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Agrarrohstoffe : El Niño wirbelt wieder die Märkte durcheinander

El Niño kommt wieder und bedroht die Küsten fast überall auf der Welt. Bild: www.fotex.de

Die Preise für alle Agrarrohstoffe sind dieses Jahr gestiegen. Zudem droht nun das Wetterphänomen El Niño. Mancherorts wird die Ernte sinken.

          Kommt es, oder kommt es nicht? Die Rede ist von El Niño, einem Wetterphänomen, welches das Wetter auf zwei Dritteln der Erde wesentlich beeinflusst. Das Christuskind, so die deutsche Übersetzung, verschont meistens nur Europa. El Niño tritt etwa alle vier Jahre auf. Zur Weihnachtszeit erwärmt sich dann das Meer vor Brasilien. Es folgen an der gesamten Westküste der Vereinigten Staaten gewaltige Niederschläge, oftmals in Verbindung mit Überschwemmungen und Orkanen. In Mexiko entstehen oft verheerende Wirbelstürme und Orkane. Da verwundert es nicht, wenn auch die Ernten von dem Phänomen wesentlich beeinflusst werden.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Schon allein die Aussicht auf ein El- Niño-Jahr lässt die Agrarpreise steigen. Und dass es dieses Jahr so weit sein könnte, davon geht das australische Wetteramt mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent aus. Und so steigen auch schon die Agrarpreise überall auf dem Globus. Bei Mais steht seit Jahresanfang ein Plus von 18 Prozent, bei Weizen von 12 Prozent, bei Kakao von 7 Prozent und bei Zucker von 11 Prozent. Es gibt kaum einen Agrarrohstoff, dessen Preis in diesem Jahr gefallen wäre.

          Globale Auswirkungen des El Niño Phänomens von Dezember bis Februar Bilderstrecke

          Kaffeepreis wird noch weiter steigen

          Tritt El Niño dieses Jahr ein, wird es in Australien und Indien kälter und trockener als sonst. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass es weniger Weizen und Zuckerrohr gibt als der Kontinent sonst bereitstellt. Dagegen bringt El Niño in Brasilien und im Mittleren Westen mehr Feuchtigkeit und Kühle mit. Das ist einerseits für Baumwolle in den Vereinigten Staaten schlecht. Diese kann zwar noch geerntet werden. Regnet es jedoch mehr, wird die Qualität schlechter. Auch der morgendliche Kaffee könnte teurer werden.

          Damit wird der ohnehin schon stark gestiegene Kaffeepreis – im laufenden Jahr ging es um 74 Prozent nach oben – wahrscheinlich noch weiter steigen. Denn starker Regen würde die Ernte erschweren.

          Ähnlich sieht es bei Zucker aus. In Mittelamerika, welches dank El Niño trockener wird, werden die Plantagen weniger Kaffee produzieren. Auch in Asien und Afrika wird mit einer signifikant niedrigeren Produktion gerechnet. Wie stark der El Niño dieses Jahr ausfällt, ist unklar.

          Höhere Ernten für Maisbauer in Brasilien und Argentinien

          Bei all diesen Negativnachrichten verwundert eine Studie aus Japan. Denn diese besagt, dass El Niño die globale Ernte stärker fördert, als er sie beeinträchtigt. Konkret hat ein Forschungsteam rund um Toshichika Iizumi vom nationalen Institut für Umwelt- und Agrarforschung herausgefunden, dass es bei 22 bis 24 Prozent der Agrargebiete negative Effekte gibt. Dafür gibt es bei 30 bis 36 Prozent positive Auswirkungen, die Ernten steigen. Dazu untersuchten die Forscher die Ernten zwischen 1984 und 2004.

          Demnach haben El-Niño-Ereignisse beispielsweise negative Folgen auf den Maisanbau im Südosten der Vereinigten Staaten, in China, im Osten und Westen Afrikas und in Indonesien gehabt. Auch die Erträge bei Sojabohnen in Indien und Teilen Chinas leiden darunter. Dagegen fahren zum Beispiel Maisbauern in Brasilien und Argentinien höhere Ernten durch El Niño ein.

          Die Forscher haben jedoch nicht den Einfluss von El Niño auf die genaue Höhe der Ernteerträge ermittelt. Denn wenn manche Regionen profitieren, in denen die Agrarwirtschaft nicht sonderlich modernisiert ist, und dafür andere hochtechnisierte Agrarländer verlieren, könnten die gesamten Ernteerträge doch sinken. Weiterhin werde die weltweite Nachfrage nach Mais, Reis, Weizen und Sojabohnen sich bis ins Jahr 2050 verdoppeln. Damit ist auch weiterhin mit Preissteigerungen bei den Agrarrohstoffen zu rechnen. Um das auszugleichen, müsste die weltweite Produktion in den kommenden vier Jahrzehnten um bis zu 2,4 Prozent je Jahr zulegen, so die Forscher. Die Forscher empfehlen daher, dass El-Niño-Phänomen auszunutzen. So könnten beispielsweise der Zeitpunkt der Aussaat oder die Art des angebauten Getreides entsprechend angepasst werden.

          Bei La Niña, der kleinen Tochter, verschlechtern sich dagegen die Ernten. Dieses Phänomen tritt im Anschluss an El Niño auf. Dann verschlechtert sich für 9 bis 13 Prozent der Agrarflächen die Bedingungen und nur bei 2 bis 4 Prozent wird sie besser. Wenn also dieses Jahr El Niño auftritt, werden die Ernten daraufhin noch schwächer ausfallen und die Preise weiter steigen.

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