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Agrarrohstoffe : Zuckerpreis im „Schweinezyklus“

  • Aktualisiert am

Zuckerrohrernte in Texas Bild: AP

Zucker wird knapp, der Preis muß steigen, heißt es immer wieder. Nun zeichnen sich jedoch Produktionsüberschüsse ab. „Nachwachsende Rohstoffe“ wachsen eben nach. Je teurer sie werden, desto rascher wird das Angebot zunehmen.

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          Steigende Energie- und Rohstoffpreise sorgten in den vergangenen Monaten für Furore, die wiederum zu einer Eigendynamik führte. Auf der einen Seite berichteten die Medien immer mehr darüber, nachdem sie das Thema lange Zeit einfach ignoriert hatten. Auf der anderen Seite wurden wohl gerade dadurch immer mehr Anleger dazu bewogen, Geld in diesem Bereich zu investieren.

          Tatsächlich gibt es dafür zumindest langfristig betrachtet gute fundamentale Gründe. Kurzfristig betrachtet dürften sowohl die Euphorie und die dadurch ausgelösten Preis- und Kursbewegungen überzogen gewesen sein, abgesehen von Einzelfällen. Das zeigt sich alleine schon an den teilweise massiven Korrekturbewegungen, die in den vergangenen Wochen zu beobachten waren. Zum Beispiel bei Gas oder aber auch bei Zucker.

          Bei „nachwachsende Rohstoffe“ kann auch die Angebotsmenge wachsen

          War der Zuckerpreis zu Beginn des Jahres förmlich in die Vertikale übergegangen und hatte in New York Preise von bis zu 19,73 Dollar je Pfund erreicht, so hat er sich bis in den September hinein wieder bis zu 51 Prozent verloren, bevor er sich wieder etwas erholen konnte. Dagegen haben die Preise von Weizen und Mais gerade in jüngster Zeit deutlich zugelegt.

          Solche Entwicklungen machen deutlich, daß man Rohstoffe generell nicht über einen Kamm scheren kann. Das wird alleine an den Begriffen deutlich: Während die Vorkommen von Bodenschätzen endlich sind, können „nachwachsende Rohstoffe“ eben nachwachsen. Sehr wahrscheinlich sogar je schneller, desto zügiger die Preise steigen - abgesehen von kurzfristigen Turbulenzen, wie sie etwa durch Wetterkapriolen oder durch alternative Verwendungszwecke, zum Beispiel die Verarbeitung von Mais zu Ethanol oder die Umwandlung in Energie über Biogasanlagen - ausgelöst werden können. Immerhin lassen sich Erträge zumindest mittel- und langfristig sowohl über die Flächenausstattung als auch über die Züchtung steigern.

          Experten prognostizieren einen Zuckerüberschuß für das kommende Jahr

          Lief der Zuckerpreis im vergangenen Jahr unter anderem aufgrund der „Äthanolphantasie“ nach oben, so dürfte die Korrektur einerseits ausgelöst worden sein durch den sinkenden Ölpreis. Gleichzeitig scheint auch die Angebotssituation gar nicht so knapp zu sein, wie der Markt es offensichtlich eine Zeit lang unterstellt hatte. So werde das Zuckerangebot im kommenden Jahr die Nachfrage um 3,3 Millionen Tonnen übersteigen, lautet die Prognose von Olivier Pairault. Er ist Chefökonom des amerikanischen Agrarunternehmens Cargill.

          Hintergrund ist das rasch zunehmende Angebot. Experten gehen in der Erntesaison von einem Angebotszuwachs von knapp sieben Prozent aus. Alleine Brasilien werde die Produktion um 13 Prozent steigern und Indien gar um 25 Prozent. Das macht deutlich, wie rasch und deutlich Marktkräfte bei nachwachsenden Rohstoffen mit einer gewissen Zeitverzögerung zu einem Ausgleich der Angebots- und Nachfrageverhältnisse führen und damit Preisbewegungen unterminieren können.

          Sollten die Anbieter den Bedarf gar überschätzen und zuviel produzieren, dürften mittelfristig deutliche Preisrückschläge kaum überraschen, das Phänomen „Schweinezyklus“ läßt grüßen.

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