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Stresstest der Bankenaufsicht : Deutsche und britische Banken sind besonders krisenanfällig

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Die Zentrale der NordLB in Hannover: Die Landesbank schnitt von den deutschen Instituten am schlechtesten ab. Bild: dpa

In der Krisensimulation der europäischen Bankenaufsicht landen deutsche und britische Bankhäuser auf den hinteren Plätzen. Eine deutsche Bank schneidet besonders schlecht ab. Das Ergebnis wird dennoch entspannt aufgenommen.

          Deutsche und britische Banken haben beim Stresstest der europäischen Bankenaufsicht EBA unterdurchschnittlich schlecht abgeschnitten. Das teilte die EBA am Freitagabend in London mit. Unter den Instituten mit dem schlechtesten Ranking sind demnach die Deutsche Bank und mehrere Landesbanken, aus Großbritannien die Lloyds Banking Gruppe, die Barclays Bank und die Royal Bank of Scotland.

          Von den acht deutschen Instituten schnitt die NordLB bei dem Stresstest am schlechtesten ab. Im Krisenszenario bis 2020 schrumpfte die harte Kernkapitalquote der Landesbank auf 7,07 Prozent, wie die EBA am Freitagabend in London mitteilte. Das vergleichsweise schwache Ergebnis des Instituts, an dem die Länder Niedersachsen und Sachsen-Anhalt beteiligt sind, war erwartet worden.

          „Die Eigenkapitalpuffer der Banken sind generell zu niedrig“, meinte Stefan Wenzel, der finanzpolitische Sprecher der Grünen im niedersächsischen Landtag. Für die NordLB müsse nun ein Sanierungskonzept vorgelegt werden, bei dem eine Zusammenarbeit mit anderen Landesbanken Priorität haben müsste. Die NordLB und die vor zwei Jahren von ihr übernommene Bremer Landesbank hätten sich zwischen 2004 und 2012 an Schiffskrediten „schwer verhoben“. Die Suche nach Investoren für das angeschlagene Institut läuft seit einiger Zeit.

          Deutsche Bank unter Druck

          Auch die Deutsche Bank geriet in dem Stressszenario ordentlich unter Druck. Ihre Kapitalquote schrumpfte auf 8,14 Prozent. Deutschlands größtes Geldhaus erklärte das relativ schlechte Abschneiden auch mit einer Reihe von Sonderfaktoren: So seien in dem Stresstest, der die Jahre 2018 bis 2020 umfasste, weiterhin Verluste der bereits 2016 geschlossenen Abwicklungseinheit unterstellt worden. Auch der einmalig im vierten Quartal 2017 angefallene Verlust für den Verkauf des Polen-Geschäfts sei über den Drei-Jahres-Zeitraum fortgeschrieben worden. Die Commerzbank hätte nach Durchlaufen des Krisenszenarios Ende 2020 noch einen Kapitalpuffer von 9,93 Prozent.

          „Wir werden nach dem Stresstest nichts daran ändern, wie wir die Bank managen. Wir machen das mit internen Stresstests und im Einvernehmen mit unseren Aufsehern", sagte Finanzchef James von Moltke am Freitagabend der Nachrichtenagentur Reuters. Er erwarte dennoch nicht, dass die Aufseher von dem Geldhaus künftig fordern werden, noch mehr Kapital für den Krisenfall vorzuhalten. Bei dem Fitness-Check sei im Falle der Deutschen Bank zudem viel Positives nicht berücksichtigt worden beziehungsweise viele bereits abgearbeitete Probleme in den Test mit einbezogen worden, bemängelte von Moltke. 2016, bei der letzten großen EU-weiten Simulation, war das harte Kernkapital der Deutschen Bank auf 7,8 Prozent abgesackt.

          Bundesbank sieht deutsche Institute gut für Krise gerüstet

          Trotz des Abschneidens seien die deutschen Geldhäuser mit ihren Kapitalpolstern aber gut gerüstet, um auch eine schwere Wirtschaftskrise zu verkraften. Der Stresstest zeigt, dass die europäischen und deutschen Banken selbst in einem dramatischen Abschwung widerstandsfähig sind," erklärte Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling am Freitagabend in Frankfurt nach der Veröffentlichung der Stresstest-Ergebnisse. Dafür hätten seit dem Ende der Finanzkrise ein gezielter Kapitalaufbau und eine resolute Aufsicht gesorgt. Wuermeling ist im Bundesbank-Vorstand für die Bankenaufsicht zuständig.

          Die Prüfung sei für die deutschen Institute dieses Mal im Gegensatz zum vorangegangenen Test deutlich härter ausgefallen, sagte Wuermeling. "Es wird ein Einbruch der Weltwirtschaft simuliert, der sich besonders stark auf die exportorientierte deutsche
           Wirtschaft auswirkt."

          Dem Stresstest unterzogen wurden 48 Banken aus 15 EU-Staaten. Auf Basis der Bilanzen zum Jahresende 2017 musste sie durchrechnen, wie viel dünner ihre Kapitaldecke in drei Jahren werden würde, wenn die Konjunktur einbricht, die Arbeitslosenzahlen steigen und die Immobilienpreise in den Keller gehen. Die Aufseher versprechen sich Erkenntnisse darüber, wie anfällig Banken für Krisen wären und ob sie ihre Kapitalpuffer für schlechte Zeiten verstärken müssen.

          Die Kapitalpuffer der deutschen Banken schrumpften im Stressszenario im Vergleich zu den Instituten aus anderen Ländern deutlich. Ähnliches gilt für britische Banken. Das liege vor allem an der geringen Profitabilität sagte EBA-Statistik-Direktor Mario Quagliariello bei der Vorstellung der Zahlen am Freitag. Allgemein seien die europäischen Banken aber besser für eine neue Wirtschafts- und Finanzkrise gerüstet als noch vor ein paar Jahren.

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