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Agrarrohstoffe : Kaffeepreis könnte bald zurückkommen

Kaffee ist nicht so knapp wie es scheint Bild: dapd

Der Kaffeepreis steigt seit nunmehr fünf Monaten. Ursache sind Spekulationen auf Nachrichten über geringere Erträge. Doch diese machen dem Kaffeemarkt eigentlich nicht viel aus.

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          Die meisten Rohstoffpreise haben in jüngster Zeit eine Konsolidierung erfahren. Eine Ausnahme bildet Kaffee. Seit Juni ist der Preis für die edlere Sorte Arabica um mehr als 50 Prozent gestiegen und erreichte in der vergangenen Woche bei 217,05 amerikanische Cents für das Pfund gestiegen. Zuletzt wurde so viel vor 13 Jahren bezahlt. Auch der Preis der Marke Robusta kletterte in diesem Zeitraum von rund 1200 bis auf mehr als 2000 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit zwei Jahren.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ursprünglicher Auslöser der Preissteigerungen waren schlechte Nachrichten aus einigen Kaffee-Exportländern wie ein rückläufiger Export aus Vietnam oder Überschwemmungen in Lateinamerika.

          Schuld sind spekulative Investoren

          Schon bald wurden Stimmen laut, die die Preissteigerungen auf das Engagement spekulativer Investoren zurückführten und diese Stimmen wurden seitdem nicht leiser. Im September nannte der Vorstandsvorsitzende der amerikanischen Kaffeehauskette Starbucks den Kaffeemarkt „verformte“ und begründete damit Preiserhöhungen.

          Ende Oktober kamen ähnliche Beurteilungen von Melitta-Chef Thomas Bentz. „Große Investoren gehen seit einigen Jahren in diesen Markt, ohne Bedarf an der Ware zu haben. Die Folgen müssen die Röster tragen, die die höheren Preise an die Konsumenten weitergeben müssen“, sagte Bentz seinerzeit der Zeitung „Weser-Kurier“. Tatsächlich halten Vermögensverwalter einen deutlichen Überhang an Kaufpositionen auf dem Markt.

          Verzögerte und geringere Ernten

          Aber die Nachrichtenlage hat ihnen bisher Anlass gegeben, weiter auf steigende Preise zu setzen. So hat Anfang der Woche das amerikanische Landwirtschaftministerium die Prognose für die brasilianische Kaffeeernte um 1,4 Prozent gegenüber der Vorhersage aus dem Mai gesenkt. Anlass ist diesmal heißes Wetter in der Region Espirito Santo, die die Robusta-Ernte um 6 Prozent schrumpfen lassen werde.

          Dem folgten Nachrichten aus Vietnam, wonach Regenfälle die Kaffeeernte weiter verzögern werden. Nach Prognosen des vietnamesischen Kaffeeproduzentenverbandes wird die Ernte um 3 Prozent geringer ausfallen als im vorangegangen Erntejahr. Allerdings haben die Regenfälle darauf wenig Einfluss.

          Kein großer Nachfrageüberhang

          Die Internationale Kaffee-Organisation ICO schätze die Ernte zuletzt auf 133 Millionen Sack. Das ist zwar weniger als ursprünglich erwartet, dennoch eine deutliche Steigerung gegenüber den knapp 120 Millionen Sack des Erntejahres 2009/2010 und wäre damit die höchste Ernte seit mindestens fünf Jahren.

          Dies spricht nicht für einen deutlichen Nachfrageüberhang - im Gegenteil. nach Daten der ICO betrug der Kaffeeverbrauch in den vergangenen drei Kalenderjahren jeweils rund 130 Millionen Sack. Wies der Markt damit in den vergangenen Jahren einen leichten Nachfrageüberhang auf Minus auf, so könnte diesmal ein leichter Angebotsüberschuss drohen.

          Tatsächlich hatten die Preise in dieser Woche etwas nachgegeben, diese Bewegung aber dürfte keine Bedeutung haben, legen die Preise am Donnerstag doch schon wieder zu. Die Netto-Longpositionen von Finanzinvestoren sind gegenüber der Vorwoche abermals angestiegen. Das kann sich aber rasch ändern.

          Nur eine weitere Preisspitze

          Insbesondere geben frühere Preisspitzen zu denken. Deren gab es in den vergangenen 35 Jahren mindestens fünf. Die wenigsten hielten lange. Gerade die beiden letzten großen Anstiege des Arabica-Preise 1994 und 1997 währten nur drei bis vier Monate, bevor sich daran Talfahrten anschlossen, die länger als ein Jahr anhielten.

          Unter technischen Aspekten weist der Preis indes einen längerfristigen Aufwärtstrend auf, der 2002 begonnen hat, als der Rohstoffhandel für Privatanleger hoffähig wurde. Diesen Trend hat der Preis seitdem nicht verlassen, obgleich es einige Ausschläge nach oben gegeben hat. Dies könnte auch jetzt wieder der Fall sein. Insofern könnte es lohnen, jetzt sein Pulver trocken zu halten und auf einen Rücksetzer in den Bereich von 160 bis 170 Cent je Pfund zu warten.

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