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Geplatzte Bankfusion : Trügerisches Aufatmen

Bild: Wolfgang Eilmes

Viele mögen erleichtert reagieren, dass die Fusionsgespräche zwischen Deutscher Bank und Commerzbank geplatzt sind. Nur: Wie geht es jetzt weiter? Die Probleme bleiben ja bestehen.

          2 Min.

          Nach dem Abbruch der Fusionsgespräche zwischen Deutscher Bank und Commerzbank werden viele erleichtert reagieren, andere triumphieren. Erleichtert reagieren werden vor allem viele Mitarbeiter in den beiden Banken, die im Falle eines Zusammenschlusses um ihre Arbeitsplätze hätten fürchten müssen.

          Aufatmen werden jene Ökonomen und Aufseher, die in einer Verbindung der beiden Häuser ein nicht zu verantwortendes Risiko für die Finanzstabilität gesehen haben. Und triumphieren werden all jene, die von Anfang an wussten, dass aus einem Zusammenschluss zweier im internationalen Vergleich schwacher Häuser keine starke Bank hätte werden können.

          Nur: Wie geht es jetzt weiter? Die sehr niedrige Bewertung von Deutscher Bank und Commerzbank an der Börse ist Ausdruck einer weit verbreiteten Überzeugung, dass die beiden Banken auch im Alleingang keine berauschenden Perspektiven besitzen.

          Auch ohne Fusion werden die Vorstandsvorsitzenden Christian Sewing und Martin Zielke an der Kostenschraube drehen und die Frage beantworten müssen, mit welcher Strategie sie die Zukunft gewinnen wollen. Bisher ist dies nicht nachhaltig gelungen. Die Commerzbank besitzt im Alleingang nur ein begrenztes Ertragspotential und der Deutschen Bank ist es trotz vieler Versuche bisher nicht überzeugend gelungen, das Verhältnis von Aufwand und Erträgen auf ein akzeptables Maß zu bringen.

          Wie wichtig ist eine große deutsche Bank?

          Deshalb werden mit dem Abbruch der Fusionsgespräche sofort Spekulationen über eine Übernahme zumindest der Commerzbank durch eine ausländische Großbank beginnen. Es ist kein Geheimnis, dass sich mehrere ausländische Großbanken vorstellen können, mit einer Übernahme der Commerzbank eine starke Position vor allem im deutschen Firmenkundengeschäft zu übernehmen. Aber auch eine Deutsche Bank kann, sobald sie ihre Altlasten abgeworfen und ihre Strategie vor allem im Investmentbanking noch einmal überprüft hat, ein Objekt der Begierde werden.

          Die verbreitete, oft mit leichter Hand hingeworfene These, angesichts zahlreicher global ausgerichteter ausländischer Großbanken wäre die Existenz einer global ausgerichteten heimischen Großbank für die deutsche Wirtschaft  irrelevant, würde im Falle einer Übernahme von Deutscher Bank und Commerzbank schnell hinterfragt. Aus der jüngsten Finanzkrise ist noch bekannt, wie schnell sich in einem schlechten geschäftlichen Umfeld auch international ausgerichtete Großbanken auf ihre Heimatmärkte konzentrieren.

          Vermutlich würden zu den lautstärksten Kritikern einer solchen Entwicklung, die zu Lasten deutscher Unternehmen gehen könnte, auch viele Stimmen zählen, die sich heute über das Ende der Fusionsgespräche der beiden deutschen Großbanken freuen. Mag sein, dass angesichts der erheblichen Ausführungsrisiken ein Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank kein Problem gelöst hätte. Der Verzicht auf die Fusion schafft indessen andere Probleme.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

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