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Deka-Bank-Analyse : Der Schweiz droht eine Immobilienblase

  • Aktualisiert am

Gute Lage: Montreux am Genfer See Bild: AFP

In der Schweiz, in Norwegen und in Kanada ist der Immobilienmarkt heiß gelaufen, haben Ökonomen der Deka-Bank ausgerechnet. Dabei dienten gerade diese Länder während der Hochphase der Finanzkrise als Fluchtorte.

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          Die Schweiz, Norwegen und Kanada gelten unter Anlegern bisher als solide. Alle drei Länder haben die Finanzkrise in den Industrieländern ziemlich gut weggesteckt. Während der Hochphase der Euro-Krise haben Investoren sogar viel Geld aus Angst dorthin - vor allem in die Schweiz - gebracht. Die schweizerische Notenbank hat infolgedessen den Wechselkurs des Franken gegenüber dem Euro fixiert.

          Nun warnen Ökonomen der Deka-Bank davor, dass gerade in diesen drei „Fluchtländern“ eine Immobilienblase bevorstehen oder sogar schon eingetreten sein könnte. „Die Fluchtländer laufen heiß“, sagt Deka-Bank-Chefvolkswirt Ulrich Kater der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: „In die Schweiz, Norwegen und Kanada sind die Preis überhitzt, die Hauspreise eklatant überbewertet.“ Um das vorhersagen zu können, hat die Deka-Bank eine „Häuserampel“ für 19 Staaten entwickelt, die auf spekulative Übertreibungen in den Immobilienpreisen hinweisen soll.

          Das Zahlenmaterial haben die Forscher in der Datenbank der regionalen amerikanischen Notenbank in Dallas aufgestöbert. Darin lassen sich Hauspreise auf einheitlicher Basis zurückverfolgen bis ins Jahr 1975. Erster Anhaltspunkt für eine Blase: Steigen die Hauspreise schneller als die allgemeinen Verbraucherpreise? Jenseits einer bestimmten Abweichung kann dies auf eine spekulative Übertreibung deuten. Zweiter Punkt: Entfernen sich die Hauspreise von der Entwicklung des verfügbaren Einkommens eines Landes? Auch dies ein Indiz, das die Warnlampen anspringen lässt: Werden die Häuser zu teuer – gemessen am Einkommen –, wird irgendwann die Nachfrage nach Immobilien einbrechen. Der dritte Indikator schließlich ist die „Bauinvestitionsquote“: Nimmt die Zahl der Genehmigungen schneller zu als das Bruttoinlandsprodukt, wird es ab einer bestimmten Grenze kritisch. Zur Abrundung fließt viertens noch in geringerem Maß die Kreditvergabe für den privaten Wohnungsbau in die Rechnung ein.

          Was bedeutet das Ergebnis nun für Deutschland? Entwarnung, die Ampel steht auf Grün. Die realen Hauspreise liegen immer noch unter dem historischen internationalen Schnitt, wobei die Forscher eingestehen, dass dies nicht für jeden Hotspot gilt.

          Für ihre Ampel werfen sie Hamburg mit Pirmasens in einen Topf, nehmen immer den Durchschnitt für einen Staat. „Tatsächlich ist ein starkes Stadt-Land-Gefälle zu beobachten“, schreiben die Deka-Volkswirte, ihre grüne Ampel könne durchaus mit einer „blasenhaften Zuspitzung“ in Metropolregionen einhergehen. Generell aber gelte für Deutschland: „Die Preisentwicklung in der Vergangenheit war so moderat, da ist noch Luft nach oben.“

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