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Agrarprodukte : Vietnamesische Pläne könnten Kaffeepreis treiben

  • Aktualisiert am

Kaffee wird wohl wieder teuer Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Vietnam will beim Kaffeeanbau zunehmend auf teurere Sorten wechseln. Das dürfte nicht ohne Einfluß auf die Kaffeepreise bleiben.

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          Eric Nadelberg von der Derivateabteilung des Brokers Prudential ist sich sicher. Wenn er künftig Kaffee trinken geht, wird er wohl knapp 20 Prozent mehr dafür bezahlen müssen. Bei Robusta-Bohnen rechnet er damit, daß die Preise an der Warenterminbörse Liffe von aktuell 1055 Dollar je Tonne auf 1200 Dollar steigen.

          In diesem Jahr ist der Robusta-Preis bereits 39 Prozent geklettert. Denn die Ernteprognosen sind schwach. Zum einen rechnet er beim Hauptproduzenten Vietnam mit einem niedrigeren Ernteertrag. Allerdings ist das nur eine von vielen Prognosen. Denn die Uneinigkeit ist groß. Die International Coffee Organization erwartet eine Ernte von 750.000 Tonnen, das amerikanische Agrarministerium 870.000 Tonnen, die Vietnamesische Kaffe- und Kakao-Vereinigung Vicofa nennt 804.000 Tonnen.

          Mehr Arabica, weniger Robusta

          Längerfristig spricht einiges für geringere Robusta-Ernten in Vietnam. Denn diese Sorte ist die billigere der beiden und die Asiaten sind bestrebt von Massen- zum Qualitätsproduzenten aufzusteigen. Schon 2003 hatte das Land die Anbaufläche um 15 Prozent verringert und will sich jetzt verstärkt der Arabica-Produktion zuwenden,da diese Sorte den doppelten Preis einbringt.

          Indes sind die Bohnen empfindlicher und brauchen ein kühleres Klima. „Es gibt Wachstumspotential für Arabica in Vietnam“, sagt Do Wan Nam, Generaldirektor des Nationalen Kaffee-Unternehmens. „Es hängt alles davon ab, ob wir geeignete Anbaufläche haben.“ Derzeit hat man über 20.000 Hektar Anbaufläche. Bis 2010 soll es doppelt soviel sein.

          „Wir sollten die ineffektive Robusta-Produktion reduzieren und die Produktion von Arabica in geeigneten Regionen erhöhen“, sagt Doan Trieu Nhan, stellvertretender Vorsitzender der Vicofa.

          Experten sind skeptisch

          Ausländische Experten sind skeptisch, ob das gelingt. Kaffee-Analystin Ana Vohringer von Armajaro Coffee, etwa hält die Bedingungen für den Arabica-Anbau in Vietnam derzeit nicht für geeignet. „Derzeit ist das Land ein guter Produzent von Robusta. Qualität ist bei Arabica der Schlüssel.“

          Nadelberg argumentiert weiter, daß auch in Brasilien das Angebot voraussichtlich sinken werde. Indes sind die Ernteprognosen auch hier sehr uneinheitlich. Die Prognosen gehen derzeit von 2,76 Millionen Tonnen Kaffee beider Sorten für das Erntejahr 2006/07 aus. Brasiliens Landwirtschaftsminister Roberto Rodrigues bezifferte die Produktion im September indes noch auf bis zu 2,28 Millionen Tonnen.

          Für die Saison 2007/08 rechnet Nadelberg mit einem Rückgang. „Die Bedeutung Brasiliens für den Markt steigt weiter, und kurz- bis mittelfristig dürfte die Kapazitätsgrenze des Landes erreicht sein“, so Nadelberg. Außerdem bringe der steigende Zuckerpreis einige Kaffeeanbauer dazu, die Frucht zu wechseln, fügte er hinzu.

          Bedeutung der Fonds ist stark gestiegen

          „Der Preis dürfte von hier an weiter steigen“, führte Nadelberg aus. „Wenn der Trend aufwärts geht, steigen mehr Fonds ein, zeigt die technische Analyse. Ich setze auf einen weiteren Aufwärtstrend in London und gehe davon aus, daß die Futures in den nächsten drei bis sechs Monaten auf 1200 Dollar klettern werden.“

          Das Volumen der Investmentfonds, die Rohstoff-Indizes abbilden, wird sich bis 2010 auf 140 Milliarden Dollar (119 Milliarden Euro) verdoppeln, erläuterte Benno Meier, Vizepräsident bei Morgan Stanley in London, im Interview mit Bloomberg. Als Grund nannte er Pensionsfonds und Vermögensverwalter, die aus Aktien und Anleihen diversifizieren. Solche Fonds verwalten zurzeit etwa 70 Milliarden Dollar, verglichen mit fünf Milliarden Dollar noch vor fünf Jahren.

          Das könnte Robusta bei einer ebensolchen Aufwärtsbewegung unterstützen. In jedem Fall könnten die vietnamesischen Pläne das Preisgefüge bei Kaffee ins Wanken bringen. Gelingt der Sortenwechsel dürfte das Angebot an Arabica steigen und an Robusta sinken - mit entsprechenden Preisreaktionen. Schlägt der Sortenwechsel fehl, könnte sich das bei beiden Sorten negativ auf das Angebot auswirken.

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