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Agrarrohstoffe : Ist bei Weizen die Knappheit schon eingepreist?

  • Aktualisiert am

Ein knappes Gut Bild: ddp

Die Dürre in Australien und niedrige Vorräte lassen die Weizenpreise steigen. Experten fragen sich aber, ob die gegenwärtigen Notierungen die statistisch vorgezeichnete Realität schon angemessen widerspiegeln.

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          Daß Weizen sehr knapp werden kann, ist seit längerem bekannt. Die Preise haben bisher auch in beachtlichem Maß auf diese Aussicht reagiert. Doch viele Experten stellen sich die Frage, ob die gegenwärtigen Notierungen die statistisch vorgezeichnete Realität schon angemessen widerspiegeln. Es geht darum, ob dieses wichtigste Nahrungsgetreide schon teuer genug ist, um den Verbrauch hinreichend zu dämpfen und einen Ausverkauf am Ende der laufenden Saison 2006/2007 (Juli bis Juni) zu verhindern.

          Eine Konsequenz haben die zurückliegenden Preissteigerungen schon offenkundig werden lassen: Die für 2007/2008 bereitgestellten Anbauflächen für Winterweizen auf der nördlichen Halbkugel sind in einigen Ländern beachtlich ausgeweitet worden. Dies gilt unter anderem für Amerika, Indien und Rußland. Doch ob dies auch eine entsprechend steigende Produktion bewirkt, ist keineswegs sicher, denn darüber entscheiden die Wuchsbedingungen. Hinzu kommt, daß die Erzeugung 2007/2008 nach Ansicht skeptischer Fachleute nicht ausreichend erhöht werden kann, um den Bedarf reibungslos zu decken und zugleich den Weltbestand wieder auf ein krisensicheres Niveau zu bringen.

          Vorräte im Verhältnis auf Rekordtief

          Die Vorräte dürften sich Ende 2006/2007 im Verhältnis zum Verbrauch auf einem so niedrigen Niveau bewegen, wie es noch nie zu beobachten war. Besonders kritisch kann die Versorgung mit dem vor allem in Kansas City gehandelten Winter-Hartweizen werden. Häufig werden die vor rund zehn Jahren eingetretenen Versorgungsschwierigkeiten als Maßstab für die Situation in der laufenden Saison angeführt. Seinerzeit wurden an den amerikanischen Märkten Rekordpreise verzeichnet. In Chicago sind damals Spitzennotierungen von 7,20 Dollar je Bushel (27,2 Kilogramm) erreicht worden.

          Doch solche Vergleiche hinken, denn Weizen wird Ende 2006/2007 im Verhältnis zum Verbrauch noch knapper sein als damals. In diesem Zusammenhang ist nach Meinung von Analysten auch zu beachten, daß heute noch niemand vorauszusagen weiß, welche Mengen Weizen in der laufenden Saison für Futterzwecke verwendet werden, denn Futtergetreide ist noch knapper als Nahrungsgetreide.

          Monatelange Trockenheit in großen Erzeugergebieten

          Ferner ist zu bedenken, daß der Markt für Reis im Zeichen einer chronischen Knappheit steht. Dies bedeutet, daß vor allem Weizen in Asien zur Ernährung der Bevölkerung herangezogen werden muß. In diesem Zusammenhang gilt die Aufmerksamkeit an herausragender Stelle China. Die Weizen- und Reisvorräte dieses Landes schwinden seit Jahren. Bei Reis wird der gegenwärtige Bestand bereits als sehr kritisch beurteilt, und auch die Weizenvorräte gelten als so gering, daß kein Puffer für den Fall rückläufiger Binnenerzeugung vorhanden ist.

          Dies erscheint angesichts von Berichten über eine monatelange Trockenheit in großen Erzeugergebieten für Winterweizen mit Blick auf 2007/2008 bedeutsam. Es heißt, China könne schon in der laufenden Saison zu hohen Weizenimporten gezwungen sein. Dies ist aber noch nicht in den gängigen Statistiken berücksichtigt. Eine seit Monaten in den australischen Erzeugerregionen herrschende Dürre läßt die Produktion 2006/2007 dort so drastisch schrumpfen, daß dieser bedeutende Weizenexporteur bis zum Eintreffen seiner nächsten Ernte vielleicht sogar Weizen einführen muß.

          Daten des Landwirtschaftsministeriums angezweifelt

          Am Donnerstag hat das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) seinen neuen monatlichen Erntebericht mit einer umfassenden Statistik auch zum Weltmarkt für Weizen vorgelegt. Das Ministerium schätzt, daß die Weltproduktion von Weizen 2006/2007 gegenüber der vergangenen Saison von 618,9 Millionen Tonnen auf 586,8 Millionen Tonnen sinkt. Der Weltverbrauch soll von 623,3 Millionen Tonnen auf 615,1 Millionen Tonnen zurückgehen. Innerhalb dieses Rahmens wird eine Abnahme des Bedarfs für Futterzwecke von 111,1 Millionen Tonnen auf 104,2 Millionen Tonnen vorausgesagt. Das USDA erwartet, daß der Weltvorrat an Weizen in der laufenden Saison von 147,1 Millionen Tonnen auf 118,8 Millionen Tonnen schrumpft.

          Analysten zweifeln vor allem die Prognosen des USDA zum Weltverbrauch an. Sie argwöhnen seit Monaten, daß hier ein statistisches Korrektiv gewählt wird, das die Weltbilanz für Weizen nicht so kraß aussehen lassen soll, wie es in Wirklichkeit besonders wegen der Knappheit an Futtergetreide zu vermuten sei.

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