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Scherbaums Börse : Berliner Betongold im Dax

  • -Aktualisiert am

Unternehmensflaggen wehen vor einem Bürogebäude von Deutsche Wohnen. Bild: Reuters

Trotz der umstrittenen Mietenpolitik seiner Heimatstadt bietet der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen den Aktionären Grund zur Freude: Kein anderer Dax-Titel verzeichnete in den letzten 6 Monaten einen stärkeren Kursanstieg. Auch die jüngste Bilanz zeigt, dass der Kurs stimmt.

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          Die Deutsche Wohnen SE ist nach Vonovia der zweitgrößte deutsche Immobilienkonzern. Welche Entwicklung der deutsche Immobilienmarkt in den vergangenen Jahren genommen hat, zeigt unter anderem der Umstand, dass seit dem 22. Juni 2020 mit dem DAX-Aufstieg von Deutsche Wohnen nun zwei Immobilienunternehmen in der ersten deutschen Börsenliga vertreten sind. Zudem bekam die Bundeshauptstadt 14 Jahre nach der Schering-Übernahme durch den Bayer-Konzern wieder ein Unternehmen in der obersten Börsenliga.

          Dax-Aufstieg spiegelt Erfolg wider

          Wer als Anleger schon vorher auf Immobilienaktien gesetzt hat, hat zumindest auf Sicht der vergangenen sechs Monate alles richtig gemacht. Sie zählen zu den großen Krisen-Gewinnern. Kein anderer Dax-Titel verzeichnet in den letzten 6 Monaten einen stärkeren Kursanstieg, als Deutsche Wohnen. Der Aufstieg in den Dax hat die Kursverluste der Aktie im Zuge der Corona-Krise mehr als wettgemacht.

          Seit dem Corona-Crash im März hat die Aktie rund 60 Prozent gewonnen. Seit Anfang des Jahres steht ein Plus von mehr als einem Fünftel zu Buche. Die Aktie der Deutsche Wohnen beendete das erste Halbjahr 2020 mit einem Kursgewinn von 12,1 Prozent und entwickelte sich so außerdem deutlich besser als die deutschen Aktienindizes Dax (minus 7,1 Prozent) und M-Dax (minus 8,7 Prozent) oder der Immobilien-Indizex EPRA Europe (minus 22,7 Prozent).

          Berliner Besonderheiten

          Generell ist der Börsenerfolg von Vonovia, Deutsche Wohnen & Co. Ausdruck des Booms am deutschen und europäischen Immobilienmarkt, der durch die Niedrigzinspolitik der EZB befeuert wurde. Obwohl Deutsche Wohnen wesentlich kleiner als Vonovia ist, war es die Nummer zwei am Markt, die im Zuge der Diskussionen rund um zu hohe Mieten und die Berliner Mietpreisbremse im Mittelpunkt stand. Schließlich ist die Deutsche Wohnen anders als der Marktführer Vonovia besonders stark in der deutschen Hauptstadt engagiert.

          Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg.
          Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg. : Bild: Christoph Scherbaum

          Geld verdient Deutsche Wohnen mit der Bewirtschaftung und Entwicklung des eigenen Immobilienportfolios, das sich überwiegend in deutschen Metropolregionen befindet. Der Bestand umfasst rund 164.300 Einheiten, davon 161.500 Wohneinheiten und 2.800 Gewerbeeinheiten, mit einem Gesamtwert von etwa 24,2 Milliarden Euro sowie Pflegeimmobilien mit 12.200 Pflegeplätzen und Appartements für Betreutes Wohnen im Wert von 1,3 Milliarden Euro.

          Das Management zeigte sich zuversichtlich bei der Bilanzveröffentlichung zum zweiten Quartal, dass das Bundesverfassungsgericht das Gesetz kippen wird, das seit Februar in der Hauptstadt gilt. „Wir glauben fest daran, dass Berlin eine sehr dynamische Wachstumsgeschichte bleiben wird“, sagte Konzernchef Michael Zahn.

          Im Zuge der Corona-Krise ist Deutsche Wohnen noch einmal verstärkt in den Fokus gerückt. Die wirtschaftliche Krise sorgt für höhere Arbeitslosenzahlen. Was passiert also mit den Menschen, die ihre Mieten nicht mehr bezahlen können?

          Eigener Corona-Hilfsfonds

          Die Antwort der Deutsche Wohnen auf die schwierige Situation infolge der Corona-Pandemie ist ein Corona-Hilfsfonds in Höhe von 30 Millionen Euro. Mit Hilfe dessen soll insbesondere Gewerbe- und Wohnungsmietern sowie Geschäftspartnern unbürokratisch geholfen werden, die infolge der Corona-Krise in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind.

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