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Heftige Kursverluste : Deutsche Bank und Commerzbank fallen an der Börse kräftig durch

Banken im Schatten Bild: dpa

Auf die hohen Kursverluste von 12 Prozent am Donnerstag folgen am Freitag weitere. Dabei hat die Deutsche Bank im Stresstest in den USA richtig gut abgeschnitten.

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          Die Aktienkurse der deutschen Banken sind auch am Freitag mit Verlusten gestartet. Die Aktie der Deutschen Bank kostete am Freitagmorgen zeitweise nur noch 8,30 Euro, am Mittwoch hatten Anleger noch 9,75 Euro für sie gezahlt. Auch für die Commerzbank-Aktie ging es am Freitag nach einer Stunde Handel um weitere 3 Prozent auf 7,10 Euro abwärts. Dax und M-Dax hingegen eröffneten nahezu unverändert. Die Kursverluste der Banken gaben also Rätsel auf. Am Donnerstag waren der Kurs der Deutschen Bank um gut 12 Prozent und der der Commerzbank um fast 12 Prozent ungewohnt heftig eingebrochen.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Konkurrenten der deutschen Banken wie BNP Paribas aus Frankreich oder Santander aus Spanien hatten am Donnerstag „nur“ 5 und 3 Prozent verloren. Spezielle Nachrichten zu den deutschen Bankhäusern, die die überdurchschnittlichen Kursverluste erklären, gab es nicht. An der Börse hieß es, Anleger befürchteten eine Rezession und dann hohe Kreditausfälle der Banken. Außerdem sei die Rendite der Bundesanleihen wieder etwas gefallen, die begonnene Zinswende hin zu steigenden Renditen könne kleiner ausfallen als gedacht. Höhere Renditen sind überwiegend gut für Banken, weil sie ihre neuen Kredite zu höheren Zinsen ausgeben können. Fallen die Zinssteigerungen allerdings zu deutlich und schnell aus, verlieren die Anleihen im Bestand an Wert und die Kursverluste belasten den Gewinn.

          COMMERZBANK AG

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          Gute Nachrichten für die Deutsche Bank kamen am Freitagmorgen aus den Vereinigten Staaten. Die großen in den USA tätigen Banken, zu denen auch die amerikanische Tochtergesellschaft der Deutschen Bank gehört, sind den Ergebnissen des jährlichen Stresstests der Notenbank Fed zufolge gut für eine Wirtschaftskrise gerüstet. In dem Szenario, das eine Rezession simulierte, behielten die 34 geprüften Banken im Schnitt eine Kapitalquote von 9,7 Prozent, mehr als doppelt so viel wie erforderlich, wie die Fed am Donnerstagabend deutscher Zeit mitgeteilt hat. Die Tochtergesellschaft der Deutschen Bank, die in den vergangenen Jahren mehrmals durch den Test gefallen war, hatte dabei sogar die höchste Kapitalquote von 22,8 Prozent, die amerikanische Bank Huntington Bancshares mit 6,8 Prozent die niedrigste. Erforderlich wären mindestens 4,5 Prozent gewesen.

          Seit 2020 können die Banken nicht mehr scheitern

          Geprüft wurden alle großen amerikanischen Bankhäuser wie Citigroup, Bank of America, JP Morgan, Goldman Sachs, Wells Fargo oder Morgan Stanley sowie sieben Töchter von europäischen Instituten wie Barclays, Santander oder Credit Suisse. Die krisengeschüttelte Schweizer Bank erreichte mit ihrer amerikanischen Tochtergesellschaft eine Kapitalquote von 20,1 Prozent.

          Das diesjährige Testszenario hatte die amerikanische Notenbank noch vor dem Ausbruch des Ukrainekrieges und dem kräftigen Anstieg der Inflation entworfen. Dabei wurde unter anderem untersucht, inwieweit Kreditinstitute mit einem Einbruch der Märkte für Gewerbeimmobilien und Unternehmensanleihen zurechtkämen. Die Fed simulierte eine Rezession mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung von 3,5 Prozent und einer Arbeitslosenquote von zehn Prozent. Die Preise für Gewerbeimmobilien brachen in dem Szenario um 40 Prozent ein.

          DT. BANK

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          Als Konsequenz aus der Finanzkrise von 2008 testet die US-Notenbank jedes Jahr, wie die großen, in den USA aktiven Geldhäuser mit einer Wirtschaftskrise zurechtkämen. Die Deutsche Bank war in den Jahren 2015, 2016 und 2018 durchgefallen, die Credit Suisse 2019 nur unter Auflagen durchgekommen. Seit 2020 können die Institute aber nicht mehr scheitern, weil die Fed ihre Testsystematik geändert hat. Stattdessen legen die Aufseher für jede Bank individuell die Höhe eines Eigenkapitalpuffers fest, die sie zusätzlich zu den Mindestanforderungen bilden muss. Die Höhe dieses Puffers hängt vom Ausmaß der Verluste ab, die die Geldhäuser jeweils bei dem Testszenario verbuchen. Erst nach dem Test wissen die Banken, wie viel überschüssiges Kapital sie als Dividende oder per Aktienrückkauf an ihre Aktionäre ausschütten können. Ihre Dividendenpläne dürfen sie erst nach Börsenschluss am nächsten Montag veröffentlichen.

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