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Scherbaums Börse : Happy Birthday, Deutsche Post-Aktie!

  • -Aktualisiert am

Bei jedem Wetter: Tapferer Münchener Postbote im Winter 2010 Bild: dpa

Für damalige Verhältnisse war es ein Mega-Börsengang: Auf den Tag genau vor 20 Jahren wurde die Aktie der Deutschen Post das erste Mal am Markt gehandelt. Zwei Jahrzehnte später kämpft sich der Logistikkonzern erfolgreich durch die Corona-Krise.

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          Die Deutsche Bundespost wurde 1995 als damaliger staatseigener Post-, Logistik- und Fernmeldebetrieb in drei privatrechtliche Aktiengesellschaften aufgeteilt: Die Deutsche Post AG, die Deutsche Telekom AG und die Deutsche Postbank AG. Während erstere mit ihrer T-Aktie bereits im November 1996 an die Börse ging und teilprivatisiert wurde, war es für die „gelbe Post“ erst vier Jahre später soweit, im November 2000.

          Der Börsengang der Deutschen Post AG war die größte Börseneinführung des Milleniumjahres in Deutschland und die drittgrößte weltweit. Am Anfang wurden insgesamt 29 Prozent des Aktienkapitals der Deutschen Post verkauft. Es kam zu einer achtfachen Überzeichnung der bei der Börseneinführung angebotenen Aktien. Zwei Jahre später übernahm der Post-Konzern die DHL Worldwide Express zu 100 Prozent und der heutige Logistikkonzern entstand.

          Wer seit 20 Jahren Aktionär der Post ist, hat vieles mit dieser Aktie erlebt. Wer damals zum Eröffnungskurs von 21,40 Euro zugegriffen hat und die Aktie bis heute hält, verzeichnet nur eine Rendite von etwas mehr als 80 Prozent. Damit errechnet sich lediglich ein kleiner Kursgewinn von im Schnitt drei Prozent pro Jahr. Ganz nüchtern betrachtet: Eine erfolgreiche Aktiengeschichte fühlt sich im Depot anders aus.

          Der Blick auf den aktuellen Chart wird aber viele der Altaktionäre milde stimmen. Heute ist die Deutsche Post DHL Group einer der weltweit führenden Logistik-Konzerne, der sich in der Corona-Krise als einer der Profiteure der Digitalisierung präsentiert und mit gerade mit dem DHL-Geschäft die Umsätze kontinuierlich steigert.

          Profiteur der Online-Einkaufswelle

          In der nächsten Woche wird die Online-Einkaufswelle der Vorweihnachtszeit mit dem „Black Friday“ und „Cyber Monday“ eingeläutet. Neben den Onlinehändlern werden auch Logistik-Unternehmen gehörig viel zu tun haben – es ist die „Hauptsaison des Shoppings“. Diese dürfte dieses Jahr angesichts der Corona-Pandemie noch größer ausfallen als in den vergangenen Jahren.

          DT. POST

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          Entspannt können sich beispielsweise Aktionäre der Deutschen Post das ganze Treiben anschauen und sich gleichzeitig schon einmal die Hände reiben. Denn es werden seitens Experten bisher unerreichte Sendungsmengen erwartet. Mehr als 400 Millionen Pakete sollen demnach im November und Dezember in Deutschland versandt werden.

          DHL Express geht von einem Allzeithoch im weltweiten Onlinehandel. Nachdem das E-Commerce Volumen im DHL Express Netzwerk im Verlaufe des aktuellen Geschäftsjahres bereits um etwa 35 Prozent zugenommen hat, werden die Sendungsmengen in der kommenden Hauptsaison des Shoppings den Vorjahreszeitraum um voraussichtlich mehr als 50 Prozent übertreffen, so die Einschätzung.

          Die Pandemie macht es möglich, die Verlagerung des Einkaufens in die Online-Welt hat in diesem Jahr einen Schub bekommen. „Aus der Perspektive des E-Commerce könnte man sogar sagen, dass wir durch COVID-19 im Jahr 2020 bereits auf dem Stand des Jahres 2030 sind“, so die Einschätzung von DHL-Express-Manager Michiel Greeven.

          Quartalsprognose erhöht

          Für den Weltkonzern Deutsche Post bedeutet dies, dass das vierte Quartal ein gutes werden dürfte und das Dax-Unternehmen an die guten Zahlen des Vorquartals anknüpfen kann. Da konnte der Logistikkonzern bereits seinen Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal um 4,4 Prozent auf 16,2 Milliarden Euro steigern. Organisch (um Portfolio- und Wechselkurseffekte bereinigt) betrug das Umsatzwachstum sogar 9,0 Prozent. Der Konzern steigert das operative Ergebnis (EBIT) im dritten Quartal um rund 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 1,4 Milliarden Euro und die EBIT-Marge kletterte von 6,1 Prozent auf 8,5 Prozent. Entsprechend erhöhte der Konzern, der und 550.000 Mitarbeiter in über 220 Ländern beschäftigt, seine Prognose für das vierte Quartal.

          Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg
          Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg : Bild: Christoph Scherbaum

          Das sind gute Nachrichten für die Aktionäre, die am heutigen Freitag den runden Geburtstag der Post-Aktie feiern können. Der Großteil der Analysehäuser sieht in der Logistik-Aktie ein kaufenswertes Papier, beziehungsweise eines, das im Depot auf jeden Fall aufgestockt werden sollte. Die Analysten der DZ-Bank und von Barclays hatten zuletzt das Kursziel auf 48 Euro nach der jüngsten Bilanzveröffentlichung angehoben.

          Die Post-Aktie ist ein Wertpapier, das wohl viele langjährige Anleger im Depot haben. Keine „spannende“ Aktie, aber eine, die sich ganz still und leise zumindest in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdreifacht hat und Aktionären seit vielen Jahren eine kontinuierliche Dividendenausschüttung einbringt. Aktuell liegt die Dividendenrendite bei über 3 Prozent.

          Wie bei fast allen Wertpapieren brauchten auch Post-Anleger in diesem Jahr starke Nerven.  Nachdem die Aktie der Deutschen Post im ersten Quartal um 45 Prozent auf in der Spitze rund 19 Euro zurückgeschlagen wurde, gingen die Notierungen wieder in den Steigflug über. Im Zuge der neuen Kurs-Rallye hat sich der Aktienkurs in den folgenden acht Monaten mehr als verdoppelt. Anfang November markierte die Aktie bei 43,50 Euro ein Rekordhoch. Trotz des jüngsten Rücksetzers bis zeitweise auf 39 Euro ist der langfristige Aufwärtstrend intakt.

          Angesichts der neuesten Entwicklungen im Bereich der Corona-Impfstoffe dürfte der Post-Konzern in den nächsten Quartalen weitere Umsatzsteigerungen erreichen. Denn die weltweite Logistikbranche bereitet sich auf die globale Verteilung von Corona-Impfstoffen vor, die in den nächsten Monaten auf den Markt kommen könnten. Ein großes Stück des Kuchens dürfte der deutsche Logistikriese davon abbekommen.

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