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Geldhaus in Not : Wie hält die Deutsche Bank die Anleger bei der Stange?

Zur Jahrespressekonferenz im Januar war von einem Verlust in diesem Jahr noch keine Rede. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing (links). Bild: Wolfgang Eilmes

Die Umbaupläne der Deutschen Bank sind an der Börse bisher durchgefallen. Klare Botschaften wurden teilweise korrigiert. Am Mittwoch hat der Vorstand mit Vorlage der Quartalszahlen eine neue Chance.

          An der Börse sei Geduld erforderlich, heißt es oft fordernd von Anlegern. Mit der Deutschen Bank aber haben viele Anleger offensichtlich die Geduld verloren. Und die Anleger sitzen derzeit bei der Deutschen Bank am längeren Hebel.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Seit der Vorstandsvorsitzende Christian Sewing vor gut zwei Wochen den für viele überfälligen Rückbau des Investmentbankings endlich beschloss und mitteilte, gab es zwar viel Applaus von Beobachtern an der Seitenlinie. Aber dort wo es wirklich zählt, nämlich an der Börse, hat die Aktie der Deutschen Bank noch einmal 3 Prozent verloren.

          Ein Grund dafür ist offensichtlich: Bis der Umbau Erfolge beschert, dauert es den Anleger zu lange.  Die Deutsche Bank steht daher vor der Herausforderung, die Anleger bei der Stange zu halten und neues Vertrauen zu gewinnen, wenn sie an diesem Mittwoch ihre Quartalszahlen bekannt gibt und die vor der Bank liegende Durststrecke konkretisiert.

          2020  „plus-minus-Null“?

          Klar ist schon jetzt: Zunächst wird der Umbau Geld kosten, horrende 7,4 Milliarden Euro. 5,1 Milliarden Euro will die Deutsche Bank in diesem Jahr an Sanierungskosten buchen, etwa für die Abfindungen an die Mitarbeiter, die durch den Abbau von 18.000 von derzeit noch 91.500 Stellen ihren Arbeitsplatz verlieren werden. Schon 3 Milliarden Euro werden im abgelaufenen zweiten Quartal gebucht. Damit wird der Gewinn des ersten Quartals von 201 Millionen Euro schnell ausradiert sein.

          Die Deutsche Bank erwartet schon im zweiten Quartal 2019 einen Verlust nach Steuern von 2,8 Milliarden Euro, wie sie am 7. Juli warnend mitteilte. Damit zeichnet sich bis Jahresende 2019 der dritte Milliardenverlust in vier Jahren ab. Im Jahr 2020 soll es mindestens zu „plus-minus-Null“ reichen, wie Finanzvorstand James von Moltke sagt.

          Und 2022, auf dieses Jahr ist alles ausgerichtet, will die Deutsche Bank mindestens 6 Milliarden Euro Gewinn machen. So viel, Anleger könnten sich kaum mehr daran erinnern, verdiente die Deutsche Bank zuletzt vor der Finanzkrise im Jahr 2007.

          Riley neu im Vorstand

          Nicht nur wegen der scheinbar allzu hoch gesteckten Ziele sind die Zweifel groß, dass die Sanierung der Deutsche Bank ein Erfolg wird. Bankchef Sewing hat sich auch im Nachgang zur Bekanntgabe des Stellenabbaus und des Ausstiegs aus dem Aktienhandel bemüht, aus seiner Sicht entstandene Missverständnisse zu korrigieren.

          Damit haben einige vermeintliche Botschaften an Klarheit eingebüßt. Der amerikanische Markt bleibe für die Deutsche Bank der zweitwichtigste, wird nun betont, schließlich bekommt „Nord- und Südamerika“ sogar mit Christiana Riley ein eigens dafür verantwortliches Vorstandsmitglied.

          Die Deutsche Bank werde durch den Rückzug im Investmentbanking auch nicht deutscher, schließlich fielen auch hierzulande substantiell Stellen weg. Und auch wenn künftig 70 Prozent der Erträge stabile Geschäftsfelder wie die Vermögensverwaltung (DWS) und die neue Unternehmenssparte samt internationalem Zahlungsverkehr liefern soll, bleibe das schwankungsanfällige Investmentbanking mit 30 Prozent der Erträge bedeutsam. Tatsächlich brächte das Investmentbanking der Deutschen Bank dann immer noch so viele Erträge wie die gesamte Commerzbank.

          Sewing muss aufpassen, dass er das Momentum des Umbaus nicht verliert. Gleichzeitig ist das Vertrauen der Anleger und Analysten auf einem neuen Tiefpunkt. Zehn von Bloomberg erfasste Analysten gehen für 2019 im Schnitt von einem Nettoverlust von 4,1 Milliarden Euro aus. Dabei reichen die Schätzungen von gut drei Milliarden bis fast sechs Milliarden Euro.

          Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, die Aktie der Deutschen Bank habe 30 Prozent verloren. Tatsächlich waren es aber nur 3 Prozent. Wir bitten den Tippfehler zu entschuldigen.

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