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Erfolgreiche Debütemission : Deutsche Bank begibt erste grüne Anleihe

Im Foyer der Deutschen Bank: Die Doppeltürme zählen zu den umweltfreundlichsten Hochhäusern der Welt, was Energieverbrauch und CO2-Ausstoß betrifft. Bild: Frank Röth

Der Anleihemarkt sendet positive Signale. Die Deutsche Bank stößt auf hohes Interesse, die Nachfrage fällt 9,5-mal höher aus als das Angebot. Und der Internetgigant Amazon sichert sich historisch günstige Zinsen.

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          Der Anleihemarkt steht in der Corona-Krise im Mittelpunkt wie selten zuvor. Die Entwicklung dort scheint auch die anderen Bereiche des Finanzmarktes wie zum Beispiel den Aktienmarkt zu beruhigen. Denn die Unternehmen können sich weiterhin zu sehr günstigen Konditionen finanzieren, was gewiss auch auf die Käufe der Europäischen Zentralbank (EZB) und der amerikanischen Federal Reserve zurückzuführen ist.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Jüngstes Beispiel ist der amerikanische Online-Händler Amazon, der am Montag sechs Anleihen über 10 Milliarden Dollar begab und sich dabei die günstigsten Zinsen eines amerikanischen Unternehmens sicherte. Ein weiteres erfreuliches Beispiel lieferte die Deutsche Bank, die am Dienstag ihre erste ökologischen und nachhaltigen Zielen dienende Anleihe plazierte. Die Nachfrage nach dem Green Bond mit einer Laufzeit von sechs Jahren war sehr hoch.

          Schon wenige Minuten nach Öffnung der Auftragsbücher überstieg die Nachfrage die Marke von 1 Milliarde Euro. Am Ende beliefen sich die Aufträge auf rund 4,75 Milliarden Euro – mehr als das 9,5-Fache des Emissionsvolumens von 500 Millionen Euro. Der Zinskupon beträgt 1,375 Prozent. Das Institut sprach mit seiner Debütemission auch die Privatanleger an, weil das Mindestanlagevolumen nur 1000 Euro betrug. Zuletzt hatten Siemens und BASF Anleihen begeben, deren Einstiegshürde mit 100.000 Euro für den gewöhnlichen Sparer zu hoch gewesen ist.

          Viele britische und deutsche Investoren

          Die erste grüne Anleihe der Deutschen Bank ging hauptsächlich an institutionelle Adressen, also an Vermögensverwalter, Banken, Versicherer und Pensionsfonds. Den regionalen Schwerpunkt bildete Europa, insbesondere britische und deutsche Anleger kauften den Titel.

          „Die Emission eigener grüner Anleihen ist ein weiterer Baustein unserer Nachhaltigkeitsstrategie“, ließ sich der Vorstandsvorsitzende Christian Sewing in der Pressemitteilung zitieren. „Als eines der wenigen globalen Finanzierungshäuser können und wollen wir die Transformation zu einer emissionsarmen Wirtschaft mitgestalten. Grüne Anleihen auf eigene Rechnung und für unsere Kunden sind da ein wichtiges Instrument.“

          Mit ihrer Emission sendet die Deutsche Bank auch ein Signal an den Bund, der in diesem Jahr seine erste grüne Bundesanleihe begeben will. Doch aufgrund der Corona-Stützungsmaßnahmen gilt derzeit das Schwergewicht der für die Bundesschulden zuständigen Finanzagentur der Finanzierung der Hilfspakete am Kapitalmarkt. Für wenig Freude hat in der Deutschen Bank die Nachricht gesorgt, dass die französische Bank Credit Agricole den Bund bei der Konzeption seiner ersten grünen Anleihe berät und nicht Deutschlands größte Bank.

          Danach hat sich Sewing sehr deutlich zur Ausrichtung seines Instituts auf Klima- und Umweltschutz bekannt. Bis zum Jahr 2025 strebt das Institut nachhaltige Finanzierungen und Anlagen im Volumen von 200 Milliarden Euro an. Mit den von ihr begebenen grünen Anleihen will die Deutsche Bank den Ausbau erneuerbarer Energien und Energieeffizienzmaßnahmen fördern.

          Rekordniveau von 4,8 Billionen Dollar

          Die Emissionen von Unternehmensanleihen summieren sich in der ganzen Welt im bisherigem Jahresverlauf auf das Rekordniveau von 4,8 Billionen Dollar, wie der Weltbankenverband Institute of International Finance (IIF) kürzlich mitteilte. Das Volumen ist nach seinen Angaben zwei Mal so hoch wie die historischen Durchschnittswerte.

          Nun sorgte der Internetgigant Amazon mit seinen sechs Anleihen über 10 Milliarden Dollar für Aufsehen, weil das Unternehmen sich Zinsen sicherte, die zu den günstigsten in der amerikanischen Unternehmensgeschichte zählen. So zahlt Amazon für dreijährige Titel einen Zinskupon von 0,4 Prozent. Das ist im Vergleich zur dreijährigen amerikanischen Staatsanleihe wenig, die derzeit mit 0,183 Prozent rentiert.

          Als Amazon im Jahr 2017 zur Finanzierung des Bio-Lebensmittelhändlers Whole Foods Market eine dreijährige Anleihe plaziert hatte, war noch ein Zinskupon von 1,9 Prozent nötig. Auch die neuen sieben- und zehnjährigen Anleihen von Amazon sind mit Zinsen von 1,2 beziehungsweise 1,5 Prozent die niedrigsten, die ein amerikanisches Unternehmen für diese Laufzeiten jemals bezahlen musste.

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