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Deutsche Bank : Junge Investmentbanker bekommen kräftige Gehaltserhöhung

Die Drehtür der Deutschen Bank an der Wall Street in New York Bild: Reuters

Während für die deutschen Bankangestellten gerade über ein Lohnplus von 4,5 Prozent verhandelt wird, bekommen viele Banker in New York einen weit größeren Aufschlag.

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          Die Deutsche Bank gewährt ihren Nachwuchsbankern in New York eine kräftige Gehaltserhöhung. Schon im ersten Berufsjahr sollen Jung-Analysten fortan 100.000 Dollar verdienen, im zweiten dann 105.000 Dollar. Das sind 15.000 Dollar mehr als vorher und entspricht damit einem Gehaltsplus von knapp 18 Prozent. Das Gehalt von Analysten, die Mitte des Jahres auf die Associate-Ebene befördert werden, soll demnach um 25.000 auf 150.000 Dollar erhöht werden. Im Rest der Welt soll die Vergütung von Analysten und Associates um einen ähnlichen Prozentsatz steigen. Ein entsprechender Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg wurde der F.A.Z. am Mittwoch in Finanzkreisen bestätigt. Ein Sprecher der Bank wollte sich nicht dazu äußern. 

          Lohnforderung zurückgewiesen

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der kräftige Lohnsprung für die Investmentbanker fällt in eine Zeit, in der für einen Großteil der deutschen Mitarbeiter der Bank gerade die Tarifverhandlungen laufen. Die Gewerkschaft Verdi fordert darin unter anderem 4,5 Prozent mehr Lohn, was die Arbeitgeberverbände umgehend als nicht darstellbar zurückgewiesen haben. „Die Banken bleiben auf Jahre hinaus auf der Kosten- und der Ertragsseite unter Druck, und wir haben es zurzeit mit so vielen Risiken und Unsicherheiten zu tun wie lange nicht“, sagte die Verhandlungsführerin Sabine Schmittroth, Personal-Vorstand der Commerzbank, als Begründung.

          Damit zeigen sich einmal mehr die zwei Welten, die Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing in dem Konzern unter einen Hut bringen muss. Auf der einen Seite die Investmentbanker in New York, London und Singapur, die der Bank gerade in der Corona-Zeit durch das brummende Anleihegeschäft glänzende Gewinne verschaffen, auf der anderen Seite das deutsche Privatkundengeschäft, das sich schon wegen der Niedrigzinsen schwer tut, die Einnahmen halbwegs stabil zu halten.

          Die meisten Einkommensmillionäre

          Die Diskrepanz war erst in diesem Frühjahr einmal mehr offen zutage getreten: Während die Mitarbeiter im Call-Center über mehrere Wochen unter anderem für ein in der Bank übliches 13. Monatsgehalt streikten, zeigte der im März veröffentlichte Vergütungsbericht, dass das Geldhaus mehr Angestellten ein Millionengehalt zahlt als jede andere europäische Bank. 684 Mitarbeiter erhielten im vergangnen Jahr mehr als eine Million Euro. Allein Bankchef Sewing bekam 46 Prozent mehr Gehalt als im Vorjahr.

          Mit der nun bekanntgewordenen Lohnsteigerung in New York schließt sich die Bank laut Bloomberg einem Trend an und bringt die Beträge wieder auf ein ähnliches Level wie die Konkurrenz. Mehrere Wettbewerber der Deutschen Bank in New York wie die amerikanische Citigroup und die britische Bank Barclays hätten die Gehälter ihrer Junior-Banker schon in den vergangenen Wochen angehoben. Die Meldung passt also zu dem regelmäßig von der Bank vorgebrachten Argument, wonach sie mit den hohen Gehältern für die Investmentbanker nur „wettbewerbsfähig“ im Kampf um Talente seien wolle. Die Gehaltserhöhungen sollen während der nun anstehenden halbjährigen Vergütungsrunde verteilt werden. Die formelle Kommunikation finde zwar erst im nächsten Monat statt, die Änderungen treten jedoch ab 1. Juli in Kraft.

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