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Erdölreserve : Was passiert, wenn das Öl knapp wird?

  • -Aktualisiert am

Zwei Tankschiffe liefern Öl über den Rhein – Trockenheit sorgt immer wieder für Lieferprobleme Bild: dpa

Der Ölmarkt ist in einem Ausnahmezustand, doch Deutschland hält Reserven für den Notfall. Wann werden diese angezapft – und was bringt das?

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          In Deutschland muss die Ölbranche wie in vielen anderen Ländern auch per Gesetz Reserven aufbauen, um Engpässe bei der Versorgung zu überbrücken. Zuständig ist der Erdölbevorratungsverband (EBV), eine Körperschaft öffentlichen Rechts mit Sitz in Hamburg. Der EBV muss vereinfacht dargestellt Reserven für 90 Tage vorhalten. Gemessen wird die Menge an der durchschnittlichen Einfuhr der zurückliegenden 3 Jahre. Ölexporte werden bei der Berechnung abgezogen.

          Der Verband lagert Reserven an Rohöl, Benzin, Diesel, Flugzeugkraftstoff und leichtem Heizöl. Aktuell sitzt der EBV auf 24 Millionen Tonnen Rohöl und Rohölprodukten. Diese werden nicht an einem zentralen Ort aufbewahrt, sondern über das Land verteilt. Gespeichert werden die Vorräte in Tanklagern an See- und Binnenhäfen, die auch täglich Abnehmer wie Chemieunternehmen, Tankstellen oder Ölhändler beliefern. Die Tanklager bekommen ihren Nachschub hauptsächlich von Tankschiffen oder von Güterzügen.

          Die Reserven des EBV lagern also hauptsächlich in den Tanks, in denen auch normale Unternehmen und Händler ihr Öl aufbewahren. Das ist praktisch, weil so im Notfall die gewohnten Transportwege und Lieferanten genutzt werden können. Nur in wenigen Fällen findet die Lagerung der gesetzlich vorgeschriebenen Reserven in separaten Tanks statt.

          An der Bevorratung beteiligen müssen sich Unternehmen, die Erdöl nach Deutschland importieren. Sie zahlen Mitgliedsbeiträge an den EBV, von denen der Verband seine Arbeit bezahlt. Seine Reserven finanziert der EBV mit am Kapitalmarkt aufgenommenen Krediten hauptsächlich in Form von Schuldscheindarlehen und Namensschuldverschreibungen.

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          Wann die Reserven im Notfall freigegeben werden und wie viel davon, entscheidet das Bundeswirtschaftsministerium. Nach dem Drohnenangriff auf die saudische Ölanlage wird das Ministerium zunächst keine Reserven freigeben. Laut der Nachrichtenagentur dpa geht die Behörde davon aus, dass der Ausfall in Saudi Arabien nur einige Tage bis zwei Wochen anhalten werde. „Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist aktuell nicht berührt“, wurde eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums zitiert. Die Lage werde aber weiter beobachtet.

          Zuletzt hatte das Wirtschaftsministerium begrenzte Teile der Ölreserven im Oktober 2018 freigegeben. Grund war eine Trockenperiode, die den Wasserstand großer Flüsse stark sinken lassen hatte, was den Transport von Öl per Schiff etwa über Rhein, Main oder Mosel deutlich erschwerte. Eine Freigabe der Erdölreserven ist äußerst selten und passierte bisher nur im Fall von Naturkatastrophen und internationalen Konflikten. Anlässe waren die Libyen-Krise 2011, der Hurrikan Katrina 2005 in Amerika sowie der Irak-Konflikt und Golfkrieg 1990.

          Mit den Erdölreserven kann die deutsche Wirtschaft ihren gewohnten Ölverbrauch etwa 3 Monate aufrecht erhalten, falls die Lieferungen aus dem Ausland stoppen. Die Reserven nützen aber nur dann etwas, wenn die Transportwege und die komplizierte Logistik im Landesinneren weiter wie gewohnt funktionieren. Denn auch das Not-Öl muss dort landen, wo es gebraucht wird: in Chemiewerken, in Fabriken, in heimischen Heizöltanks oder in der Zapfsäule an der Tankstelle um die Ecke.

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