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Deutsche Börse : Frauenquote im Dax künftig bei 2,5 Prozent

Ein Händler an der Frankfurter Börse Bild: AFP

Zehn neue Werte nimmt die Deutsche Börse in den Dax auf. Damit wird der Dax wieder männlicher. Der Anteil der Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsräten sinkt.

          3 Min.

          Moderner und attraktiver soll er werden, der deutsche Aktienleitindex Dax. Das hat sich die Deutsche Börse zum Ziel gesetzt, und dafür hat sie sich vor einem Jahr sehr viel Mühe gegeben mit einer Reform. Die war nötig geworden, weil der Pleitegeier mit Wirecard ausgerechnet einen Dax-Wert erwischte und das Regelwerk sich als ungeeignet erwies, dieses Unternehmen schnell aus der vermeintlichen Eliteliga der Deutschen Börse zu entfernen.

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nun kommt das große Finale der Dax-Reform: die Aufstockung von 30 auf 40 Werte. Seit Freitagabend ist klar, wer die Neuen sind: der europäische Flugzeug- und Rüstungskonzern Airbus, der Berliner Online-Modehändler Zalando, der Gesundheitskonzern Siemens Healthineers, der Duft- und Aromenhersteller Symrise aus Holzminden, der Berliner Kochboxenversender Hello Fresh, der Impfstoffzulieferer Sartorius aus Göttingen, der VW-Großaktionär Porsche Automobil Holding, der Chemiekonzern Brenntag aus Essen, der Sportartikelhersteller Puma und das deutsch-niederländische Biotech-Unternehmen Qiagen, das sich knapp vor dem Hamburger Konsumgüterkonzern Beiersdorf qualifizieren konnte.

          Nur wenige Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten

          Ob der Index dadurch wirklich moderner und attraktiver wird, darüber streiten die Fachleute. Eines ist aber jetzt schon klar: Der Dax wird männlicher. Die Personalberatung Russell Reynolds hat sich dazu die Vorstände und Aufsichtsräte der zehn Neuen angeschaut und festgestellt: Frauen sind nur wenige zu finden. So bleibt Belén Garijo, die Merck-Chefin, weiterhin die einzige Chefin eines Dax-Unternehmens: Frauenquote also künftig 2,5 Prozent. Auf der Ebene darunter sieht es etwas weiblicher aus, aber die Frauenquote sinkt, denn mit Brenntag, Hello Fresh, Porsche, Sartorius und Symrise steigen gleich fünf Unternehmen in den Dax auf, die keine einzige Frau im Vorstand haben. Das gab es bisher nur bei 4 Dax-Unternehmen (13 Prozent), künftig sind es 9 (23 Prozent).

          Nur 7 der 54 neuen Dax-Vorstände werden weiblich sein. Bisher lag die Quote im Dax bei 19 Prozent, künftig werden es nur 17,6 Prozent sein, haben die Russell-Fachleute errechnet. Im norwegischen Leitindex OBX sind immerhin gut 30 Prozent Frauen, im französischen CAC 40 22 Prozent. 

          Auch die Aufsichtsräte werden künftig noch männlicher besetzt sein als bisher schon. Hier wird es zudem weniger Mitsprache von Arbeitnehmern geben. Bisher haben 26 der 30 Dax-Unternehmen einen paritätisch besetzten Aufsichtsrat aus  Arbeitnehmern und Anteilseignern. Bei den neuen zehn Unternehmen ist dies nur zweimal der Fall. Sechs brauchen gar keine Arbeitnehmer im Aufsichtsrat, bei zwei Unternehmen ist es ein Drittel. Die Gründe für den abnehmenden Einfluss der Arbeitnehmervertretung liegen in der zunehmenden Internationalisierung des Dax, der um Unternehmen mit teils anderer Struktur und Vorgeschichte als bisher typisch erweitert wird: Zwei Unternehmen, die als europäische Aktiengesellschaft SE firmieren, waren bei ihrer Gründung nicht mitbestimmungspflichtig, was bei späteren Veränderungen der Unternehmensgröße fortgeschrieben wird. Das ist nach der Russell-Analyse bei den Dax-Werten Vonovia und Deutsche Wohnen der Fall so wie bei den Neulingen Brenntag und Hello Fresh.

          Drei Unternehmen haben ihren Sitz im Ausland und unterliegen deshalb nicht der deutschen Mitbestimmung, der „alte“ Dax-Wert Linde als plc mit Sitz in Großbritannien und Airbus und Qiagen mit Sitz in den Niederlanden. Für die Porsche SE gilt eine Ausnahme von der paritätischen Mitbestimmung, solange sie nur als Finanzholding tätig ist. Sie hält als wesentlichen Geschäftszweck ein großes Aktienpaket an Volkswagen. Zwei Unternehmen, der Dax-Wert Fresenius Medical Care und der Neuling Siemens Healthineers gelten als Teilkonzerne mitbestimmter Konzernmütter und unterliegen deshalb nicht der paritätischen Mitbestimmung.

          Der Wertentwicklung der Unternehmen hat dies nicht geschadet. Sie kommen in den Dax, weil ihre Aktienkurse sich in den letzten Monaten und Jahren stark entwickelt haben – auf Basis guter Geschäftserfolge, auch zum Nutzen der Arbeitnehmer.

          Der Branchenmix wird bunter

          Die gute Kursentwicklung führt zu einer höheren Bewertung, als dies bei den „alten“ Dax-Unternehmen der Fall war. Nach Berechnungen der Landesbank Baden-Württemberg liegt das gewichtete Dax-Kurs-Gewinn-Verhältnis bei gut 16. Das der neuen Mitglieder beträgt indes mehr als 35, so dass die Bewertung des Dax insgesamt etwas steigt. Wichtigste Branche wird die Industrie, die vom Aufstieg von Airbus profitiert. Auf Platz zwei verdrängt wird die Chemie mit einem Anteil von unverändert 16 Prozent. Die Autoindustrie landet mit weiterhin rund 11 Prozent auf Rang drei, vor dem Gesundheitsbereich, der von 8 auf 10 Prozent zulegt. Durch den Aufstieg von Symrise ist nun erstmals auch der Bereich Nahrung/Getränke vertreten. Der Branchenmix wird also etwas bunter.

          Umgestellt wird der Index zum 20. September. Von 100 investierten Euro in die bisherigen Dax-Werte müssen die Indexfonds knapp 17 Euro verkaufen und entsprechend der Gewichtung in die zehn neuen Aktien investieren. Im M-Dax, der von 60 auf 50 Werte reduziert wird, müssen von 100 Euro rund 41 Euro der Aufsteiger verkauft und in die verbleibenden 50 Werte investiert werden. Immerhin rund 3,5 Milliarden Euro sind in M-Dax-ETFs investiert, in Dax-ETFs sind es etwa 16 Milliarden Euro.

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