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Fintech Traxpay : Lieferanten brauchen wegen Corona bessere Finanzierung

Markenzeichen der Deutschen Bank Bild: EPA

Das Verhältnis zwischen Händlern und Lieferanten sortiert sich in Zeiten knapper Liquidität neu – und die Digitalisierung erhält einen Schub. Es gibt aber noch mehr Gründe, warum sich die Deutsche Bank jetzt am Fintech Traxpay beteiligt.

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          Stefan Hoops, der Chef der Unternehmenssparte der Deutschen Bank, war in seiner frühen Analyse über die Folgen der Corona-Krise sehr klar. Viele Händler müssten ihre kleineren Lieferanten jetzt stützen, manche Unternehmen ihre Zulieferer sogar aufkaufen. Angesichts fast überall knapper Liquidität würden alle bereitstehenden Finanzierungsmittel genutzt, hatte Hoops Anfang Juni im Gespräch mit der F.A.Z. erzählt. Gleichzeitig prognostizierte er, dass mehr standardisierte Finanzierungen künftig von jungen digitalen Finanztechnikunternehmen („Fintechs“) angeboten würden. Auf die Frage, ob die Deutsche Bank das tatenlos hinnehmen werde, hatte Hoops entgegnet: „Nein, wir prüfen, ob wir uns an einer Plattform für Lieferantenkredite beteiligen.“ Jetzt ist es so weit.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie die Deutsche Bank gerade mitteilte, hat sie einen Minderheitsanteil an Traxpay, einer Plattform für Lieferantenfinanzierung erworben. Auf Traxpay können Händler und Lieferanten schnell zueinander finden und klären, wer gerade einen Liquiditätsüberhang hat. Ist es der Händler und kann er deshalb seine Waren beschleunigt bezahlen, erhält er vom Lieferanten einen höheren Preisabschlag („Discount“). Benötigt dagegen der Händler eine Zwischenfinanzierung durch eine Bank, ist diese auch über die Plattform verfügbar. Traxpay wickelt für seine Kunden mit diesem Angebot jährlich ein Volumen von mehr als einer Milliarde Euro ab.

          Deutsche Bank konnte selten mithalten

          Wie Hoops auf der Internetplattform „Linked-In“ zugibt, sei es der Deutschen Bank in den vergangenen Monaten schwergefallen, im Wettbewerb mit Traxpay mitzuhalten. Man wolle aber nicht den Fehler machen, alles, was nicht im Deutsche-Bank-Konzern erfunden sei, zu ignorieren oder gar schlechtzureden. Vielmehr gehe es darum, Kunden auch durch Kooperationen schnell Lösungen anzubieten. „Mit Traxpay haben wir einen erfahrenen und guten Partner gefunden, mit dem wir auf diesem Feld gemeinsam weitere Lösungen für unsere Kunden anbieten werden. Unsere Antwort auf die Frage ,Fintech oder Bank‘ lautet: ,Fintech und Bank‘“, sagt Daniel Schmand, Leiter für Handelsfinanzierung und Unternehmenskredite bei der Deutschen Bank.

          Für Markus Rupprecht, den Vorstandsvorsitzenden von Traxpay, ist die Beteiligung der Deutschen Bank einerseits Ritterschlag, anderseits auch Gefahr. Rupprecht, der von 1991 bis 2001 selbst für die Deutsche Bank gearbeitet und dann nach mehreren Stationen etwa bei den IT-Unternehmen GFT und Software AG im Jahr 2009 Traxpay gegründet hat, wünscht sich weitere europäische Banken als Gesellschafter. „Die Nutzung einer einzigen Plattform birgt sowohl für Kunden und Lieferanten als auch für die Finanzierungspartner einen großen Transparenz- und Effizienzgewinn“, sagt Rupprecht.

          Will heißen: Wenn jede Bank und jedes Fintech ihr eigenes Süppchen kocht, wird es schwierig, den amerikanischen Plattformen für Lieferantenfinanzierungen etwas entgegenzusetzen. Denn nur Plattformen, auf denen es schon lebhaft zugeht, ziehen weitere Nutzer an. Insofern hat auch die Deutsche Bank Interesse daran, dass sich weitere europäische Banken an Traxpay mit Geschäft und als Miteigner beteiligen. Damit sie nicht abgeschreckt werden, hat die Deutsche Bank eben wohl nur einen Anteil von höchstens 10 Prozent an Traxpay erworben.

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