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Amerikas Geldpolitik : Die Fed steuert behutsam um

Der Adler vor dem Federal Reserve-Gebäude in Washington Bild: Reuters

Die amerikanische Notenbank deutet ein Ende der quantitativen Lockerung für 2014 an. Gleichzeitig sieht sie die Wirtschaftslage optimistischer.

          2 Min.

          Die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) hat ein mögliches Ende der quantitativen Lockerung im kommenden Jahr skizziert, hält sich aber weiter alle Optionen offen. Der Fed-Vorsitzende Ben Bernanke sagte in Washington vor Journalisten, die Notenbank könnte in diesem Jahr beginnen, ihre Anleihekäufe zu verringern.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Der Ausstieg aus der quantitativen Lockerung dürfte sich nach seiner Darstellung bis ins kommende Jahr hinziehen. Ungefähr zur Jahresmitte dürfte das Programm dann enden. Bernanke knüpfte dieses Szenario ausdrücklich daran, dass die Wirtschaft sich in etwa gemäß den Erwartungen der Fed entwickeln werde.

          Positivere Konjunkturaussichten

          Dabei sieht der Offenmarktausschuss die Aussichten nun positiver als noch im März. Die Bedingungen am Arbeitsmarkt hätten sich in den vergangenen Monaten weiter verbessert, heißt es in der Erklärung des Offenmarktausschusses. „Die Abwärtsrisiken für den wirtschaftlichen Ausblick und den Arbeitsmarkt haben sich seit dem Herbst verringert.“ Im Herbst hatte die Fed die dritte Runde der quantitativen Lockerung begonnen, in der sie derzeit für 85 Milliarden Dollar im Monat Staatsanleihen und Hypothekenpapiere kauft.

          Die Arbeitslosenquote erreichte zuletzt 7,6 Prozent, einen halben Prozentpunkt niedriger als zu Beginn der quantitativen Lockerung. Der Offenmarktausschuss erwartet in diesem Jahr ein Wachstum von 2,3 bis 2,6 Prozent, marginal weniger als noch im März. Für 2014 und 2015 prognostiziert die Fed aber ein Wachstum von 3,25 Prozent im Mittel der Prognosen der Ausschussmitglieder.

          Nullzinspolitik dauert noch länger

          Bernanke betonte, dass ein Ende der Anleihekäufe nicht automatisch den Weg für Zinserhöhungen öffne. 13 der 19 Mitglieder des Offenmarktausschusses erwarten eine erste Zinserhöhung im Jahr 2015, einer der Geldpolitiker sogar erst im Jahr 2016. Seit Dezember 2008 hält die Fed den Leitzins bei nahe Null Prozent. Die Fed hat das Ende der Nullzinspolitik weiter daran geknüpft, dass die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent fallen werde. Das dürfte nach der Prognose der FOMC-Mitglieder 2015 der Fall sein.

          Bernanke unterstrich auch hier, dass das Erreichen der Marke von 6,5 Prozent nicht automatisch Zinserhöhungen auslösen werde. Die Notenbank beobachte die zuletzt sehr niedrige Inflationsrate und den Fall der Inflationserwartungen sehr aufmerksam, erklärte Bernanke. Er sprach von Sondereinflüssen. Die Fed erwartet für das kommende Jahr aber eine Inflationsrate von etwa 1,7 Prozent.

          James Bullard, der regionale Fed-Präsident von St. Louis, stimmte der Erklärung nicht zu, weil sie ihm zu wenig Aufmerksamkeit auf die niedrige Inflation lege. Esther George, Fed-Präsidentin von Kansas, votierte dagegen, weil sie fürchte, dass die andauernde geldpolitische Expansion künftige Inflationsrisiken mit sich bringe. Das von der Fed bevorzugte Inflationsmaß, die Kernrate des Preisanstiegs für persönliche Ausgaben, lag im April bei nur noch 1,1 Prozent.

          Bernanke, dessen Vertrag als Fed-Vorsitzender im Januar 2014 endet, lehnte jeden Kommentar über seine persönliche Zukunft ab. Er wolle die Aufmerksamkeit nicht von der Geldpolitik ablenken und habe nichts mitzuteilen. Präsident Barack Obama hatte Anfang der Woche signalisiert, dass er wohl einen neuen Fed-Vorsitzenden berufen will. Bernanke sei schon länger geblieben als er wollte oder als er sollte, hatte Obama gesagt. „Ich glaube nicht, dass das eine sehr nette Geste seitens des Präsidenten war“, sagte Harvard-Ökonom Martin Feldstein. Der frühere Fed-Gouverneur Laurence Meyer sagte, Obama habe Bernanke faktisch gefeuert.

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