https://www.faz.net/-gv6-9ctdx

Brexit-Folgen : Deutsche Bank verlagert Geschäft von London nach Frankfurt

  • Aktualisiert am

Die Zentrale der Clearstream International in Luxemburg Bild: Röth, Frank

Die Unsicherheit rund um den Brexit bewegt die Deutsche Bank offenbar dazu, mehr Geschäft in Frankfurt abzuwickeln. Für die Deutsche Börse ist das gut, könnte aber nur ein vorübergehender Sieg sein.

          Die Deutsche Bank vollzieht künftig fast die Hälfte ihres Geschäfts mit der Abwicklung von Wertpapiertransaktionen für den Euroraum, das sogenannte Clearing, in Frankfurt und nicht mehr in London – Grund ist der bevorstehende Austritt der Briten aus der Europäischen Union. Dies berichtet die „Financial Times“. Ein Sprecher der Bank bestätigte den Bericht. Mit der Umstellung gehe allerdings keine Verlagerung von Arbeitsplätzen von der Themse an den Main einher.

          Damit sei auch die Deutsche Börse ihrem Ziel bedeutend näher gekommen, der britischen LCH Clearnet das Geschäft wegzunehmen. Vor sechs Monaten noch habe die Deutsche Bank ihr Euro-Clearing fast ausschließlich in London durchgeführt. Die Derivate-Tochter Eurex konnte jüngst ihren Marktanteil auf acht Prozent steigern, liegt damit aber immer noch weit hinter LCH mit rund 90 Prozent. Vor allem beim Clearing von auf Euro lautenden Zinsderivaten war LCH bisher unangefochtener Marktführer und wickelte täglich bis zu 1 Milliarde Euro an Transaktionen ab. Die Deutsche Bank gehört zu den fünf größten Abwicklern von Transaktionen in Zinsderivaten. Theodor Weimer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Börse, hat einen Marktanteil von 25 Prozent als Ziel ausgegeben.

          Ein politisches Thema

          Das Thema ist politisch extrem aufgeladen. Es geht dabei immerhin um ein Wertpapierhandelsvolumen von rund 30 Billionen Euro. Während Großbritannien alles dafür tut, dass das Geschäft auch nach dem EU-Austritt in London bleiben kann, hält sich die EU zurück. Finanzminister Olaf Scholz etwa nannte Frankfurt den natürlichen Ort für ein Clearing von Euro-Zinsderivaten, das selbstverständlich im Einklang mit EU-Standards erfolgen müsse.

          Unternehmen und Staaten sichern sich in diesem Markt gegen Zinsänderungsrisiken ab. Um den Markt krisensicherer zu machen, muss ein Clearinghaus zwischen die beiden Vertragspartner geschaltet werden. Fällt einer der beiden Vertragspartner aus, tritt dieses an seine Stelle und erfüllt die Verpflichtungen. Die Marktteilnehmer müssen dafür bei dem Clearinghaus Sicherheiten hinterlegen.

          Sollte das Clearing von Euro-Zinsderivaten auch künftig in London verbleiben dürfen, könnte die mühevoll gewonnenen Kunden wie etwa die französische BNP Paribas Banken wieder abspringen, fürchtet die Deutsche Börse.

          Dass bislang keine Arbeitsplätze verlagert wurden, hat technische Gründe Es seien die gleichen, in London ansässigen Personen, die Transaktionen abschlössen, schreibt die Financial Times unter Berufung auf die Deutsche Bank. Man verwende nur ein anderes Clearinghaus.

          Weitere Themen

          Wenn das Geschenk nicht kommt

          Paket aus dem Ausland : Wenn das Geschenk nicht kommt

          Die Innenstädte sind voll, was liegt näher, als über das Internet Geschenke für die Liebsten einzukaufen? Doch dabei ist Vorsicht geboten. Vor allem bei Angeboten ausländischer Online-Shops sollte genau hingesehen werden.

          Topmeldungen

          EU-Gericht urteilt : Drohen jetzt auch neuesten Dieselautos Fahrverbote?

          Statt auf dem Prüfstand muss der Schadstoffausstoß von Autos inzwischen auf der Straße gemessen werden. Im Schnellverfahren wurden Stickoxid-Grenzwerte gelockert. Das ist nicht zulässig, urteilte jetzt das EU-Gericht – und ebnet damit den Weg für neue Fahrverbote.

          Rote Karte für Müller : „Nee, nee, das war keine Absicht“

          Erstmals in seiner Profikarriere sieht Thomas Müller die Rote Karte. Der üble Tritt ins Gesicht seines Gegners überschattet auch eine Bestmarke für den Stürmer. Danach gibt er sich ziemlich wortkarg.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.