https://www.faz.net/-gv6-9lpge

Zukunft der Geldhäuser : Deutsche Bank will Kapitalerhöhung vermeiden

Was wird aus der Deutschen Bank? Bild: Bäuml, Lucas

Wie stark unterstützen Qatars Staatsfonds die Fusion mit der Commerzbank? Und was macht die Bankenaufsicht?

          Die Fusionsverhandlungen zwischen Deutscher Bank und Commerzbank kommen voran und werden nach Informationen der F.A.Z. von der Bankenaufsicht „wohlwollend“ begleitet. Wie es in Verhandlungskreisen heißt, ist die Deutsche Bank zuversichtlich, dass sie für den Vollzug dieser Fusion doch keine zusätzlichen Aktien verkaufen muss.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bislang erwarteten Analysten eine Kapitalerhöhung zwischen 3 und 10 Milliarden Euro. „Ob es eine Kapitalerhöhung braucht, ist unsicher“, sagte ein Fusionsberater der F.A.Z. Ein anderer will Signale wahrgenommen haben, dass die Bankaufseher den negativen Firmenwert der Commerzbank weitergehender als gedacht als Eigenkapital der Deutschen Bank anerkennen könnten.

          Nachdem auch andere Integrationsmodelle geprüft worden sind, favorisieren Berater inzwischen als „Fusion“ formal die Übernahme der kleineren Commerzbank durch die Deutsche Bank. Allerdings ist nicht vorstellbar, dass eine solche Übernahme „feindlich“, also gegen den Willen des Vorstands, erfolgt.

          Nachdem sie vor drei Wochen offiziell in „ergebnisoffene“ Gespräche eingetreten sind, stehen Deutsche Bank und Commerzbank jetzt offenbar kurz vor einer Absichtserklärung (Memorandum of Understanding), dass sie die Fusionsgespräche auch tatsächlich mit einem Ergebnis abschließen wollen. Ob ein solches „MoU“ allerdings noch vor Ostern mitgeteilt wird, ist unklar.

          Während der Vorstand der Commerzbank großen Widerstand der Mitarbeiter spürt, sind viele Aktionäre der Deutschen Bank wegen der drohenden Kapitalerhöhung skeptisch. Denn durch die Ausgabe zusätzlicher Aktien würde ihr Anteil an der Deutschen Bank sinken. Ihr größter Aktionär ist mit mindestens 6 Prozent das Emirat Qatar, das eine Beteiligung von jeweils mehr als 3 Prozent über zwei Investmentvehikel der Herrscherfamilie hält.

          Darüber hinaus steht nach Informationen der F.A.Z. auch der große Staatsfonds Qatars bereit, sich zusätzlich und nennenswert an der Deutschen Bank zu beteiligen. Als vorstellbar gilt etwa, dass sich die Qatarer zunächst von Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing vom Sinn der Fusion zum jetzigen Zeitpunkt überzeugen lassen und dann mit ihrem Staatsfonds größer einsteigen – vielleicht unter Ausschluss des Bezugsrechts anderer Aktionäre eine kleine Kapitalerhöhung zeichnen.

          Falls dann noch die Bankenaufsicht einen Großteil des negativen Firmenwertes der Commerzbank als Eigenkapital der Deutschen Bank anerkennt, könnte auf eine weitere Kapitalerhöhung verzichtet werden, lautet eine Idee. Wie die F.A.Z. am 30. März berichtet hat, ergibt sich der negative Firmenwert der Commerzbank aus der Differenz zwischen ihrem bilanziellen Eigenkapital (rund 30 Milliarden Euro) und dem Kaufpreis (9 Milliarden Euro Börsenwert plus Aufschlag). Inwieweit von diesem „Badwill“ Risiken und Fusionskosten abgezogen werden müssen, wird gerade mit der Aufsicht diskutiert.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          TV-Duell für Tory-Vorsitz : „Wo ist Boris?”

          In einer lebendigen Debatte stellen die Kandidaten für den Vorsitz bei den britischen Konservativen unter Beweis, wie groß das Arsenal präsentabler Politiker der Tory-Partei noch ist. Boris Johnson bleibt der Runde fern – und ein anderer sticht heraus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.