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Einbruch an der Nasdaq : Der Tesla-Schock

  • -Aktualisiert am

War gerade auf Deutschland-Besuch: Elon Musk Bild: EPA

21 Prozent Kursverlust an einem Tag: Für spät einsteigende Anleger kann es teuer werden, auf Innovatoren wie Tesla zu setzen, während Nachahmer in den Markt drängen.

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          Nachdem die Aktie des Elektroautoherstellers nicht in den prestigeträchtigen S&P 500 aufgenommen wurde, obwohl das Unternehmen wie dafür erforderlich vier Quartale mit Gewinn abgeschlossen hat, ist der Aktienkurs so tief eingebrochen wie wohl noch nie an einem Tag.

          Bisher haben sich Tesla-Anleger nie darum geschert, ob ihr Unternehmen offizielle Adelung erfährt, indem es etwa in einen industrielastigen Index aufgenommen wird, der nach Ansicht von Pionieren wie Tesla-Gründer Elon Musk ohnehin nur die Wirtschaft des vorigen Jahrhunderts abbildet. Stattdessen hatte das Image eines Außenseiters sogar einen Nimbus.

          Warum also hat nun ein auf den ersten Blick kleiner Anlass wie der verwehrte Einzug in den traditionsreichen Börsenindex S&P 500 eine so desaströse Auswirkung auf den Aktienkurs? War das Unternehmen nicht wenige Tage vor dem Einbruch noch von einem Börsenrekord zum anderen geeilt? Ein Grund für die drastische Kursreaktion von minus 21 Prozent könnte darin liegen, dass die Anleger sich mehr und mehr bewusst werden, dass selbst eine Ausnahmeerscheinung wie Tesla nicht unbegrenzt wachsen wird.

          Teslas Alleinstellungsposition bröckelt

          Das macht die Tesla-Aktie nicht plötzlich zu einem schlechten Investment, zumal der Kurs selbst nach dem Einbruch vom Dienstag gegenüber dem Jahreswechsel immer noch sagenhafte 295 Prozent im Plus liegt. Anleger, die deutlich später eingestiegen sind, sitzen jetzt jedoch auf hohen Verlusten.

          In solchen Situationen rücken Argumente ins Licht, die selbst die Alleinstellung eines außergewöhnlichen Unternehmens wie Tesla relativieren können. So zeigen die Anstrengungen der klassischen Autohersteller, dass auch sie bald in großem Stil Elektrofahrzeuge auf die Straße bringen und in diesem Segment Marktanteile gewinnen können.

          Tesla

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          Auch wenn Tesla für immer das Image des Pioniers behalten dürfte, wird es viele Autokäufer geben, für die das nicht das entscheidende Argument ist. Viele entscheiden sich für einen BMW, Mercedes, Audi oder Aston Martin, weil sie die Marke mögen – oder weil Massenhersteller wie Volkswagen oder Toyota Elektroalternativen zu günstigeren Preisen anbieten als das Original.

          Nicht nur für elektro-affine Autokunden rücken Alternativen in den Blick. Auch an der Börse bietet nicht mehr nur die Tesla-Aktie Anlegern Zugang zum Elektrosegment. Gerade macht der auf elektrisch angetriebene Lkw spezialisierte Tesla-Konkurrent Nikola dank einer Allianz mit dem Autokonzern GM von sich reden. Nikola ist seit kurzem ebenfalls an der Börse. Und wer sagt, dass nicht bald ein traditioneller Autohersteller seine innovative Elektrosparte abspaltet und an die Börse bringt?

          Trotz allem werden Tesla und sein charismatischer Gründer ihren Platz in der Weltgeschichte behalten. Das historische Verdienst von Elon Musk ist unbestreitbar. Er hat bewiesen, dass Elektroautos ein begehrtes Produkt für zahlungskräftige Kunden sein können.

          VOLKSWAGEN VZ

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          Teslas Autos sind auch in Deutschland auf den Straßen unterwegs und sind Teil des Alltags geworden. Das erst hat für ein Interesse durch breitere Kundengruppen gesorgt, von deren Nachfrage Tesla jedoch nicht allein profitieren wird. Trittbrettfahrer werden sich ihren Teil vom Kuchen holen. Das ist das schwere Los des Innovators, der den Weg auch für andere ebnet. Für Anleger kann es aus diesem Grund teuer sein, allein auf den Vorreiter in einer Branche zu setzen.

          Nikola Corp

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          Es waren weniger die planwirtschaftlichen Subventionen und Verbote durch die Politik, die den trägen Herstellern klassischer Automobile Beine gemacht haben, endlich in alternative Antriebsformen zu investieren. Nein, es war der Angriff von Elon Musk, der zunächst belächelt und dann als Konkurrent gefürchtet wurde.

          Diese Furcht hat offenbar selbst bei dem teilstaatlichen deutschen Autokonzern Volkswagen dafür gesorgt, dass Elektroautos zur Chefsache wurden. Dass Teslas Aktienkurs ausgerechnet in der Woche zum Sinkflug ansetzte, als Elon Musk auf seiner Deutschlandtour auch die VW-Zentrale in Wolfsburg mit einem Besuch beehrte, setzte eine Symbolik, der sich auch die Börse nicht entziehen konnte. Als dann ausgerechnet der nicht gerade als Elektro-Innovator bekannte VW-Betriebsratschef in einem nach dem Musk-Besuch veröffentlichten Interview von Fortschritten bei der Entwicklung deutscher Elektroautos sprach, drehte die VW-Aktie sogar um 4 Prozent ins Plus, während in Amerika die Tesla-Aktie aus vielen Depots flog.

          Mark Fehr

          Redakteur in der Wirtschaft.

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