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Abwertung : Der geplante Absturz des Yuan

Der Finanzdistrikt Pudong in Schanghai: Der Yuan wird vom Staat, nicht vom Markt gesteuert Bild: REUTERS

Chinas Währung ist im Abwärtstaumel. Seit einer Woche hat der Renminbi ein Prozent an Wert verloren. Die Notenbank nutzt die Abwertung, um spekulatives Kapital abzuwehren.

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          Lange kannte der Wert der chinesischen Währung nur eine Richtung: nach oben. Doch seit etwa einer Woche fällt der Kurs des Renminbi (Yuan) gegenüber dem Dollar immer weiter. Im Gegensatz zu anderen Schwellenländern sehen Bankfachleute darin jedoch keine Kapitalflucht, sondern eine gezielte Intervention der Notenbank PBOC. Die Währungshüter wollten dadurch Spekulanten abwehren, schreiben etwa die Analysten der Société Générale aus Hongkong.

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Der Renminbi ist nicht voll konvertibel, also käuflich oder verkäuflich, zudem herrschen in der Volksrepublik strenge Kapitalverkehrskontrollen. Die Zentralbank legt einmal am Tag einen Referenzkurs fest, von dem die Geschäftsbanken um jeweils ein Prozent nach oben und unten abweichen können. Am Dienstag erreichte dieser Spot-Wert 6,123 Yuan je Dollar.

          Ursprünglich war der Renminbi fest an den Dollar gekoppelt

          Das waren 0,42 Prozent mehr als am Vortag und 0,08 Prozent mehr als der Referenzkurs. Diesen hatte die Notenbank, anders als in den Monaten zuvor, in den vergangenen Tagen stetig erhöht. Seit dem 17. Februar ist der Spot-Preis für den Renminbi auf dem chinesischen Festland um fast ein Prozent gefallen, der Referenzkurs ging um 0,2 Prozent zurück.

          Zum Vergleich: 2013 hatte die Währung gegenüber dem Dollar noch 3 Prozent hinzugewonnen. Damit setzte sie eine schon länger währende Aufwertungsstrecke fort: Ursprünglich war die chinesische Währung fest an den Dollar gekoppelt, „pegged“ (festgehakt) heißt das im Finanzjargon. Sie konnte nur zusammen mit dem Dollar aufwerten, nicht aber gegenüber ihm selbst.

          Bild: F.A.Z.

          Das änderte sich mit der begrenzten Freigabe des Wechselkurses im Juli 2005. Dann wurde klar, wie stark sich die chinesische Wirtschaft entwickelte und wie nachgefragt ihre Währung deshalb war. Innerhalb von zweieinhalb Jahren wertete der Renminbi um 18 Prozent auf. Mit der Finanzkrise aber führte die PBOC Ende 2008 den „Peg“ wieder ein, um dem Export zu helfen. Als das Gröbste für China vorbei war, enthakte die Zentralbank den Renminbi abermals vom Dollar. Seit Juni 2010 lässt sie ihn schrittweise aufwerten, bisher um 10,4 Prozent.

          Analysten vermuten eine Taktik von Staatsrat und Zentralbank

          Für den jetzt sinkenden Renminbi-Wert gibt es verschiedene Erklärungen. Die Zentralbank selbst äußert sich nicht, sie hat aber in der Vergangenheit mehrfach klargemacht, dass die begrenzte Freigabe von 2010 keine Einbahnstraße sei, sondern auch bedeuten könne, dass der Renminbi an Wert verliere. Auffällig war dabei, dass der Kurs zu der Zeit stieg, als Kapital aus vielen anderen Schwellenländern abgezogen wurde, weil Anleger von der erwarteten Zinserhöhung in den Vereinigten Staaten profitieren wollten.

          Auch jetzt handele es sich nicht um eine Kapitalflucht aus dem Yuan- in den Dollarraum, sagen Analysten, sondern vermutlich um eine Taktik von Staatsrat und Zentralbank; Letztere ist nicht unabhängig, sondern als Quasiministerium Teil der Regierung. Yao Wei, China-Ökonomin bei der Société Générale in Hongkong, macht darauf aufmerksam, dass Renminbi-Anlagen für ausländische Anleger in den vergangenen Jahren sehr attraktiv gewesen seien. In sogenannten Arbitrage-Geschäften setzten sie auf steigende Wechselkurse und auf Zinsunterschiede zwischen den Ländern.

          „Sobald der kurzfristige Kapitalzufluss abebbt, findet die Abwertung vermutlich ein Ende“

          Die Zentralbank wolle solche Spekulationen unterbinden, weshalb sie den Renminbi-Wert derzeit bewusst drücke. „Sobald der kurzfristige Kapitalzufluss abebbt, findet die Abwertung vermutlich ein Ende“, erwartet Yao. Andere Analysten, etwa jene der Deutschen Bank, sehen in dem Auf und Ab der vergangenen Wochen erste Vorboten dafür, dass die PBOC das Handelsband von derzeit ein Prozent um den Referenzwert herum bald ausweiten wird. Sie hatte das für das laufende Jahr in Aussicht gestellt, um die Marktkräfte in der Wechselkursbildung zu stärken.

          Möglicherweise erfolgt die Ankündigung im Zusammenhang mit der jährlichen Sitzung des Nationalen Volkskongresses. Das Pseudoparlament des autoritären Regimes beginnt am 5. März zu tagen. Ein anderer Grund für die Abwertung könnte sein, weitere Fehlallokationen von Kapital zu vermeiden, etwa in die spekulativ aufgeblähte Immobilienwirtschaft.

          China steuert seinen Wechselkurs dadurch, dass es seine Handelsbilanzüberschüsse in Fremdwährung anlegt. Je mehr Dollar-Anlagen die Zentralbank erwirbt, umso schwächer wird die chinesische Währung im Vergleich zur amerikanischen. Kürzlich war bekanntgeworden, dass Pekings Bestände an amerikanischen Staatsanleihen im Dezember um 48 Milliarden auf 1,27 Billionen Dollar gesunken sind. Diese Schuldtitel sind der größte Einzelposten, in den die Volksrepublik ihre Devisenreserven von mehr als 3,8 Billionen Dollar angelegt hat. Kein anderes Land besitzt einen größeren Fremdwährungsschatz als China.

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