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Scherbaums Börse : Von der Nervosität der anderen profitieren

  • -Aktualisiert am

Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse: In unruhigen Zeiten handeln die Anleger mehr, was für höhere Börsenumsätze sorgt. Bild: Huebner

Die Börsenzeiten sind turbulent und Anleger nervös. Entspannt sind dagegen die Börsenbetreiber. Allen voran der Branchenprimus Deutsche Börse, der gute Geschäfte macht und dessen Aktionäre gute Renditen einfahren.

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          Erstmals seit Jahrzehnten hat die Federal Reserve den Leitzins um gleich 50 Basispunkte angehoben. Damit kämpft die amerikanische Notenbank gegen die – durch hohe Energiepreise und weltweite Lieferkettenprobleme – angekurbelte Inflation. An den Aktienmärkten sorgte dieser Schritt für eine regelrechte Achterbahnfahrt. Zunächst zeigten sich Börsianer erfreut, dass eine Anhebung um 75 Basispunkte vorerst nicht kommen soll, gleichzeitig blieben jedoch die Sorgen vor Preissteigerungen und einer Rezession.

          Auch der Russland-Ukraine-Krieg sowie der Blick auf die Entwicklung bei den Energiepreisen sorgen weiter für Unsicherheiten. An der Börse gibt es nur ganz wenige Unternehmen, die von einem solchen Szenario profitieren. Hierzulande ist das die Deutsche Börse. Die jüngste Nervosität der Anleger kommt dem Geschäft des Börsenbetreibers zugute.

          Das Ausmaß der Nervosität unter den Investoren wird durch die hohen Ausschläge bei wichtigen Indizes an einzelnen Börsentagen widergespiegelt. Der Dax-Volatilitätsindex (V-Dax), auch „Angstbarometer“ genannt, hat sich zuletzt wieder nach oben in den Bereich oberhalb der Marke von 30 Punkten gearbeitet. Anfang März stand, ausgelöst durch den Ukraine-Krieg, westliche Russland-Sanktionen, sowie durch die Zins- und Inflationssorgen, aber ein Wert von 48,62 Zählern zu Buche – die aktuelle Nervosität der Anleger hätte also durchaus noch Luft nach oben.

          Christoph Scherbaum
          Christoph Scherbaum : Bild: Christoph Scherbaum

          Anleger versuchen sich in einer solchen Börsenphase abzusichern. Ein Grund, weshalb die Deutsche Börse im ersten Quartal 2022 in nahezu allen Anlageklassen einen zunehmenden Handels- und Absicherungsbedarf verzeichnete. Dies hat in der Folge zu teils deutlich höheren Handelsvolumina geführt, insbesondere bei Finanzderivaten und Rohstoffen. Der Deutschen Börse bescherten die höheren Handelsvolumina im März-Quartal einen Anstieg der Umsätze gegenüber dem Vorjahr um 24 Prozent auf 1,06 Milliarden Euro.

          Angst belebt das Geschäft

          Im Segment Trading & Clearing wurde entsprechend über alle Anlageklassen hinweg eine volatilitätsbedingte höhere Marktaktivität beobachtet. Profitieren konnten ganz besonders Indexderivate sowie Strom- und Gasprodukte. Hier war der Absicherungsbedarf der Marktteilnehmer besonders hoch. Hinzu kamen Erfolge mit Produktinnovationen im Bereich Finanzderivate, ein gestiegener Marktanteil im Bereich Rohstoffe, eine gestiegene Nachfrage nach Produkten mit Nachhaltigkeitsbezug (ESG) sowie der anhaltende Outsourcing-Trend in der Fondsbranche. Unterm Strich lohnte sich das.

          Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) erhöhte sich um 32 Prozent auf 687,4 Millionen Euro, während der den Aktionären der Deutschen Börse zuzurechnende Periodenüberschuss bei 420,8 Millionen Euro lag – ein Plus von 33 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das Ergebnis je Aktie vor Kaufpreisallokationseffekten belief sich auf 2,40 Euro, was ebenfalls einem Anstieg von 33 Prozent entsprach.

          Von dieser positiven Entwicklung war selbst das Deutsche-Börse-Management überrascht worden. In der Folge wurden die Jahresziele angehoben. Für das Gesamtjahr 2022 wird nun von einem Anstieg der Nettoerlöse auf mehr als 3,8 Milliarden Euro und einem Zuwachs des EBITDA auf mehr als 2,2 Milliarden Euro ausgegangen. Zuvor wollte man bei Umsatz und EBITDA in etwa die Werte von 3,8 beziehungsweise 2,2 Milliarden Euro erreichen.

          Übernahmen bleiben ein Thema

          Auch mittelfristig hat man sich auf Unternehmensseite ambitionierte Ziele gesetzt. Zu den wichtigsten Wachstumstreibern werden die Entwicklung vom außerbörslichen zum börslichen Handel, Nachhaltigkeitsthemen (ESG), die zunehmende Bedeutung der sogenannten Buy-Side, passive Investments und die Digitalisierung des Finanzsektors gezählt. Die Nettoerlöse sollen bis 2023 ein Wachstum von durchschnittlich rund 10 Prozent pro Jahr aufweisen. Rund die Hälfte dieses Wachstums soll mithilfe von Übernahmen erreicht werden.

          DT. BÖRSE

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          Die Aktie eines Börsenbetreibers im Depot zu haben, ist wohl kaum eine spannende Investorengeschichte, wohl aber eine, die unterm Strich sich auszahlt. Wer vor zehn Jahren 10.000 Euro in das „langweilige“ Wertpapier gesteckt hat, kann heute auf eine Position von mehr als 41.000 Euro blicken. Auf Sicht von fünf Jahren wurden mehr als 17.000 Euro aus der Anfangsinvestition.

          Wer für sich in Anspruch nimmt, bei den Aktienpositionen im eigenen Depot auch noch ein bisschen Dividende mitnehmen zu wollen, der kommt beim deutschen Börsenbetreiber immerhin aktuell auf eine Rendite von mehr als 2 Prozent. Summa summarum lässt sich sagen, mit der Nervosität und dem Börsenhandel „der anderen“ lässt sich durchaus Rendite im eigenen Depot machen …

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