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Aluminium-Handel : Die Finanzbranche verdient an jeder Coladose

Millionengeschäfte mit Dosen. Bild: Bloomberg

Viele Großbanken besitzen Warenlager für Aluminium und verknappen so das Angebot. Am Ende zahlen die Verbraucher mehr.

          2 Min.

          Gleichgültig ob gefüllt mit Bier, Limonade oder Eistee – täglich öffnen die Deutschen knapp 4 Millionen Getränkedosen. Dazu kommen nochmals unzählige Konservendosen, gefüllt mit Ananas, Pfirsichen oder Birnen. Wie die amerikanische Zeitung „New York Times“ berichtet, sollen Großbanken an jeder dieser Dosen mitverdienen. Zwar nur mit geschätzt 0,1 Cent je Dose – aber bei vielen Billionen Dosen weltweit wären die Gewinne nicht zu verachten.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die „New York Times“ recherchierte dazu im Umfeld von Goldman Sachs. Die amerikanische Großbank kaufte vor drei Jahren den Lagerhausspezialisten Metro International. Durch die Lagerhäuser des Unternehmens geht etwa ein Viertel des amerikanischen Aluminiums. Allerdings scheint es dort seit der Übernahme ganz und gar nicht mehr rund zu laufen. Vor der Eingliederung von Metro International warteten die Kunden etwa 6 Wochen auf die Lieferung ihrer Ware – mittlerweile sollen es bis zu 16 Monate sein.

          Goldman Sachs kassiert für jeden zusätzlichen Tag Lagergebühren. Die Kosten werden an die Endverbraucher weitergegeben. Die „New York Times“ geht sogar noch weiter und spricht von absichtlich verschleppten Lagerfristen. Das Ganze soll allein die amerikanischen Verbraucher etwa 5 Milliarden Dollar gekostet haben.

          Goldman Sachs: Wir haben nicht genug Aluminium zur Manipulation

          Dabei sollte so etwas eigentlich nie passieren. Im Zuge der Finanzkrise wurde Goldman Sachs – und auch andere Großbanken – von reinen Investmentbanken zu Geschäftsbanken umgewandelt. Dadurch konnten sie sich billiger Geld leihen, unterlagen aber im Gegenzug auch einer strengeren Regulierung. So wird etwa verlangt, dass Goldman täglich 3000 Tonnen Aluminium ausliefern muss – nur nicht zwingend an Kunden. Die „New York Times“ zitiert Experten, die davon ausgehen, dass bis zu 90 Prozent dieser Menge lediglich in andere Lage umgeschichtet werden. Fachleute kritisieren nun, dass die Regelungen der amerikanischen Notenbank Fed zu lax sind.

          Goldman Sachs dementiert jedoch die Geschichte, und die Argumente der Großbank klingen nicht unschlüssig. So werden in den Lagerhäusern nur 1,5 Millionen Tonnen Aluminium vorgehalten – bei einer Jahresproduktion von geschätzten 48 Millionen Tonnen ist das zu wenig, um eine weltweit marktbeherrschende Stellung zu haben, die den Preis wesentlich beeinflussen könnte. Außerdem verweist die Bank darauf, dass ihr selbst nur ein Bruchteil des Aluminiums gehört – der Großteil gehört den Konzernen, die es dann zum Beispiel zu Dosen weiterverarbeiten. So oder so – das Problem mit der langen Auslieferungsdauer kann die Großbank nicht dementieren. Ob diese allerdings absichtlich verursacht wurden, um höhere Lagergebühren einzustreichen oder einfach aufgrund von Missmanagement entstanden sind, ist unklar.

          Der amerikanische Senat hat aber das Problem mittlerweile erkannt. So beschäftigt sich der Bankenausschuss mittlerweile mit der Frage, ob Banken überhaupt Kraftwerke, Ölraffinerien und Lagerhäuser besitzen dürfen. In einer Anhörung kritisierte etwa ein Vertreter der Brauerei Miller-Coors, dass allein seiner Firma die längeren Auslieferungszeiten mehrere Millionen Dollar im Jahr kostet.

          Auch die amerikanische Notenbank Fed überprüft Einschränkungen für die Großbanken. Allerdings herrscht zwischen Senat und Fed offen Streit über die Frage der Regulierung. So kritisiert der demokratische Senator Sherrod Brown, dass die Fed in der Frage der Regulierung nicht ausreichend mit dem Senat kommuniziert. Allerdings hätte das Parlament selbst die Macht dazu, stärkere Regeln zu erlassen und müsste nicht erst auf die Fed warten. Des Weiteren werfen Insider der Notenbank und auch der Börsenaufsicht SEC vor, gerade auf dem sensiblen Feld des Rohstoffhandels nicht hart genug durchzugreifen.

          Als nächstes könnte es Kupfer treffen. Die Finanzbrache hat ein Auge auf das Metall geworfen. Die SEC genehmigte im vergangenen Jahr, dass börsengehandelte Indexprodukte physisch mit Kupfer hinterlegt werden dürfen. Fachleute befürchten, dass dies zu einer Verknappung führen könnte und das wichtige Industriemetall noch teurer werden könnte.

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