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: Der schwierige Weg zum eigenen Edelmetall

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mho. FRANKFURT, 28. Mai. Der Schutz vor Inflation hat in den vergangenen Monaten das Interesse an als wertbeständig geltenden Edelmetallen deutlich erhöht. Doch für viele Anleger stellt sich das Investieren schwierig dar, vor allem ...

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          mho. FRANKFURT, 28. Mai. Der Schutz vor Inflation hat in den vergangenen Monaten das Interesse an als wertbeständig geltenden Edelmetallen deutlich erhöht. Doch für viele Anleger stellt sich das Investieren schwierig dar, vor allem dann, wenn sie auch der Stabilität von Finanzprodukten wie Investmentfonds oder Zertifikaten und deren Emittenten misstrauen und ihr Vermögen gerne zum Anfassen hätten.

          Das hat dazu geführt, dass das Angebot vieler der zahlreichen Internetanbieter drastisch geschrumpft ist. Besonders Barren mit kleinen Gewichten sind kaum noch erhältlich. Für ein systematisches Investieren in physisches Gold eignet sich diese Art des Erwerbs aber ohnehin nur bedingt. Zwar lässt sich ein 3 mal 2 Zentimeter großer 10-Gramm-Goldbarren mit einem Preis von derzeit rund 350 Euro bequem im heimischen Tresor oder einem Bankschließfach deponieren. Allerdings liegt zwischen An- und Verkaufspreisen der Händler vor allem bei kleinen Barren und Münzen eine spürbare Spanne, die erst einmal verdient sein will. Wer sich auf den einschlägigen Internetseiten umtut, ist zudem bald verwirrt durch Warnungen vor bestimmten Händlern oder Barrensorten.

          Hinzu kommen wertmindernde Faktoren. Das beginnt bei hohen Versicherungskosten für die private Lagerung und geht weiter damit, dass der Wiederverkaufswert von privat gelagertem Gold und Silber niedriger sein kann. Denn nur Gold, das über das Gütesiegel "Good delivery" verfügt, hat mit Sicherheit den höchsten Handelswert. Dieses Siegel soll garantieren, dass die aufgeprägten oder eingestanzten Merkmale wie Feinheit und Gewicht zutreffen. Zudem müssen die Barren ständig und ununterbrochen in akzeptierten Lagerräumen aufbewahrt werden. Dazu gehören private Tresore und Bankschließfächer nicht. Zudem ist nicht jedes Gütesiegel gleich. So hat "Emirates Gold" zwar den Status "Dubai Good Delivery" inne, jedoch nicht das gleichnamige Siegel der London Bullion Market Association (LBMA), das als das höchste gilt.

          Zwar verliere ein Barren, der nicht LBMA-zertifiziert ist, an sich nicht an Wert, sagt Alex Preukschat vom Unternehmen Goldmoney, das seit 2003 den Handel und die LBMA-zertifizierte Lagerung von Edelmetallen anbietet. "Allerdings müssen Barren, die von Anlegern wieder in den offiziellen Kreislauf eingebracht werden, überprüft werden. Für diese Prüfung entstehen normalerweise Kosten in Höhe von etwa 500 bis 1000 Dollar", sagt Preukschat. Goldmoney verkauft über das Internet auch kleinste Mengen Gold, Silber und Platin. Diese gehen ins Eigentum des Kunden über, bleiben aber in den zertifizierten Tresoren von Goldmoney.

          Ganze Barren können als persönliches Eigentum registriert werden. Auf Wunsch erfolgt auch eine Auslieferung schon in kleinen Mengen ab 100 Gramm, wobei aber eine Gebühr von rund 4 Prozent erhoben wird. Zudem gibt es Silber und Platin nur in Standard-Liefergrößen. Ein Silberbarren von 1000 Unzen im Wert von knapp 15000 Euro wird zudem nur dann ausgeliefert, wenn der Kunde mindestens eine Palette von 30000 Unzen im Wert von bald einer halben Million Euro besitzt. Platin gibt es in 5-Kilogramm-Barren mit einem Wert von mehr als 200000 Euro. Ob daher eine physische Auslieferung lohnt, scheint fraglich.

          Grundsätzlich nicht gewünscht wird diese von Bullionvault, einer Echtzeit-Handelsplattform für dasjenige physische Gold und Silber, das in den Tresoren des Unternehmens lagert. Bei Silber und Platin hat der Verzicht auf Auslieferung zudem den Vorteil, dass die Mehrwertsteuerpflicht entfällt, solange die Barren in den Tresoren der beiden britischen Händler verbleiben. Deutsche und Schweizer Edelmetallhändler wie Taurus oder Pro Aurum nutzen dazu in der Regel die Konstruktion eines Schweizer Zollfreilagers. Indes sind die Mindestwerte für die Einlagerung häufig sehr hoch, während sich bei Bullionvault und Goldmoney schon kleinste Mengen kaufen und lagern lassen.

          Als bequemer Weg zum physischen Investment gelten in Deutschland auch Exchange Traded Commodities (ETC). Diese stellen allerdings besicherte Anleihen dar, haben daher das Risiko, dass der Emittent insolvent werden könnte. In diesem Fall steht nur der Gegenwert der Sicherheiten zur Verfügung, physisches Gold erhalten die Anleger in der Regel nicht. Dagegen sind die Edelmetalle bei Goldmoney und Bullionvault direktes Eigentum der Kunden. Goldmoney hält nach eigenem Bekunden einen Edelmetallbestand von 110 Prozent der geführten Depots. Allerdings nutzt dies den Anlegern im Insolvenzfall nur bedingt. Denn es kann nur geliefert werden, was vorhanden ist, und das sind Standardbarren. Im Falle von Gold bedeutet das derzeit einen Mindestwert von rund 400000 Euro. Wer weniger hält, bekommt nur Papiergeld.

          Eine Alternative bietet das Emissionshaus Solit Kapital. Dieses hat nun einen zweiten geschlossenen, vermögensverwaltenden Gold- und Silberfonds aufgelegt. Durch diese Konstruktion seien die Anleger als Kommanditisten der Gesellschaft unmittelbare Eigentümer des Fondsvermögens. Im Unterschied zu herkömmlichen geschlossenen Fonds ist der Austritt aus der auf 25 Jahre angelegten Gesellschaft aber monatlich möglich, nach drei Jahren Anlagedauer sogar gebührenfrei. Ein weiterer Vorteil des Produkts sei, dass durch die Bündelung in einem Fonds beim Einkauf Größenvorteile von bis zu 12 Prozent bei Gold und bis zu 40 Prozent bei Silber realisiert würden, sagt Geschäftsführer Robert Vitye. Die Auszahlung kann bei Austritt auch physisch erfolgen, allerdings nur ab einem Kilogramm Gold und ab fünf Kilogramm Silber. Das sind zwar weniger als 3000 Euro Anlagesumme in Silber, allerdings auch schon wieder mehr als 30000 Euro in Gold. Die Mindestanlagesumme beträgt 5000 Euro, wobei dafür auch ein Sparplan abgeschlossen werden kann.

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