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Währungsmanager 7-Orca : „Wechselkurse kann man nicht prognostizieren“

Dollar-Kurse in Tokio Bild: AFP

Nur wenige Anleger beschäftigen sich gerne mit Währungsrisiken. Der Währungsmanager 7-Orca geht pragmatisch vor.

          Wer sein Vermögen breit streuen will, um Risiken zu verringern, steht bald vor einem Problem, das er gar nicht haben wollte: dem Währungsrisiko. Wer etwa im Dezember 2016 Apple-Aktien kaufte, verlor durch die Kursentwicklung bis Anfang Februar aufgrund des fallenden Dollarkurses mehr als die Hälfte. „Währungen sind so etwas wie der ungeliebte Stiefsohn unter den Geldanlagen. Man befasst sich damit, weil man nun einmal muss“, sagt Tindaro Siragusano. Er ist der Vorstandsvorsitzender der 7-Orca, Spezialist für Währungsanlagen. Vor noch nicht einmal zwei Jahren machten er und sein Währungsmanagementteam bei der Berenberg Bank sich selbständig.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Seit Ende November mit einer Bafin-Lizenz ausgestattet, befasst sich 7-Orca damit, die Währungsrisiken institutioneller Kunden abzusichern. Die Kunden sind dazu gezwungen. In jüngster Zeit sind die Währungsrisiken etwa in den Portfolien der Versicherer gestiegen. Auf bis zu 20 Prozent schätzt Siragusano die Risikopositionen. Gründe seien das Streben nach Diversifikation, die fehlende Verfügbarkeit mancher Anlagen im Inland und nicht zuletzt die Niedrigzinsen. „Man kann diese Risiken natürlich ausschalten. Doch zahlt man dafür immer die Zinsdifferenz. Dann sind etwa amerikanische Staatsanleihen am Ende weniger lukrativ als Bundesanleihen. Wenn man sich aber gar nicht darum kümmert, kann das alle Erträge aus der Diversifizierung konterkarieren.“

          Die höheren Währungsrisiken kommen 7-Orca zugute. „Es gibt wenige Meinungen zur Entwicklung von Wechselkursen, weder veröffentlicht noch bei Kunden. Daher greift man in diesem Bereich stärker auf externe Dienstleister zurück als etwa beim Management von Aktien- oder Zinsrisiken.“ Zwei Strategien bietet 7-Orca, dessen Name übrigens ein Akronym ist und nichts mit dem Killerwal zu tun hat: die passive Sicherung und das sogenannte aktive Overlay. Geht es bei der passiven Sicherung um das kostengünstigste Ausschalten von Währungsrisiken, soll beim aktiven Overlay das Währungsrisiko so gemanagt werden, dass man von günstigen Entwicklungen profitieren kann. „Wechselkurse können manchmal Ärger verursachen, aber auch Freude bereiten“, sagt Siragusano.

          7-Orca orientiert sich dabei am Trend eines Währungspaars und den daraus abgeleiteten wahrscheinlichen Kursbewegungen. „Wir prognostizieren keine Wechselkurse. Denn das ist nicht möglich. Wenn man früheren Prognosen Glauben schenkt, müssten Euro und Dollar derzeit pari stehen“, sagt Siragusano. Dazu spielten zu viele nicht-ökonomische Faktoren eine Rolle; politische etwa, wie sie aktuell den Euro-Dollar-Kurs bestimmen. Auch agieren viele Marktteilnehmer unabhängig von den Wechselkursen, Unternehmen etwa, die Gewinne transferieren, oder auch Aktien- und Rohstoffkäufer. „Viele Transaktionen auf den Währungsmärkten sind schlicht nachgelagert. Deswegen prognostizieren wir nicht, und wir spekulieren auch nicht. Und wir halten Währungen auch für keine Anlageklasse, sondern für ein Risikonebenprodukt.“

          Die wichtigste Information ist für 7-Orca der Wechselkurs selbst: „Die Bewegungen spiegeln die aktuellen Verhältnisse wider. Wir verwenden zehn Modelle, von denen jedes ein Signal liefert, wie man sich am Markt positionieren sollte. Aus der Summe ergibt sich der aktuelle Absicherungsgrad.“ Dieser hängt zudem davon ab, woran sich der Kunde orientiert. Ist für ihn eher die Rendite in heimischer Währung wichtig, wird vergleichsweise stärker abgesichert, weil Währungseffekte eher ausgeschaltet werden sollen.

          Die Absicherung erfolgt klassisch über mit Banken geschlossene Devisentermingeschäfte, inzwischen vermehrt auch über Futures, also börsengehandelte Terminkontrakte. „Diese sind liquider, und es gibt kein Gegenpartei-Risiko“, nennt Siragusano die Vorteile. Das gelte zumindest die Hauptwährungen. Zudem seien Futures sehr günstig. Ein Kontrakt über 125.000 Euro koste gerade mal etwa 3 Euro.

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