpreis ist seit Juni weiter gesunken. Am Montag erreichte der Preis für die Nordseesorte Brent mit 48,24 Dollar je Barrel (159 Liter) zwischenzeitlich den niedrigsten Stand seit sechseinhalb Monaten. Auch die Opec hatte eine weitere Preissenkung für ihren Korb aus mehreren Ölsorten bekanntgegeben.

          „Bestpreisgarantie“ ist Resultat der Transparenzstelle

          Sehr unterschiedlich ist im Augenblick die Entwicklung des Preises von Superbenzin und Diesel. Während in früheren Jahren die Preise deutlich dichter beieinander lagen, betrug die Spanne in letzter Zeit zeitweise fast 30 Cent. Zwischen 2011 und 2014 waren es im Durchschnitt nur 13 Cent gewesen. Rohstoffexperten der Commerzbank nannten als einen Grund, dass in den Vereinigten Staaten im Augenblick viel Benzin verbraucht werde, die Nachfrage von dort sei groß. Amerikanische Autos führen seltener mit Diesel als die Autos hierzulande.

          Bei der Herstellung von Benzin aber entstünden Diesel und Heizöl gleichsam als Nebenprodukte, die Nachfrage dafür sei derzeit aber eher niedrig. Das erkläre die starke Preisdifferenz, neben der unterschiedlichen Besteuerung.

          Eine Folge der Markttransparenzstelle sollen nach Angaben des Bundeskartellamtes auch die „Bestpreisgarantien“ sein, die Mineralölgesellschaften für bestimmte Tankkarten abgegeben haben. Shell beispielsweise wirbt seit einigen Wochen damit, dass man als Inhaber einer bestimmten Tankkarte beim Benzinpreis nie mehr als zwei Cent je Liter über dem Preis der jeweils günstigsten Tankstelle in einer Region zahlen sollte.

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