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Agrarrohstoffe : Zuckerpreise als Zeichen eines überregulierten Rohstoffs

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Die Zuckernachfrage hat in den vergangenen Jahren zugenommen, was zum Teil auf gestiegene Einkommen in den Entwicklungsländern zurückzuführen ist. Laut Prognosen des Landwirtschaftsministeriums wird der weltweite Verbrauch in den Jahren 2009-2010 im Vergleich zum Vorjahr um 1,5 Millionen Tonnen wachsen.

Die Bauern reagieren darauf, indem sie von einigen alternativen Anbauprodukten und Verwendungszwecken zum Zucker zurückkehren. Etwa 42 Prozent des brasilianischen Zuckerrohrs sind in diesem Jahr für die Zuckerproduktion vorgesehen - das sind 2 Prozent mehr als im Jahr davor. Aber im Gegensatz zum Mais braucht Zuckerrohr Jahre, bis es geerntet werden kann, weshalb das Umschwenken auf dieses Produkt Zeit und Geld kostet. Die globale Wirtschaftskrise macht diesen Übergang noch schwieriger. Brasilien versucht derzeit, seine Fabriken zu modernisieren und neue zu bauen. „Deshalb braucht die Produktion länger, bis sie reagieren kann, besonders wegen der Kreditkrise“, erklärt McDougal. „Brasilien hatte alle Kräfte auf die Steigerung der Produktion konzentriert, aber jetzt ist das Programm zum Stillstand gekommen.“ Laut Aussage des Landwirtschaftsministeriums sind 40 Prozent der brasilianischen Fabriken, die 2009 die Produktion aufnehmen sollten, bis 2010 aufgeschoben worden. Indien dagegen, das zuvor 5,8 Millionen Tonnen exportiert hatte (Nr. 2 in der Welt), entwickelte sich innerhalb eines Jahres zum Importeur von 1,8 Millionen Tonnen (Nr. 2 in der Welt).

Produzenten sind die Nutznießer

Die Zuckerproduzenten sind die Nutznießer der hohen Preise. Cosan, mit 21 Zucker- und Ethanolfabriken Brasiliens größter Zuckerproduzent, musste in dem zum Januar endenden Quartal noch einen Nettoverlust von 64,6 Millionen Dollar hinnehmen; im Frühjahrsquartal, als die Zuckerpreise um etwa 33 Prozent anzogen, generierte das Unternehmen statt dessen einen Nettogewinn von 184 Millionen Dollar. Cosans Finanzdirektor, Marcelo Martins, sagte, dass er für mindestens eine weitere Anbausaison von stabilen Preisen ausgehe.

Zu weiteren Unternehmen, die von der Preisspitze profitieren, gehören laut Einschätzung von Gary Drimmer, Chef der Landwirtschafts-Beratungsgesellschaft Drimmer & Associates International, Produzenten und Händler wie Tate & Lyle und ED&F Man, die Hersteller von fruktosereichem Maissirup Archer Daniels Midland, Cargill Foods und Corn Products International, und die Düngemittelhersteller Agrium, Terra Industries und CF Industries Holdings.

„Solange man genügend Altbestände halten kann, funktioniert der Markt für einen Rohstoff in der Regel gut“, sagt Berater Corzine. Die Lieferrückgänge in Brasilien und Indien „haben schließlich zu einem Abbau der Bestände geführt. In dem Maße, wie der Zuckerpreis steigt, werden sich die Leute nach alternativen Süßstoffen umsehen müssen“. Am Ende komme der Markt dann wieder ins Gleichgewicht.

„Wenn die indische Ernte gut wird, dürften sich die Preise abschwächen. Wenn aber“, warnt McDougal, „der Monsun sporadisch bleibt, oder wenn El Niño in Asien neue Schwierigkeiten verursacht, oder wenn in Brasilien weitere Probleme hinzukommen, so könnten die Preise anziehen. Die Märkte reagieren derzeit sehr sensibel.“

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