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Trotz Doping und China : Aktie von Nike trotzt allen Kontroversen

Konstanze Klosterhalfen lief für die Marke Nike Bild: dpa

Das amerikanische Unternehmen rutscht gerade von einer Kontroverse in die andere. Doch der Aktienkurs des Markenherstellers behauptet sich gegen die Kritik.

          3 Min.

          Börsianer an der Wall Street reagieren immer wieder sensibel auf öffentliche Kontroversen um den amerikanischen Sportartikelhersteller Nike – zumindest kurzfristig. Am Freitag kletterte der Aktienkurs im frühen Handel, obwohl bekannt geworden war, dass Nike sein umstrittenes Oregon Project schließt. Der langjährige Chef dieses Elite-Laufteams, Alberto Salazar, war kürzlich nach jahrelangen Ermittlungen von der amerikanischen Anti-Doping-Agentur gesperrt worden.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Damit muss sich auch die deutsche Langstreckenläuferin Konstanze Klosterhalfen eine neue sportliche Heimat suchen. Die WM-Dritte über 5000 Meter hatte seit einem Jahr in Oregon trainiert, allerdings nicht direkt unter Salazar, der die Vorwürfe zurückwies und in Berufung gehen will. Das Oregon Project hatte seinen Standort im Hauptquartier von Nike, dessen Wurzeln auf Langstreckenlauf und Leichtathletik zurückgehen. Der Konzern gilt international als der größte Sponsor von Laufwettbewerben. Das Oregon Project spielte mit Superstars wie dem mehrfachen Goldmedaillengewinner Mo Farah eine wichtige Rolle im Marketing für diese Massensportart. Mit Laufbekleidung macht Nike jährlich 4,5 Milliarden Dollar Umsatz.

          Aber es gibt auch politische Kontroversen um Nike. So sackte am Dienstag der Woche der Aktienkurs des Dow-Jones-Wertes an der New Yorker Börse um fast 2 Prozent ab, weil sich der Geschäftsführer des Profi-Basketballteams Houston Rockets mit den regierungskritischen Protesten in Hongkong solidarisiert hatte. Nike stattet die in China immens populäre Basketballliga NBA aus und auch das chinesische Nationalteam. Daher kamen Sorgen auf, dass die Kontroverse das wichtige China-Geschäft von Nike bedrohen könnte.

          Nach chinesischen Vergeltungsmaßnahmen – darunter ein Übertragungsboykott von Rockets-Spielen im chinesischen Staatsfernsehen – ruderten NBA und die Rockets zurück. Nike hatte nach Medienberichten allerdings schon Waren mit dem Logo der Rockets aus einigen Läden in China entfernt. Für Nike und andere westliche Marken sind diese politischen Kontroversen aber eine heikle Gradwanderung, weil sie sich der Kritik aussetzen, das Recht auf freie Meinungsäußerung ihren Profiten zu opfern.

          NIKE

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          Analysten halten Kursrückschläge nach Kontroversen wie jetzt in China in der Regel für eine Kaufgelegenheit. „Die Sorgen um die Auswirkungen von Chinas Zank mit der NBA sind übertrieben“, kommentierte Analyst Sam Poser vom Wertpapierhaus Susquehanna. „Nike hat in China weiter eine außergewöhnlich starke Marke. Chinesische Verbraucher nehmen Nike als globale Sportmarke war und assoziieren sie nicht mit einem bestimmten Land oder einer Region auf der Welt.“ Nike habe seine Marke in China seit mehr als 30 Jahren aufgebaut und enge Verbindungen sowohl mit der Regierung als auch mit Konsumenten geknüpft, die von den jüngsten Vorkommnissen nicht beeinträchtigt werden dürften, meint Poser.

          Spiel mit dem Feuer

          Der Konflikt darf allerdings nicht eskalieren. „Sollte die Situation ausufern und die Regierung Verbrauchern nahelegen, keine westlichen Marken oder Marken mit Verbindung zur NBA zu kaufen, wäre das sehr schlecht“, sagt Matt Powell, Einzelhandelsanalyst bei der NPD Group. Ein bedeutender Anteil des Wachstums aller Sportartikelmarken komme aus China, betonte Powell.

          Der Nike-Umsatz in China war im vergangenen Quartal gegenüber dem Vorjahr um 22 Prozent auf 1,7 Milliarden Dollar gestiegen. Seit fünf Jahren ist der Umsatz im jedem Quartal prozentual zweistellig gewachsen. „Nike ist eine chinesische Marke für China und die Ergebnisse belegen das“, sagte Nike-Vorstandchef Mark Parker in einer Telefonkonferenz mit Analysten im September. Insgesamt war der Umsatz von Nike im Ende August zu Ende gegangenen Quartal überraschend stark um 7 Prozent auf 10,7 Milliarden Dollar gestiegen.

          Nike macht also etwa ein Sechstel seines weltweiten Umsatzes in China, wo auch rund ein Viertel aller Waren produziert werden. Der Aktienkurs von Nike hatte auf die Quartalszahlen mit einem Kurssprung von fast 6 Prozent reagiert. Börsianer zeigten sich erleichtert, weil sich der schwelende Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China offenbar nicht übermäßig negativ auf das Geschäft ausgewirkt hatte. Insgesamt sind die Aktien in diesem Jahr um mehr als 25 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: der Dow-Jones-Index liegt nur um knapp 14 Prozent im Plus.

          Manche politischen Kontroversen schürt Nike auch ganz bewusst. Im vergangenen Dezember war der Aktienkurs des Konzerns wegen einer Werbekampagne mit dem politisch engagierten Football-Star Colin Kaepernick kurzfristig gefallen. Anleger hatten in einer Reflexreaktion negative Auswirkungen auf den Umsatz des Unternehmens unterstellt. Die Kampagne hatte für großes Aufsehen gesorgt, weil Kaepernick in der amerikanischen Öffentlichkeit das Gesicht für den Protest schwarzer Football-Spieler gegen Polizeigewalt und Rassendiskriminierung ist.

          Der ehemalige Spielmacher der San Francisco 49ers hatte den Protest der Sportler initiiert, die vor Spielen während der Nationalhymne knien und nicht wie sonst mit der Hand auf dem Herz aufrecht stehen blieben. Kaepernick ist seit März 2017 ohne Vertrag und klagt deswegen gegen die Profi-Football-Liga NFL. Er wirft der Liga vor, seine Karriere wegen seines politischen Engagements zu torpedieren. Nike, einer der wichtigsten Ausrüster der NFL, spielt in der Werbekampagne darauf an. „Glaube an etwas. Auch wenn es bedeutet, alles zu opfern“, lautet die Botschaft.

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