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Aktienmarkt : Staatsfonds aus Nahost bewegen die Märkte

Goldene Zeiten für Ölförderer sind weiterhin nicht in Sicht. Bild: dpa

Erdöl-Staaten haben auf den Kapitalmärkten Billionen investiert. Doch schwindende Öleinnahmen könnten ihre Fonds jetzt zwingen, Aktien und Anleihen zu verkaufen. Es droht ein Preisabwärtsschub.

          4 Min.

          Die fallenden Ölpreise bringen Unruhe in die Wertpapiermärkte. Denn wichtige Nachfrager von Aktien und Anleihen der Industrieländer sind in Schwierigkeiten. Die Schweizer Großbank UBS hat berichtet, dass im vierten Quartal 2015 Fonds aus ölreichen Ländern von der Bank 3,4 Milliarden Franken (3,1 Milliarden Euro) abgezogen hätten, weil sie Liquidität benötigten. Der Pariser Bankier Philippe Oddo, der gerade die Frankfurter BHF-Bank gekauft hat und über gute Kontakte in den Nahen und Mittleren Osten verfügt, erklärt die aktuelle Schwäche der Börsen so: „Einige große Staatsfonds sind gezwungen, Aktiva zu verkaufen, weil ihre Einnahmen sinken.“ Das wäre neu.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bis 2014 schwammen Öl exportierende Schwellenländer nur so in Überschüssen. Ihre Fremdwährungsreserven (im Wesentlichen Dollar-Bestände) kletterten höher und höher. Noch heute zehrt ein Land wie Russland davon, dass seine Zentralbank 364 Milliarden Dollar an Fremdwährungsreserven verwaltet. Einige Länder gerade am Persischen Golf wie Abu Dhabi und Kuweit haben mit ihrem Ölverkauf sogar so viel eingenommen, dass sie mit einem Teil der Fremdwährungsreserven riesige Staatsfonds aufbauen konnten.

          Auch wenn wenig dazu öffentlich bekannt ist, so lässt sich doch sagen: In diesem Fonds stecken oft dreistellige Milliardendollarbeträge, die breit angelegt sind, vorzugsweise in Anlagen, die nichts mit Öl zu tun haben. So wird der hinter dem norwegischen Staatsfonds größte Fonds der Welt, der ADIA des Emirats Abu Dhabi, auch als Zukunftsfonds bezeichnet, weil er den Wohlstand der nächsten Generation sichern soll; vorausschauend wird gedacht an eine Welt, die deutlich weniger Öl verbrauchen könnte als heute.

          4,5 Billionen Dollar in 26 Fonds?

          Doch überraschend schnell werden die Staatsfonds jetzt gebraucht, um Löcher zu stopfen, die durch ausbleibende Öleinnahmen gerissen werden. Der Internationale Währungsfonds schätzte schon im Oktober – damals standen die Ölpreise noch bei 50 Dollar –, dass die Erdöl exportierenden Länder 2015 ein Leistungsbilanzdefizit erwirtschaftet haben. Es wäre das erste seit 1998, und die Lage hat sich inzwischen mit Ölpreisen um 30 Dollar weiter zugespitzt.

          Von der Ratingagentur Moody’s heißt es: „Wir erwarten, dass die Staatsfonds zunehmend dazu verwendet werden, um Haushaltsdefizite zu finanzieren.“ Die Ratingagentur Fitch wartete sogar in dieser Woche mit einer präzisen Schätzung auf. Abu Dhabis Fonds ADIA werde von 502 Milliarden Dollar auf 475 Milliarden Dollar bis Jahresende 2016 schrumpfen, weil er Geld in das Staatsbudget transferieren müsse.

          Bild: F.A.Z.

          Dafür könnte der Fonds selbst gemanagte Anlagen, aber auch an Fremdfonds in Amerika ausgelagerte Gelder verwenden. Derartige Schätzungen sind allerdings mit Vorsicht zu genießen. Weil es sich oft um Fonds autoritärer Staaten handelt, weiß kaum jemand genau, wie viel die Staatsfonds überhaupt anzulegen haben. Oft ist die Zahl von 4,5 Billionen Dollar zu hören und zu lesen, die von den 26 größten Staatsfonds angeblich verwaltet werden.

          Großer Faktor an den Kapitalmärkten

          Falls sie stimmt, wäre das doppelt so viel wie in Hedgefonds steckt. Zudem hält es Massimiliano Castelli, verantwortlich für die Anlagestrategie im Asset Management der UBS, für erforderlich, auch die von Zentralbanken Erdöl exportierender Länder verwalteten Fremdwährungsreserven zu berücksichtigen. Castelli führt dazu eigene Hochrechnungen: Demnach erreichten Devisenreserven und Staatsfonds nach einem jährlichen Zuwachs von rund 10 Prozent seit 2004 mit 17,6 Billionen Dollar 2014 ihren Höchststand. Castelli schätzt, dass sie nun bis Ende 2015 auf 16,4 Billionen Dollar gesunken sind. Größter Treiber dabei sind die schrumpfenden Fremdwährungsreserven Chinas – Staatsfonds verloren lediglich von 6,1 auf 5,9 Billionen Dollar.

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