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Zahlungen für Sexualstraftäter : Epstein-Geschäfte werden für Deutsche Bank noch einmal teuer

Ghislaine Maxwell und Jeffrey Epstein auf einer undatierten Aufnahme, die die amerikanische Staatsanwaltschaft veröffentlichte. Bild: dpa

Für den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein erledigte die Deutsche Bank einst mehr als zweifelhafte Zahlungen. Nun muss die Bank dafür noch einmal Millionen berappen.

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          Die Geschäfte, die die Deutsche Bank für den verurteilten und inzwischen verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein erledigte, kommen dem Institut noch einmal teuer zu stehen. Im Rechtsstreit mit Anlegern hat sich die größte deutsche Bank nun auf die Zahlung eines Vergleichs von 26,25 Millionen Dollar geeinigt. Die Kläger, die dem Institut unter anderem mit Blick auf die Causa Epstein vorgeworfen hatten, ihre ultrareichen Kunden zu lax zu kontrollieren, haben am Freitag die vorläufige Einigung bei einem New Yorker Gericht eingereicht, wie die Nachrichtenagentur Reuters am Montag berichtete. Der zuständige Richter muss die Einigung noch absegnen.

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Kläger, die in den Jahren 2018 bis 2020 mit Aktien der Bank gehandelt hatten, warfen dem Institut vor, mit der falschen Darstellung ihrer Prüfverfahren den Aktienkurs der Bank künstlich in die Höhe getrieben zu haben. Nach Bekanntwerden der Kundenbeziehungen sei der Aktienkurs dann eingebrochen.

          Die sogenannten „Know Your Customer“-Prozesse seien nicht so streng gehandhabt worden, wie von der Bank behauptet. Mit diesen Verfahren sollen Kreditinstitute vor allem vor der Aufnahme neuer Kunden überprüfen, aus welchen Geschäften das Geld stammt, das sie bei ihnen anlegen wollen. Sie sollen verhindern, dass Geld aus kriminellen Geschäften mithilfe der Banken reingewaschen werden oder das über die Netzwerke der Bank sogar kriminelle Geschäfte begangen werden.

          Schulgeld für russische Models überwiesen

          Schon im Juli 2020 musste die Bank 150 Millionen Dollar Strafe an die New Yorker Finanzaufsicht wegen gravierender Versäumnisse im Fall Jeffrey Epstein und im Geldwäsche-Skandal mit der Danske Bank in Estland zahlen. Damals wurde bekannt, wie umfangreich die Geschäftsbeziehungen zu Epstein waren, der über Jahrzehnte minderjährige Frauen an zahlende Kundschaft vermittelt hatte, und wie wenig die Bank davon mitbekam oder auch mitbekommen wollte.

          So listete die New Yorker Aufsichtsbehörde Hunderte von Transaktionen, welche von der Bank angesichts der bekannten Vorwürfe gegen Epstein hätten überprüft werden müssen. Die Bank habe Zahlungen an russische Models und andere Frauen mit osteuropäischen Namen durchgeführt, mit denen offensichtlich Schulgebühren, Hotelkosten und Mieten beglichen wurden. Zudem seien der Bank Zahlungen an Personen nicht aufgefallen, denen öffentlich vorgeworfen wurde, Epstein beim sexuellen Missbrauch junger Frauen unterstützt zu haben. Auch regelmäßige auffällige Barabhebungen von insgesamt 800.000 Dollar seien der Bank durchgegangen.

          Die nun mit dem Vergleich beigelegte Klage der Investoren hatte sich neben dem Konzern auch gegen Bankchef Christian Sewing und den früheren Vorstandschef John Cryan gerichtet. Das Geldhaus bestreitet weiterhin jegliches Fehlverhalten. Zu der nun erzielten Einigung wollte sich ein Sprecher der Bank nicht äußern.

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