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Reputationsrisiko : Deutsche Bank will Beziehung zu Trump beenden

  • Aktualisiert am

Das Gutenberg-Denkmal steht vor einer Filiale der Deutschen Bank in Frankfurt. Bild: Reuters

Wenn Trump nicht mehr Präsident wäre, wäre der Rückzug leichter, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider. Die Deutsche Bank wollte dazu nicht Stellung nehmen.

          3 Min.

          Die Deutsche Bank sucht Insidern zufolge nach einem Weg, um ihre Geschäftsbeziehungen mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump zu beenden. Die Bank sei es leid, deswegen immer wieder in die Schlagzeilen zu geraten, sagten drei hochrangige Manager der Nachrichtenagentur Reuters. In den vergangenen Monaten habe ein Managementausschuss, der sich unter anderem mit Reputationsrisiken beschäftigt, verschiedene Optionen diskutiert, sagten zwei der Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Ein Vorschlag sei gewesen, die an Trump ausgereichten Kredite weiterzuverkaufen, um die Geschäftsbeziehungen mit dem Immobilienmogul zu beenden. Doch dieser Vorschlag habe nicht verfangen, unter anderem weil unklar sei, wer die Darlehen aufkaufen würde, sagte ein Insider.

          Die Deutsche Bank und das Weiße Haus lehnten eine Stellungnahme ab. Von Trumps Familienunternehmen, der Trump Organization, war ebenfalls keine Stellungnahme zu erhalten.

          Die Deutsche Bank gehört zu den wichtigsten Kreditgebern von Trump. An sein Familienunternehmen Trump Organization hat das Institut aktuell noch rund 340 Millionen Dollar an Darlehen vergeben, wie ein Insider sagte. Diese Größenordnung geht
          auch aus Dokumenten hervorgeht, die Trump im Juli beim Office of Government Ethics einreichte. Bei den insgesamt drei Krediten, die ab 2023 fällig werden, gebe es keinen Zahlungsverzug und Trump habe persönlich für deren Rückzahlung gebürgt, sagten
          zwei Insider.

          Milliardengeschäfte

          Der Immobilienmogul ist seit über zwei Jahrzehnten Kunde der Deutschen Bank. Mehr als zwei Milliarden Dollar an Krediten habe Trump seit Ende der 1990er-Jahre erhalten, sagte einer der Insider. Der prominente Kunde hat dem Geldhaus viele Negativschlagzeilen eingehandelt. Immer wieder verlangten die Demokraten im amerikanischen Kongress Auskünfte über die Geschäfte mit dem republikanischen Präsidenten, der diese unter Verweis auf die Gesetzeslage zurückwies.

          Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren, die die Deutsche Bank schon seit vielen Jahren wegen möglicher Geldwäsche-Verstößen im Visier hat, lässt nicht locker und will sich weiter für einen Untersuchungsausschuss im Kongress einsetzen. „Ich werde weiterkämpfen. Darauf können Sie wetten“, sagte Warren zu Reuters. Die Bankengesetze müssten durchgesetzt werden, besonders für riesige Institute wie die Deutsche Bank.

          Wie es in der Trump-Saga weitergeht, wird entscheidend vom Ausgang der amerikanischen Wahlen abhängen. Sollte Trump verlieren und die Demokraten das Weiße Haus und den Kongress kontrollieren, dürften die Untersuchungen zu Trumps Finanzen Fahrt
          aufnehmen. In so einer Situation hätte die Deutsche Bank aber auch mehr Freiraum, das Kreditthema anzugehen und ihre Geschäftsbeziehungen mit Trump zu beenden, sagten die Insider. Die Bank hoffe, damit etwas aus der Schusslinie der Untersuchungen zu geraten.

          Mehr Spielraum, wenn Trump kein Präsident mehr wäre

          Die Kredite, die für Trumps Golfplatz in Miami und Hotels in Washington und Chicago vergeben wurden, seien so gestaltet, dass die Trump Organization bislang nur Zinsen zahlen muss, sagten zwei der Insider. Die Tilgung des Darlehens findet also
          komplett am Ende der Laufzeit statt. Die Kredite werden 2023 und 2024 fällig, wie Dokumente zeigen. Die mit den Darlehen finanzierten Hotels und Golfclubs leiden unter der Corona-Krise, die Einnahmen sind wie in der gesamten Touristikbranche
          eingebrochen. Trump hatte zudem geplant, auf Golfplätzen wie dem in Miami Hotels und Häuser zu bauen, und so zusätzliche Einnahmen zu erwirtschaften. Doch bislang ist daraus nichts geworden.

          Die Deutsche Bank mache sich wegen der verbleibenden Zeit bis zur Fälligkeit der Kredite und Trumps persönlicher Bürgschaft keine allzu großen Sorgen, sagten die drei Insider. Aber Manager hätten verschiedene Szenarien durchgespielt. Sollte
          Trump nicht mehr Präsident sein, wäre es aus Sicht der Deutschen Bank einfacher, auf der Rückzahlung der Kredite zu bestehen, die Zwangsvollstreckung einzuleiten, wenn Trump die Darlehen nicht zurückzahlen oder refinanzieren kann, oder sie zu
          verkaufen, sagten zwei der Insider. Da Trump persönlich für die Kredite bürgt, könnten seine Vermögenswerte beschlagnahmt werden, wenn er sie nicht zurückzahlen kann. Sollte Trump aber wiedergewählt werden, hätte die Bank weniger Optionen, sagten die drei Insider. In diesem Fall würden die Darlehen wohl bis zum Ende von Trumps Amtszeit verlängert. Es scheint jedenfalls undenkbar, Vermögenswerte eines amtierenden amerikanischen Präsidenten zu beschlagnahmen - der öffentliche Aufschrei wäre enorm.

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