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Wende nach hohen Verlusten : Deutsche Bank springt ausgerechnet im Corona-Jahr über die Gewinnschwelle

Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt Bild: AP

Das Finanzinstitut kommt mit einem guten Ergebnis durch das Jahr 2020. Der Gewinn übertrifft die Erwartungen deutlich.

          4 Min.

          Die Deutsche Bank hat am Donnerstagmorgen für das Geschäftsjahr 2020 einen Nettogewinn von 624 Millionen Euro mitgeteilt. Das ist mehr als doppelt so viel, als Analysten mit ihrem zuvor auf rund  245 Millionen Euro geschätzten Nettogewinn erwartet hatten.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Somit schlug Deutschlands größtes Kreditinstitut nicht nur die Analystenprognose deutlich. Ihm gelang auch – wie schon länger gemutmaßt  – ausgerechnet im Corona-Jahr die Wende: 2019 hatte die Deutsche Bank noch 5,3 Milliarden Euro Verlust ausgewiesen.

          Christian Sewing, der seit April 2018 amtierende Vorstandsvorsitzende, zeigte sich denn auch sehr zufrieden: „Im wichtigsten Jahr unseres Umbaus ist es uns gelungen, die Transformationskosten und die gestiegene Risikovorsorge mehr als auszugleichen – und das trotz der Pandemie. Mit dem Ergebnis von einer Milliarde Euro vor Steuern haben wir unsere eigenen Erwartungen übertroffen.“  

          Unerwarteter Erfolg

          Allerdings werden nicht aus dem Vorsteuergewinn und nicht einmal aus dem Nettogewinn die Aktionäre allein bedient. Sie erhalten wie seit langem angekündigt für das Geschäftsjahr 2020 keine Dividende, und auch die sonstige Gewinnbeteiligung ist klein. Denn die Deutsche Bank verwendet einen Großteil des Nettogewinns, um die Zinsen auf Nachranganleihen zu bezahlen.

          Die Nachranganleihen zählen aufsichtsrechtlich zum Eigenkapital, deshalb behandelt die Deutsche Bank die – allerdings fest vereinbarten – Zinsen darauf wie Dividenden. Zieht man die im vergangenen Jahr gezahlten Zinsen vom Nettogewinn des Jahres 2020 von 624 Millionen Euro ab, so bleibt die Deutsche Bank mit 113 Millionen Euro aber wider Erwarten über der Gewinnschwelle. Das ist ihr in den vergangenen sechs Jahren nicht gelungen und ein unerwarteter Erfolg.

          DT. BANK

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          Privatkundengeschäft trägt Sonderlast

          Überraschend blieb die Deutsche Bank auch im vierten Quartal 2020 mit einem Nachsteuergewinn von 189 Millionen Euro profitabel. Sogar das Privatkundengeschäft, das größte Sorgenkind im Konzern, schaffte einen kleinen Quartalsgewinn vor Steuern von 9 Millionen Euro, obwohl dort nach Informationen der F.A.Z. 88  Millionen Euro als  als Sonderaufwand für den Übergang der nicht mehr benötigten Postbank-IT an TCS aus der Tata-Gruppe gebucht werden musste. Für den negativen Kaufpreis von 120 Millionen Euro, den die Deutsche Bank TCS gezahlt hat, fiel insgesamt ein negativer Effekt von 104 Millionen Euro an, ein kleiner Teil davon belastete auch das Ergebnis der Unternehmerbank. 

          Im Gesamtjahr 2020 brachte das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank aber einen Verlust von 124 Millionen Euro ein. Ursächlich dafür ist vor allem ein gegenüber dem Vorjahr von 342 Millionen Euro auf 711 Millionen Euro in etwa verdoppelter Risikovorsorgebedarf für ausfallgefährdete Kredite an Konsumenten (weniger für Baufinanzierer). 

          Trotz Einschränkungen im Filialgeschäft wegen Corona und den seit Mitte 2019 nochmals deutlich gesunkenen Zinsen blieben die Erträge fast stabil. Dies ist ein Lichtblick, gelang es der Deutschen Bank doch offenbar, einige Privatkunden dazu zu bringen, Geld vom Girokonto in zumindest für die Bank lukrativere Anlagen umzuschichten.  Denn das Privatkundengeschäft spürte deutlichen Gegenwind: Durch die seit Mitte 2019 nochmals deutlich gesunkenen Zinsen „fehlte“ der Deutschen Bank 2020 im Vergleich zum Vorjahr im Privatkundengeschäft nach Informationen der F.A,Z. ein dreistelliger Millionenbetrag an Ertrag. Schon 2019 hatte das Privatkundengeschäft einen Verlust von 265 Millionen Euro eingefahren. Die Unternehmerbank erzielte 2020 einen deutlichen Gewinnanstieg von 92 Millionen Euro im Vorjahr auf nun 561 Millionen Euro.

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