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Bundesbank-Bericht : Deutsche Banken verdienen fast ein Drittel weniger

Die Skyline der Bankenmetropole Frankfurt: Die deutschen Banken haben vergangenes Jahr fast ein Drittel weniger verdient. Bild: dpa

Deutsche Banken haben im vergangenen Jahr einen Gewinnrückgang erlitten. Die Bundesbank macht zwei Faktoren dafür verantwortlich.

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          An den Niedrigzinsen hat es nicht gelegen, dass die deutschen Banken und Sparkassen im vergangenen Jahr einen Gewinnrückgang um fast ein Drittel erlitten haben. In ihrem Monatsbericht für September führt die Bundesbank als wesentliche Faktoren das aufgrund eines schwierigen Börsenumfelds im zweiten Halbjahr schwächere Handelsergebnis sowie eine höhere Risikovorsorge an.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Diese fiel aufgrund der schlechten Börsenentwicklung auf Wertpapiere der Liquiditätsreserve an, die wertberichtigt werden mussten. Zudem mussten einzelne Institute für ihren hohen Altbestand an Schiffsfinanzierungen vorsorgen. Hier schlägt vor allem der Rekordverlust der Norddeutschen Landesbanken aufgrund der Abschreibungen auf Schiffskredite ins Kontor.

          Das von seinen Anteilseignern Niedersachsen, Sachsen-Anhalt sowie den Sparkassen mit 3,5 Milliarden Euro gestützte Institut ist auch der Grund, warum die Gruppe der Landesbanken 2018 einen Fehlbetrag von einer Milliarde Euro verzeichnete. Nach Angaben der Bundesbank schafften es weder Großbanken noch Sparkassen oder Volks- und Raiffeisenbanken, ihr Ergebnis im vergangenen Jahr zu verbessern. Alle Institutsgruppen lagen unter den Zahlen des Jahres 2017.

          Etwas überraschend liest sich der Zinsertrag

          Etwas überraschend liest sich, dass der Zinsertrag für alle deutschen Institute um 2,2 Milliarden auf 167,6 Milliarden Euro gestiegen ist. Dieser erste Anstieg seit dem Jahr 2011 lag nach Angaben der Bundesbank ausschließlich an den Großbanken. Dazu zählen vor allem Deutsche Bank und Commerzbank.

          Die Zinserträge der Großbanken erhöhten sich um 5,9 Milliarden auf 29,4 Milliarden Euro. Das liegt an einer Umgruppierung: Die Deutsche Bank Privat- und Geschäftskunden AG fusionierte mit der Postbank und wechselte daher von den „Regionalbanken“ zu den „Großbanken“. Darüber hinaus erzielten die Großbanken im Geschäft mit amerikanischen Banken höhere Zinserträge.

          Anderen Bankengruppen gelang es trotz höherem Kreditwachstum nicht, die Zinserträge zu steigern. Für Sparkassen fielen sie von 25,6 auf 25,0 Milliarden Euro. Die Volks- und Raiffeisenbanken verzeichneten einen Rückgang von 18,6 Milliarden auf 18,0 Milliarden Euro.

          Dynamisches Kreditwachstum

          „Das Niedrigzinsniveau führte hier weiterhin zu Einbußen beim Zinsertrag, da die Institute immer weniger von Krediten profitieren können, die in Zeiten höheren Zinsniveaus abgeschlossen wurden“, stellt die Bundesbank dazu fest. Sie verweist auch auf die fällig gewordenen Anleihen und Schuldscheine, die durch niedriger verzinste Neuanlagen ersetzt werden mussten. Dagegen entwickelte sich das Kreditwachstum dynamisch.

          Die mittel- und langfristigen Kredite an Unternehmen stiegen um 39 Milliarden Euro, kurzfristige Kredite um 7 Milliarden Euro. Das entsprach einem Wachstum von 5,3 Prozent. Die Wohnungsbaukredite an Haushalte erhöhten sich um 54 Milliarden Euro oder um 4,6 Prozent.

          Mit 87,2 Milliarden Euro lag der Zinsüberschuss zwar um 1,7 Milliarden Euro über dem Niveau 2017, jedoch deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Im Jahr 2015 belief sich der Zinsüberschuss noch auf fast 96 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr erwartet die Bundesbank im Zuge der schwächeren Konjunktur eine höhere Risikovorsorge sowie Anpassungen an ein längerfristiges Niedrigzinsumfeld, nachdem die Europäische Zentralbank den Einlagensatz von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent gesenkt hat.

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