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Deutsche-Bank-Aufsichtsrat : Wirecard-Geschäfte von Schütz unter der Lupe

Alexander Schütz , Gründer und Vorstand des Vermögensverwalter C-Quadrat und Aufsichtsrat der Deutschen Bank Bild: Unternehmen

Der wegen Geschäften mit der Wirecard-Aktie unter Beschuss stehende Deutsche-Bank-Aufsichtsrat antwortet durch seinen Anwalt: Es sei eine bloße Vorprüfung.

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          Alexander Schütz, Gründer des Wiener Vermögensverwalters C-Quadrat und Aufsichtsrat der Deutschen Bank, kommt nicht aus den Schlagzeilen. Jüngster Anlass ist eine Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg, dass die deutsche Finanzaufsicht Bafin sich Optionsgeschäfte von Schütz mit Wirecard-Aktien „anschaue“, die in zeitlicher Nähe zum April 2019 stattfanden.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Damals gab der japanische Mischkonzern Softbank bekannt, eine Milliarde Dollar in Wertpapiere von Wirecard investieren zu wollen, und erreichte damit am Tag der Bekanntmachung einen Kurssprung der Wirecard-Aktie um 12 Prozent. Eine Anfrage der F.A.Z. zu Optionsgeschäften mit Wirecard-Aktien ließ Schütz am Dienstag durch seinen Anwalt beantworten. Dieser wies darauf hin, dass es sich um eine bloße Vorprüfung und kein formelles Verfahren der Bafin handele, so dass sich eine Berichterstattung darüber verbiete.

          Allerdings hat die Beziehung zwischen Wirecard und Schütz inzwischen den Untersuchungsausschuss des Bundestages erreicht. Dort waren vor knapp zwei Wochen E-Mails von Schütz an Wirecard-Chef Markus Braun aufgetaucht. Darin hatte Schütz Anfang 2019 geschrieben: „Macht diese Zeitung fertig.“ Gemeint war die „Financial Times“, die damals einen kritischen Artikel über Wirecard veröffentlicht hatte. Für seine E-Mail entschuldigte sich Schütz am folgenden Tag. Die Deutsche Bank ging auf ungewöhnliche Weise auf Distanz. Sowohl Inhalt als auch Haltung der zitierten Aussage seien inakzeptabel, sagte ein Deutsche-Bank-Sprecher. Anschließend soll auch Aufsichtsratschef Paul Achleitner Schütz dies so in einem Telefonat gesagt haben.

          Schütz ist seit Mai 2017 Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Er gelangte in das Kontrollgremium über den damals größten Deutsche-Bank-Aktionär HNA. Diesem chinesischen Konglomerat gehörten bis Mai 2019 auch Anteile an Schütz’ Unternehmen C-Quadrat. HNA verkaufte wenig später auch seine Deutsche-Bank-Aktien: im Dezember 2019 an das Family Office von Schütz. Dieser soll wiederum im Dezember 2020 nach Informationen des „Kurier“ 17,4 Millionen Deutsche-Bank-Aktien verkauft haben, was einem Anteil von 0,84 Prozent entspräche. Ob diese Angaben stimmen und warum Schütz die Aktien möglicherweise verkauft hat, ließ sein Anwalt am Dienstag unbeantwortet.

          Keine Stellung nahm der Anwalt auch zu weiteren Fragen der F.A.Z. So ist Schütz bis 2023 als unabhängiger Aufsichtsrat der Deutschen Bank gewählt – sein Mandat hängt also an keinem (eigenen) Aktienpaket. Allerdings könnte die nächste Hauptversammlung Schütz abberufen. Für die Abwahl eines unabhängigen Aufsichtsrats braucht es laut Aktiengesetz eine Dreiviertelmehrheit der abstimmenden Aktionäre. Außerdem könnte der Aufsichtsrat vor Gericht den Antrag stellen, ein Aufsichtsratsmitglied aus „wichtigem Grund“ abzuberufen. Auch die Frage, ob Schütz den Eindruck habe, dass der Aufsichtsratsvorsitzende Achleitner dies in seinem Fall prüfe oder erwäge, ließ sein Anwalt wie alle anderen auch unbeantwortet. Die Deutsche Bank wollte keinen Kommentar abgeben.

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