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Agrarrohstoffe : Kakao- und Kaffeepreise auf Talfahrt

  • Aktualisiert am

Genuss rund um die Kakaobohne Bild: dapd

Das Preisschwankungen an den Rohstoffmärkten werden intensiver. Während die spekulative Hitze aus den Kakao- und Kaffeemärkten entweicht, weil man mit baldigen Exporten von der Elfenbeinküste rechnet, nimmt sie bei Mais deutlich zu.

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          Das spekulative Fieber an den Energie- und Rohstoffmärkten wird immer intensiver. Es zeigt sich in ausgeprägter Form am Kakaomarkt. Spekulationen auf Lieferengpässe aufgrund politischer Turbulenzen hatten den Preis im Februar an der Terminbörse Intercontinental Exchange zunächst innerhalb weniger Wochen auf bis zu 3.757 Dollar je Tonne und damit auf den höchsten Stand seit 34 Jahren getrieben.

          Seitdem ist er allerdings wieder um 21 Prozent auf zuletzt 2.965 Dollar je Tonne gefallen. Alleine am Dienstag gibt er um 1,8 Prozent nach. Als Grund wird die Erwartung angeführt, der blutige Machtkampfes im weltweit wichtigsten Exportland Elfenbeinküste werde bald ein Ende finden (siehe auch: .

          Kann die Elfenbeinküste bald wieder Kakao und Kaffee exportieren?

          Konkret knüpfen solche Erwartungen an den Sturm der Truppen des gewählten Staatsoberhaupts Alassane Ouattara auf den Präsidentenpalast der Elfenbeinküste an. Zuvor hätten die Kämpfer bereits die Residenz des abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo eingenommen, sagte ein Sprecher Ouattaras der Nachrichtenagentur Reuters am späten Montagabend.

          Sollte Ouattara tatsächlich regieren können, würde er mit großer Wahrscheinlichkeit rasch dafür sorgen, dass der Handel mit Kakao in normale Bahnen geleitet würde, nachdem er im Januar ein Exportverbot angeordnet hatte. Die Europäische Union dagegen hatte ein Handelsembargo eingerichtet. Das Land hängt wirtschaftlich und finanziell stark von den Exporten von Kakao, Kaffee, Holz, Öl, Baumwolle und nicht zuletzt auch Bananen ab. Die Importe gehen vor allem in die Niederlande, nach Frankreich, in die Vereinigten Staaten, nach Deutschland sowie nie nach Nigeria und nach Ghana.

          Aus diesem Grund fiel auch der Preis von Kaffee der Sorte Robusta an der Terminbörse Liffe um bis zu zwölf Prozent in den vergangenen Tagen, nachdem er von Februar des vergangenen Jahren bis Anfang März diesen Jahres um bis zu 115 Prozent gestiegen war. In einem hoch spekulativen Umfeld können Rohstoffpreise eben ebenso rasch fallen wie sie gestiegen sind, sobald sich Marktteilnehmer zur Bereinigung ihrer Positionen entschlossen haben.

          Preiskorrektur bei Kakao und Kaffee - Überhitzung bei Mais

          Während bei Kakao und Kaffee die Luft aus spekulativen Blasen entweicht, wird sie in anderen Bereichen immer weiter erhitzt. So liegt der Preis von Mais am Terminmarkt in Chicago inzwischen auf Rekordniveau, nachdem Goldman Sachs in den vergangenen Tagen die Prognose für die Entwicklung des Maispreises mit Blick auf die kommenden drei Monate um 39 Prozent angehoben hatte. „Unserer Meinung nach müssen die Maispreise sehr stark in naher Zukunft anziehen, um der Nachfrage letztlich gerecht zu werden“, schrieben die Analysten Damien Courvalin und Jeffrey Currie in ihrem Bericht mit Blick auf die Tatsache, dass die Lagerbestände auf ein Vier-Jahres-Tief gefallen seien.

          Mit Propaganda dieser Art haben Investmentbanken und Broker (siehe auch: „Der Finanzsektor blutet uns aus“) in den vergangenen Monaten immer mehr Anleger und systematisch handelnde Marktteilnehmer ohne Interesse an der Realwirtschaft dazu verleitet, Gelder in die relativ engen Agrarmärkte zu investieren. Dieser Zufluss von Liquidität hat unabhängig von der tatsächlichen Versorgungslage maßgeblich dazu beigetragen, dass sich die Preise für Mais und Weizen in den vergangenen zwölf Monaten mehr als verdoppelt haben. Mit Blick auf drei Monaten prognostizieren „die Experten“ von Goldman Sachs nun gar einen Preis von 8,60 Dollar je Bushel Mais, obwohl absehbar ist, dass hohe Preise zu einer Ausdehnung der Anbauflächen und mit großer Wahrscheinlichkeit zu zunehmendem Angebot führen werden.

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