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Hohe Gewinnmarge : Deutsche Börse: Viel Geld mit Daten

Kann zufrieden sein: Deutsche-Börse-Vorstandsvorsitzender Theodor Weimer Bild: dpa

Auf der Hauptversammlung des Börsenbetreibers dominiert das Thema Daten. Dabei ist das Flaggschiff, der Indexanbieter MSCI, gerade abgestürzt. Zukäufe könnten nun billiger werden.

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          31 Mal hat Theodor Weimer das Wort Daten in seiner 31 Minuten dauernden Rede auf der Hauptversammlung der Deutschen Börse verwendet. Im Durchschnitt also einmal jede Minute. Jedem Zuhörer sollte klar werden, was für die Zukunft der Deutschen Börse entscheidend ist. Optisch unterstrichen wurde dies auf der digitalen Veranstaltung durch eine Skulptur, die neben dem Vorstandsvorsitzenden eingeblendet wurde: Was auf den ersten Blick wie eine Eisblume aussah, sollte für jede Menge Datenpunkte stehen. Von der Wurzel bis zu den Blättern, die für die Performance verschiedener Datenkurven stehen sollen, wie es in den Erläuterungen im Geschäftsbericht heißt, den die Skulptur auch schon zierte.

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Daten sind unser neuer Rohstoff“, sagte der Vorstandsvorsitzende Weimer: „Wohl der einzige, der umso stärker wächst, je mehr man ihn braucht.“ Die Börse selbst ist mit ihren vielen Kursen und Indizes ein großer Datenproduzent und verdient damit viel Geld. Gleichzeitig betont Weimer, seien Rohdaten wie ein Wirrwarr aus Worten, die eine saubere grammatikalische Form brauchen, um sie zum Sprechen zu bringen. Datenanalyse ist daher das Zauberwort, mit dem die Börse künftig noch mehr Geld verdienen will und das verlässlich unabhängig von den Kursschwankungen an den Märkten.

          DT. BÖRSE

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          Wie begeistert die Anleger in den vergangenen Jahren von Datenanbietern waren, zeigt der Kursverlauf von MSCI, der weltgrößte Indexanbieter. Verdreißigfacht hatte sich deren Aktienkurs binnen neun Jahren auf einen Börsenwert von 50 Milliarden Euro. Dabei macht das Unternehmen weniger Gewinn und Umsatz als die Deutsche Börse. Aber Gewinnmargen und Wachstum sind beeindruckend und vor allem dem Potential des Datenschatzes wurde schier unermesslicher Wert beigemessen. Zuletzt ist die Bewertung aber um gut ein Drittel abgesackt. Mit 31 Milliarden Euro ist der Börsenwert wieder auf Augenhöhe mit der Deutschen Börse. Eine Chance für Weimer und sein Unternehmen. Nicht für eine Übernahme von MSCI. Die wäre wohl weiterhin zu teuer und Weimer bekräftigte seine Haltung „keine Abenteuer“ eingehen zu wollen. Er merkte bei seinen Antworten auf Aktionärsfragen zu Übernahmen aber an, dass die Bewertungen im Bereich Daten&Analytics deutlich zurückgegangen seien. Bisher galten die hohen Preise als Hemmnis für weitere Übernahmen.

          Cum-Ex als heikles Thema

          Die Bewertung der Deutschen Börse selbst befindet sich nahe ihres Rekordhochs. Entsprechend hatten die Aktionäre nichts auszusetzen. Das Wachstum ist intakt, die jüngsten Übernahmen wie die des auf Nachhaltigkeit spezialisierten Datenanbieters ISS laufen besser als geplant. Gut 3000 Zuschauer hatten sich der digitalen Veranstaltung zugeschaltet. Nur sechs Aktionäre hatten Fragen eingereicht. Die Verstrickung der Börse in Cum-Ex ist der unangenehmste Punkte, der angesprochen wird. Weimer räumte ein, dass sich die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Köln mittlerweile auf mehrere aktive und ehemalige Mitarbeiter sowie Vorstandsmitglieder von Tochtergesellschaften ausgedehnt hätten. Die Börse sieht aber weiterhin keine Anhaltspunkte für Pflichtverletzungen und vertraut hier ihren beauftragten juristischen Gutachten.

          Drei der sechs Vorstände waren aktuell Corona-positiv getestet und konnten an der Hauptversammlung nicht teilnehmen. Diese stimmte allen Vorschlägen des Unternehmens mit großer Mehrheit zu, darunter einer um 20 Cent auf 3,20 Euro erhöhten Dividende. Die Jahresziele hatte die Börse nach einem starken Auftaktquartal erhöht. Weimer deutete an, dass es wohl nicht ganz so schwungvoll weitergehen wird. Aufsichtsratsvorsitzender Martin Jetter zeigte sich mit den Entwicklungen zufrieden und betonte die Rolle der Deutschen Börse als Pionier und Gestalter digitaler Produkte wie Token, einem Markt, in dem die Börse ein hohes Maß an Sicherheit gewährleisten werde.

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