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Umfrage : Deutsche Finanzbranche rechnet mit hartem Brexit

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Am Finanzplatz Frankfurt beginnt man sich mit dem harten Brexit abzufinden. Bild: dpa

Die deutsche Finanzbranche beginnt sich mit dem harten Brexit abzufinden. Und hofft, am Ende davon sogar profitieren zu können.

          Die neue britische Regierung unter Premierminister Boris Johnson bereitet sich darauf vor, die EU am 31. Oktober ohne Abkommen zu verlassen. Auch die deutsche Finanzindustrie rechnet nun größtenteils mit einem harten Brexit. Das ergab eine aktuelle Umfrage des Center for Financial Studies. Dabei halten 55 Prozent der Befragten einen ungeordneten Austritt Großbritanniens für wahrscheinlich, 31 Prozent halten ihn sogar für sehr wahrscheinlich. Lediglich 11 Prozent sind in dieser Hinsicht optimistischer.

          Fast zwei Drittel der Befragten glauben indes, dass die deutsche Branche darauf ausreichend vorbereitet ist. „Wenn man die inzwischen hohe Wahrscheinlichkeit eines harten Brexit berücksichtigt, sind die Umfrageergebnisse eher besorgniserregend. Denn viel Zeit für Anpassungsmaßnahmen bleibt den Marktteilnehmern nicht mehr“, sagt Volker Brühl, Geschäftsführer des Centers.

          Die Branche scheint sich mit einem harten Brexit auch abgefunden zu haben. 70 Prozent der Befragten vertraten die Auffassung, die EU solle keine neuen Kompromisse anbieten, um diesen zu vermeiden. Dabei akzeptieren sie offenbar auch, dass es dann zu  Verwerfungen an den Finanzmärkten kommen wird, denn 61 Prozent sind der Meinung, dass diese das Szenario noch nicht vollständig antizipiert haben.
          „Die Umfrage verdeutlicht, dass man mögliche Nachteile eines harten Brexit in Kauf nimmt, um endlich Klarheit über die künftigen Rahmenbedingungen zu haben“, sagt Brühl.

          Möglicherweise versprechen sich die Befragten aber auch einen Gewinn, denn mit 88 Prozent ist die überwältigende Mehrheit der Auffassung, dass im Falle eines ungeordneten EU-Austritts der Briten vermehrt  Geschäftsaktivitäten nach Kontinentaleuropa verlagert werden.

          Hubertus Väth, Geschäftsführer der Frankfurter Brancheninitiative Frankfurt Main Finance, die die Umfrage finanziell unterstützt hat, bringt dies zum Ausdruck: „Sollte es tatsächlich zu einem harten Brexit kommen, wird es darauf ankommen, dass die Finanzplätze in Kontinentaleuropa ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen. Gelänge es dann noch länderübergreifend zu kooperieren, könnte Europa gestärkt aus dieser Krise hervorgehen.“

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