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Vorreiter in der Finanzbranche : Deutsche Börse geht mit Microsoft in die Cloud

Kurse werden künftig in der Cloud gemacht. Bild: dpa

Von einer Verlagerung ihrer Systeme in die „Cloud“ erwartet sich die Deutsche Börse Vorteile für Geschwindigkeit und Kosten. In der sensiblen Finanzbranche ist sie damit ein Vorreiter.

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          Die Deutsche Börse setzt ihren Wandel zum IT-Konzern fort. Veranstaltete sie früher Pressekonferenzen zu Neuerungen im Xetra-Handelssystem oder zu Börsengängen, gab es am Montagmorgen am Konzernsitz in Eschborn mehrere Premieren. Erstmals stand ein reinrassiges IT-Thema im Mittelpunkt und erstmals durfte der IT-Vorstand Christoph Böhm einen solchen Termin leiten.

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Böhm kam im November von SAP zur Deutschen Börse. Der Ruf als Fachmann für die Cloud eilte ihm voraus. Er folgte Andreas Preuß im Vorstand, der als gestandener Fachmann für Derivatemärkte das IT-Ressort geführt hatte. Es ist ein weiterer Akzent der Börse unter ihrem Vorstandsvorsitzenden Theodor Weimer, der zeigen soll, dass man, um wachsen zu können, weniger auf Marktanteile in Asien schielt, wie es unter dem Vorstandsvorsitzenden Reto Francioni der Fall war, und dass das Heil der Börse auch nicht in Großfusionen liegt, wie es zuletzt Carsten Kengeter erfolglos versucht hatte. Weimer setzt auf Themen wie Künstliche Intelligenz, Big Data und Blockchain.

          Mehr Leistung auf Abruf

          Am Montag durfte Vorstand Böhm genau diese Themen der „Roadmap 2020“ als zentrales Argument nehmen, warum nun die IT der Börse auf die Cloud setzt. Eine Nutzungsmöglichkeit also, bei der Daten und Rechenleistungen nicht mehr nur im Unternehmen, sondern in eine Datenwolke im Internet ausgelagert werden. „Auf Knopfdruck ist schnell ein Vielfaches an Computing Power und Speicherleistungen verfügbar“, sagt Böhm. Was Knopfdruck heißt, führt er aus: „Binnen Minuten, vielleicht einer Stunde, haben wir die Rechner- und Speicherleistungen, die wir brauchen. Bisher hat es Monate gedauert, bis entsprechende Server bestellt und im Unternehmen aufgebaut waren.“

          Künftig kauft die Deutsche Börse bei Microsoft eine Mindestgröße an Kapazitäten, kann aber den Großteil je nach Bedarf hinzu mieten. „In der Regel haben wir gerade in der Testphase von IT-Anwendungen einen immensen Bedarf an Rechnerleistungen“, sagt Böhm. Bisher mussten die Tests nacheinander abgewickelt werden und damit ging sehr viel Zeit für die Kunden verloren. „Wir sind künftig nicht nur 10 Prozent schneller, wir sind deutlich schneller.“ Und rund 20 Prozent günstiger soll es auch werden. „Das sind alles durchweg wirtschaftliche Maßnahmen“, sagt Böhm.

          Schrittweise wird die Börse ihre IT-Projekte in die Cloud überführen. Da ihre Daten hochsensibel sind, geschieht dies alles in regem Austausch mit den Kunden und Regulatoren. Microsoft-Deutschland-Chefin Sabine Bendiek verwies in Eschborn auf die 70 Regulatoren, mit denen ihr Unternehmen zusammenarbeitet und 3500 Mitarbeiter, die sich um nichts anderes als IT-Sicherheit kümmern. Das Cloud-Geschäft wird für Microsoft immer wichtiger und an der Börse ist der Konzern vergangene Woche erstmals mehr als eine Billion Dollar wert gewesen und vor Apple und Amazon an die Weltspitze gerückt.

          „Nach Kooperationen mit VW, BMW und Eon ist die Börse nun der erste Partner aus der Finanzindustrie“, sagt Bendiek. „Das ist ein Signal, auch hoch regulierte Industrien in die Cloud zu überführen.“ Ohne Cloud würde die Nutzung Künstlicher Intelligenz „sehr herausfordernd“. „Die Hannover Messe hat gezeigt, wir sind im Zeitalter des Schulterschlusses und dem Aufbau von Ökosystemen“, sagt Bendiek.

          Für den Finanzsektor hat sich auf Initiative der Deutschen Börse die Collaborative Cloud Audit Group gegründet, an der bisher acht große europäische Finanzinstitute und Versicherer teilnehmen. Die Gruppe kommt gemeinsam vorgeschriebenen „Audits“ nach und reduziert durch die Zusammenarbeit den Aufwand für alle.

          Die Cloud wird die Börse zunächst vor allem für ihre Nachhandelsaktivitäten nutzen. Für die extrem hohen Anforderungen der Handelssysteme mit Transaktionen in Nanosekundenschnelle ist die Cloud noch nicht gemacht. Aber es ist das feste Bestreben der Börse, künftig öfter als bisher mit Fortschritten im IT-Bereich aufzuwarten.

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