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Agrarrohstoffe : Marktenge treibt Sojapreis

Sojabohnenernte in Illinois Bild: dapd

Eine Hitzewelle in Südamerika und der Schweinefleischhunger Chinas haben den Sojapreis auf ein Fünf-Monats-Hoch getrieben. Kurzfristig fehlen jetzt aber die Impulse.

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          Wenig spannend entwickeln sich zur Zeit die Rohstoffmärkte. Nachdem die Preise vieler Güter in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres rückläufig waren, fingen sie sich und gegen derzeit vielfach seitwärts.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Eine kleine Ausnahme sind Sojabohnen. Deren Preis ist seit Mitte Dezember um rund 15 Prozent auf zuletzt 12,545 Dollar je Scheffel gestiegen. Hintergrund ist die sich immer stärker verdichteten Anzeichen, dass sich im laufenden Erntejahr ein deutlicherer Nachfrageüberhang auf dem Markt herausbilden wird als zuvor angenommen

          Bild: FAZ

          China benötigt immer mehr Schweinefutter

          Die Impulse kommen dabei von beiden Seiten. Auf der Nachfrageseite spielt wie immer China eine große Rolle. Nach Prognosen der Economic Intelligence Unit (EIU) wird der Verbrauch an Sojabohnen im reich der Mitte in diesem Jahr 70,5 Millionen Tonnen erreichen und damit um knapp 7 Prozent steigen. Damit steht China für mehr als 60 Prozent des Verbrauchsanstiegs, weil dieser in Amerika und Europa tendenziell stagnieren wird.

          China benötigt immer mehr Importe, um den steigenden Appetit seiner Bewohner auf Schweinefleisch zu befriedigen. Davon profitierte bislang im wesentlichen Südamerika, was Brasilien in diesem Erntejahr endgültig zum größten Sojabohnenexporteur der Welt machen dürfte.

          Dürre in Südamerika

          Doch just in Südamerika dürfte die Produktion jetzt wetterbedingt deutliche Einbußen erleiden. Temperaturen von mehr als 38 Grad und eine schwere Dürre haben zunächst in Argentinien, dann in Brasilien einen Teil der Ernte irreparabel beschädigt. Daher dürfte die Ernte in Argentinien nach Prognosen der EIU mit 46,5 Millionen Tonnen 5,5 Prozent niedriger ausfallen als im vergangenen Erntejahr und damit sinken und nicht wie ursprünglich prognostiziert um 5 Prozent steigen.

          Auch die Ernte in Brasilien, die im vergangenen Erntejahr noch um fast 10 Prozent auf eine Rekordmenge von 75,3 Millionen Tonnen gestiegen war, dürfte 2011/12 auf 71,5 Millionen Tonnen zurückgehen. Insgesamt rechnet die EIU so mit einer um knapp 6 Prozent niedrigeren Erntemenge weltweit, so dass sich ein Nachfrageüberhang von immerhin 12,3 Millionen Tonnen ergäbe, der damit deutlich über dem Überschuss von 10,5 Millionen Tonnen im Erntejahr 2010/11 läge.

          Großeinkäufe Chinas

          Diese Entwicklung hat dann wiederum China bewogen, verstärkt Sojabohnen anzukaufen. Am Mittwoch unterzeichnete eine chinesische Delegation in Iowa für den Kauf von 8,62 Tonnen Sojabohnen, mithin mehr als 10 Prozent der für die Vereinigten Staaten prognostizierten Erntemenge des laufenden Jahres.

          In Erwartung einer derart großen Transaktion waren die Preise für Sojabohnen daher in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen. Nach Abschluss fällt der Preis am Donnerstag, doch wird dies nicht in Zusammenhang mit dem Geschäft aus Iowa gesehen. Vielmehr sei das der Stimmung an den Finanzmärkten geschuldet, die die Eurokrise wieder im Griff habe, sagt etwa Erin Fitzpatrick, Analyst bei der Rabobank. Amerika habe viel verkauft und das Wetter in Brasilien sei nicht besser geworden.

          Langfristig positiv

          Dennoch sind die Prognosen kurzfristig weniger aussichtsreich. Auf dem aktuellen Preisniveau gebe es zahlreiche Verkaufaufträge, sagt Adam Davis, Händler bei Merricks Capital. Jetzt sei ein neuer Impuls gefragt. Die Analysten von Morgan Stanley sehen dennoch längerfristig Potential. Der Preis müsse steigen, um Anreize für neue Anpflanzungen zu geben.

          Bild: FAZ

          Auf dem derzeitigen Preisniveau drohten die Lagerbestände in der westlichen Hemisphäre auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren zu fallen. Die Analysten bevorzugen länger laufende Kontrakte. Noch mehr Potential sehen sie aber für Mais, dessen Preis vom Wachstum des Schweinebestandes profitierten sollte.

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