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Deutsche-Bank-Chef Sewing : „Wahrscheinlichkeit einer globalen Rezession liegt bei 50 Prozent“

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing (Archivbild) schlug am Mittwoch auf einer Konferenz pessimistische Töne an. Bild: dpa

Die Zentralbanken sollten besonnen handeln. Ansonsten könnten die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Welt gar zum Problem für die Demokratie werden, meint der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank.

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          Ob das Glas halb voll ist oder halb leer, lässt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank offen. Sein Ton offenbart aber einen Hauch Pessimismus: „Ich würde sagen, dass mit den Ankündigungen der Zentralbanken, die Zinssätze ziemlich stark zu erhöhen, es zwar schwer ist, einen Prozentsatz zu nennen, aber die Wahrscheinlichkeit einer globalen Rezession und auch in Europa bei 50 Prozent liegt“, sagte Christian Sewing auf der „Future-of-Finance“-Konferenz am Mittwoch in Frankfurt.

          Gregor Brunner
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Während draußen die Pinguine des Frankfurter Zoos ihre Fracks zur Schau stellten, trug man im Veranstaltungshaus nebenan eher Anzug, offenes Hemd oder ein luftiges Kleid. Der Datenanbieter Bloomberg richtete zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie wieder seine Konferenz zu aktuellen Entwicklungen der Finanzmärkte und der Wirtschaft aus. Sewing war der Veranstaltung per Video aus Berlin zugeschaltet.

          Seine Prognose gilt der zweiten Jahreshälfte 2023. Lieferkettenprobleme, steigende Lebensmittelpreise sowie das Risiko einer weiteren Corona-Welle, kombiniert mit steigenden Zinsen lasteten auf der globalen Wirtschaft, sagte Sewing. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, allen voran die hohe Inflation, bergen aber auch politische Risiken: „Wenn die Teuerung zu stark und zu schnell ansteigt, ist das eine Gefahr für die Demokratie.“ Für die Zentralbanken sei es von entscheidender Bedeutung, die Inflation von den derzeitigen unhaltbaren Werten von etwa 8 Prozent auf weniger als 4 Prozent zu senken.

          Konsolidierung europäischer Banken hängt nicht nur von Bankenunion ab

          Was die Deutsche Bank betrifft, so sprach Sewing über die Rolle, die sie bei der Konsolidierung des europäischen Bankensektors spielen sollte. Das Institut müsse „sein eigenes Haus in Ordnung“ haben und die Unternehmenskultur bei Übernahmen ausreichend berücksichtigen, legte Sewing dar. Die bisher nur unvollständig umgesetzte Bankenunion in Europa nannte Sewing hingegen „nicht die einzige Voraussetzung“ für erfolgreiche Transaktionen. Viele Banker nennen ihr Fehlen als wichtigstes Hindernis für große grenzüberschreitende Zusammenschlüsse in der Europäischen Union.

          Außer Sewing sprachen weitere namhafte Wirtschaftsvertreter auf der Konferenz. Zur Begrüßungsrede war Vlad Kliatchko, Produktvorstand von Bloomberg, aus New York angereist. In seiner Rede sprach er über die komplexer werdenden Finanzmärkte und die steigenden Anforderungen an Finanzprofis angesichts der zunehmenden Datenflut: „An einem Tag passieren an den Finanzmärkten etwa 300 Milliarden Bewegungen, die allesamt für Entscheidungsträger relevant sein können.“ Die Herausforderung für Datenanbieter sei es in Zukunft, Nutzern und Kunden bei der Verarbeitung zu helfen und ihnen die Daten nicht nur auszugeben. Künstliche Intelligenz sei hierzu der Schlüssel.

          Später sprach Arno Antlitz, Finanzvorstand von Volkswagen. Er bekräftigte das Vorhaben, Porsche an die Börse zu bringen, trotz des widrigen finanziellen Umfelds. Antlitz’ Plan sieht das Debüt auf dem Parkett für das vierte Quartal 2022 vor.

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