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Agrarrohstoffe : Zuckerpreise als Zeichen eines überregulierten Rohstoffs

  • -Aktualisiert am

Zuckerrohr-Ernte (in Brasilien) Bild: AFP

Handelsbeschränkungen auf Zucker durch die Vereinigten Staaten und andere Nationen haben zu Verknappung, Preisverdoppelungen und verärgerten amerikanischen Lebensmittelunternehmen geführt.

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          Lufkin - im amerikanischen Bundesstaat Texas - ist eine Kleinstadt nördlich von Houston und seit 1932 Sitz des Familienunternehmens Atkinson Candy. Das wird nicht mehr lange so sein, denn die Zuckerpreise erreichen Höhen, die man seit fast 30 Jahren nicht erlebt hat.

          Zucker mache etwa 60 Prozent der Zutaten aus, die zur Herstellung von Atkinsons Süßwaren verwendet werden, wie zum Beispiel die Hausprodukte Chick-O-Sticks und Long Boys, erklärt Eric Atkinson, Chef des Unternehmens und Enkel des Firmengründers. Weil das amerikanische Landwirtschaftsministerium Kontingente auf die zulässigen Zuckerimporte erlassen hat, war das Unternehmen in der Vergangenheit gezwungen, mitunter das Doppelte dessen zu bezahlen, was seine internationalen Wettbewerber zahlen müssen.

          Der Preis treibt die Unternehmen aus dem Land

          Die Zuckerpreise in den Vereinigten Staaten haben sich im laufenden Jahr fast verdoppelt, so dass Atkinson entschieden hat, wohl oder übel in Guatemala eine Neugründung vorzunehmen, wo er von den niedrigeren Zuckerpreisen eines freien Marktes profitieren kann.

          „Made in America ist nach wie vor etwas wert, aber die Kosten sind rasant gestiegen, und die Verbraucher ziehen konsequent die Sparbremse. Preissteigerungen akzeptieren sie nicht“, sagt Atkinson. „Wenn es nur um die Löhne ginge, könnte ich hier bleiben. Es ist der Zuckerpreis, der uns aus dem Land treibt.“ Atkinson argumentiert, dass „protektionistische“ Maßnahmen, die den amerikanischen Zuckerbauern und -produzenten helfen sollen, am Ende den einheimischen Lebensmittel- und Süßwarenherstellern das Wasser abgraben.

          Wenn er mit seiner Produktion in Richtung Süden abwandert, so werden mindestens 30 seiner 225 Mitarbeiter ihre Jobs verlieren, schätzt Atkinson. „Seit 25 Jahren stecken wir in dieser Zwickmühle“, klagt er. „Wenn man nicht den Markt die Preise regeln lässt, kommt das dabei heraus.“

          Ölspekulationen trieben Preis

          Der Kurs des aktivsten Zucker-Terminkontrakts stieg von 11,70 Dollar am 24. Oktober 2008 auf 22,97 Dollar am 12. August 2009. Dieser Anstieg um 96 Prozent vollzog sich in einer deutlich kürzeren Zeitspanne als die Verdoppelung des Benzinpreises in den Vereinigten Staaten auf über 4 Dollar für die Gallone (3,8 Liter) im letzten Sommer.

          Das gab den amerikanischen Lebensmittelunternehmen - die meisten von ihnen viel größer als Atkinson Candy - neue Munition. Seit Jahrzehnten laufen sie gegen die Quotenpolitik des Landwirtschaftsministeriums Sturm. In Reaktion auf die jüngsten Preisspitzen hat eine Gruppe großer amerikanischer Lebensmittelfirmen am 5. August einen Brief geschrieben, in dem sie Landwirtschaftsminister Thomas J. Vilsack dringend ersuchen, die Zuckerkontingente zu erhöhen. Die Firmen, unter ihnen Conagra Foods, General Mills, Hershey und Kraft Foods, warnten, dass die Untätigkeit der Regierung zu höheren Verbraucherpreisen, Stellenabbau und „Marktverzerrungen“ führen könnten.

          „Wir beobachten die Entwicklungen der Märkte nach wie vor genau“, sagte der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums, Justin DeJong, gegenüber BusinessWeek als Antwort auf das Schreiben. Nicholas Fereday, ranghoher Ökonom bei LMC International, einem im Landwirtschaftssektor tätigen unabhängigen Beratungs- und Rechercheunternehmen, sagt, dieser Brief sei „nichts Neues - wieder einmal ein Anlauf, eine Politik zu durchbrechen, mit der [diese Lebensmittelfirmen] extrem unzufrieden sind“. Und: „Sie könnten einfach den derzeitigen Markttrend nutzen, um ihre Position zu stärken.“

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