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Agrarrohstoffe : Zuckerpreise als Zeichen eines überregulierten Rohstoffs

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Regierungen bremsen den Handel

Verzerrungen des internationalen Zuckermarktes sind ebenfalls nichts Neues. Auch wenn Zucker nicht die Schlagzeilen erfährt wie Öl und Gold, kann er doch viel volatiler sein. „Zucker ist der Rohstoff, der durch die Regierungen am meisten geschützt wird, in den sie sich am häufigsten einmischen“, berichtet Mike McDougal, Senior Vice-President für den Geschäftsbereich Brasilien bei Newedge, einer globalen Brokerage-Firma.

Laut Schätzung des Landwirtschaftsministeriums wird der Weltmarkt von 2009 bis 2010 etwa 160 Millionen Tonnen Zucker produzieren. Aber viele der produktionsstärksten Länder erlassen Handelsbarrieren und Kontingente, die Preis, Angebot und Nachfrage auf dem Binnen- wie auf dem Weltmarkt gleichermaßen verzerren. Die Vereinigten Staaten schränken die Zuckerimporte ein, um die Binnenmarktpreise hoch zu halten, begrenzen die einheimische Produktion und etablieren durch ein Kreditprogramm für amerikanische Produzenten praktisch einen Mindestpreis. Die indische Regierung schreibt vor, wie viel des Rohstoffs die Zuckerhändler wie lange in Besitz haben dürfen, um das Horten von Vorräten zu verhindern. Auch sie etabliert eine Preisuntergrenze und verlangt von den Zuckerfabriken, dass sie 10 Prozent ihres Produkts an den Staat verkaufen, damit es verbilligt an die Armen verkauft werden kann. In Thailand kontrolliert die Regierung die Inlandspreise und erhebt hohe Zölle auf Zuckereinfuhren. Die chinesischen Provinzverwaltungen legen ebenfalls Mindestpreise fest, und die chinesische Nationale Kommission für Entwicklung und Reformen hat in Abstimmung mit der chinesischen Volksbank Gewerbekredite vergeben und zusammen mit dem Finanz- und dem Handelsministerium Tausende Tonnen Zucker aufgekauft.

„Die Quotenregelungen sind unsinnig, weil die Gründe für ihre Existenz durch interessierte Parteien völlig [zunichte] gemacht wurden“, sagt Philip Corzine, ein Landwirtschaftsberater. „Die meisten Leute wissen gar nicht, dass Zucker reguliert wird.“ Zu diesen interessierten Parteien gehören ländliche Farmer, Hersteller von alternativen Süßstoffen (wie zum Beispiel fruktosereicher Maissirup, dessen Preis sich oft im Verbund mit dem Zuckerpreis bewegt), Zuckerverarbeiter, die Lebensmittelfirmen und natürlich Politiker, die auf der Jagd nach Wahlkampfspenden sind.

Der Einfluss des Wetters

Wie bei vielen landwirtschaftlichen Produkten hängt auch die weltweite Zuckerversorgung stark vom Wetter ab. Das, was man gemeinhin unter Tafelzucker versteht, wird größtenteils aus Rohr- und Rübenzucker gewonnen, während fruktosereicher Maissirup, ein anderer Süßstoff in flüssiger Form, aus Mais gewonnen wird. Schwere Regenfälle in Brasilien, dem weltgrößten Produzenten und Exporteur, haben in diesem Jahr die Ernteerträge schrumpfen lassen (zu viel Wasser im Rohr führt dazu, dass es an Gewicht zunimmt und wächst, wodurch der Succhrosegehalt abnimmt). In Indien hat man mit dem entgegengesetzten Problem zu kämpfen: Dort ist nicht genügend Regen gefallen, um den Anbau während des in diesem Jahr unerwartet trockenen Monsuns ausreichend zu kultivieren. Dürre in Mexiko hat ebenfalls zu unerwarteten Ernteausfällen geführt.

Darüber hinaus ist die dem Zuckerrohranbau gewidmete Fläche in den vergangenen Jahren sowohl in Brasilien als auch in Indien kleiner geworden, nachdem niedrigere Preise indische Bauern zwangen, in andere, profitablere Kulturen zu diversifizieren, und die brasilianische Regierung angeordnet hat, dass ein Großteil seines Zuckerrohrs für die Produktion von Ethanol, einem Benzinersatz, verwendet wird, das zunehmend rentabler wurde, als der Trend hin zu alternativen Kraftstoffen an Fahrt gewann.

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