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Deutsche Bank : Höhere Zinsen für die Millionäre

Deutsche Bank: Ein paar mehr Zinsen für die Kunden, mehr Umsatz für die Beteiligung des Großaktionärs. Bild: Wolfgang Eilmes

Auch in der privaten Vermögensverwaltung sollen Kunden der deutschen Bank künftig die höheren Zinsen ausländischer Banken genießen können. Pikanterweise profitiert davon eine Beteiligung des Großaktionärs Cerberus.

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          Die Deutsche Bank will nun auch ihre gutbetuchte Kundschaft an andere Banken weiterleiten, die mehr Zinsen bieten als sie selbst. Dafür weitet sie ihre Kooperation mit dem Hamburger Fintech Deposit Solutions deutlich aus. Bislang hatten nur die Kunden im Online-Banking und in der App die Möglichkeit, einen Teil ihrer Einlagen über den „Zinsmarkt“ zu anderen Banken zu transferieren. Nun will die Bank dieses Angebot auch in der privaten Vermögensverwaltung anbieten und in ihren (zurzeit weitgehend geschlossenen) Filialen in die Beratung einbeziehen, wie die F.A.Z. erfuhr.

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Pikant daran ist, dass von der Kooperation ein Großaktionär der Deutschen Bank profitiert: Eine der drei Banken, an welche die Kunden weitergeleitet werden, gehört der Private-Equity-Firma Cerberus, die seit November 2017 etwas mehr als 3 Prozent an Deutschlands größter Bank hält.

          Das 2011 gegründete Fintech Deposit Solutions bietet unter dem Namen Zinspilot eine Plattform, über die Anleger unkompliziert Tages- und Festgeldkonten bei ausländischen Banken eröffnen können. Häufig geht es dabei an eher exotische Finanzplätze wie Rumänien, Lettland und Malta, wo etwas höhere Zinsen locken als in Deutschland. Der Anleger muss sich für die Zusatzrendite auf das Versprechen verlassen, dass auch in diesen Ländern im Falle einer Bankenpleite die europäische Einlagensicherung bis zu 100.000 Euro garantiert.

          Sonderrechte für Investor?

          Die Deutsche Bank bietet ihren Kunden gemeinsam mit Deposit Solutions unter dem Namen Zinsmarkt eine stark abgespeckte Variante an. Aktuell sind nur drei Banken aus Frankreich und Deutschland an die Plattform angeschlossen; über verschiedene Laufzeiten kommen 22 Einlagenprodukte zusammen. Interessant ist die französische My Money Bank, die aus der 2017 von Cerberus übernommenen GE Money Bank hervorgegangen ist. Sie wird heute nach eigenen Angaben komplett von Cerberus-Fonds getragen und nutzt das Geld ihrer Kunden unter anderem dafür, an Kunden in den französischen Überseegebieten wie La Réunion und den Antillen Kredite zu vergeben. Wer der Bank über den Zinsmarkt der Deutschen Bank Festgeld für fünf Jahre Geld anvertraut, bekommt dafür immerhin 0,8 Prozent Zinsen im Jahr, für drei Jahre 0,6 Prozent.

          Zumindest aktuell bietet die My Money Bank auf dem Zinsmarkt zu jeder Laufzeit den besten Zinssatz, so dass sich wohl die meisten Kunden für ihre Angebote entscheiden dürften. Die anderen beiden Banken auf der Plattform sind der Online-Arm der Deutschen Pfandbriefbank, die aus der Krisenbank Hypo Real Estate hervorgegangen ist, und Credit Plus, eine deutsche Tochtergesellschaft der französischen Crédit Agricole. Auch die frühere HSH Nordbank, die heute Hamburg Commercial Bank heißt, hat die Plattform schon dafür genutzt, günstig an Kundeneinlagen zu kommen und so ihre Liquidität aufzustocken – auch sie gehört zu einem großen Teil Cerberus.

          Die Deutsche Bank versichert auf Nachfrage der F.A.Z., dass der Investor Cerberus bei der Auswahl der an den Zinsmarkt angeschlossenen Banken keine Rolle gespielt habe. Allerdings hatte sich der amerikanische Finanzinvestor auch früher schon ungewöhnliche Sonderrechte in der Bank herausgenommen. So hatte der ranghohe Cerberus-Manager Matt Zames einen Beratervertrag für die Bank und sollte ihr laut offizieller Darstellung dabei helfen, ihre Liquidität profitabler zu nutzen.

          Nur für Banken im Euroraum

          Bei der Auswahl der an den Zinsmarkt angeschlossenen Banken sei wichtig, dass sie im Euroraum liegen und eine gewisse Mindestbonität aufweisen, sagte Markus Pertlwieser, Leiter Digitalisierung im Privatkundengeschäft der Deutschen Bank der F.A.Z. „Der Vorteil für die Partnerbanken ist, dass sie günstig an Liquidität kommen, ohne selbst großes Marketing machen zu müssen. Und die Deutsche Bank übernimmt die regulatorische Prüfung des Kunden.“ Die Deutsche Bank erhält für die Weitergabe der Gelder eine Provision. Der Kunde muss sich auch hier im Zweifel auf die garantierte Einlagensicherung von 100.000 Euro verlassen. Die Deutsche Bank bietet für das auf diese Weise angelegte Geld ausdrücklich keine weitere Absicherung an. Vorteil für den Kunden soll nur sein, dass er nicht selbst ein neues Konto eröffnen muss und sein Kontostand bei der Partnerbank in seinen üblichen Deutsche-Bank-Auszügen integriert ist.

          Die Deutsche Bank ermöglicht ihren Online-Kunden seit 2017, auf diese Weise höhere Zinsen auf ihre Einlagen zu bekommen. 2,7 Milliarden Euro hätten diese schon über den Zinsmarkt angelegt, wie Pertlwieser sagt. Dabei verschieben einige Kunden durchaus ansehnliche Summen zu anderen Banken. Im Median legen die Kunden laut Pertlwieser 50.000 Euro an. „Obwohl es bislang ein reines Online-Produkt war, ist der typische Zinsmarkt-Kunde nicht 18 Jahre alt und Berufsanfänger, sondern im Schnitt zwischen 40 und 50“, sagt Pertlwieser. Deswegen sei es nun an der Zeit, das Angebot auch den Kunden in den Filialen sowie in der Privatvermögensverwaltung anzubieten. Erste Abschlüsse seien schon gemacht worden. Auch auf den Rest des Konzerns soll das Angebot über kurz oder lang ausgerollt werden, schon im zweiten Quartal soll die Online-Bank Norisbank folgen. Wann der Zinsmarkt auch den Postbank-Kunden zur Verfügung gestellt wird, da will sich Pertlwieser noch nicht festlegen.

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