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Tiefster Stand seit Mai : Der Ölpreis fällt immer weiter

Öl wird vor Brasilien gefördert: Die Preisrally scheint vorerst gestoppt. Bild: dpa

Der stärkere Dollar und neue Corona-Sorgen belasten die Rohstoffpreise. Auch Kupfer und Eisenerz verbilligen sich kräftig. Der Benzinpreis aber sinkt kaum.

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          Der Ölpreis hat am Donnerstag seine Talfahrt fortgesetzt und erreichte zeitweise den tiefsten Stand seit Mai. Nordseeöl der Sorte Brent kostete zeitweise weniger als 66 Dollar je Barrel (Fass zu 159 Liter). Amerikanische Öl der Sorte West Texas Intermediate notierte bei gut 63 Dollar. Als Gründe wurden am Markt vor allem der starke Dollar und die neuen Corona-Sorgen genannt. Noch im Juli hatte Brent-Öl zeitweise mehr als 75 Dollar gekostet. Die jüngste Talfahrt des Ölpreises hatte am Mittwochnachmittag Fahrt aufgenommen.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Seit Wochenbeginn ist der Preis um 5 Prozent gefallen“, schreiben die Analysten der Commerzbank. Zudem drohe bereits der sechste Tagesrückgang in Folge, was es zuletzt vor 18 Monaten gegeben habe.

          Auch Kupfer und Eisenerz verbilligen sich

          Andere Rohstoffe erfuhren ebenfalls einen deutlichen Preisrückgang, unter anderem Industriemetalle wie Eisenerz und Kupfer. Die Märkte seien „in Aufruhr“, es habe sich eine pessimistischere Stimmung breit gemacht, sagen die Commerzbank-Analysten.

          Beim Preisrutsch für Eisenerz spielen auch politische Entscheidungen in China eine Rolle. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt will die Stahlproduktion drosseln. Mit der Aufforderung an Stahlwerke des Landes, die Produktion zu senken, sollen Emissionen eingedämmt werden. Nach Einschätzung des Rohstofffachmanns Ole Hansen von der dänischen Saxo Bank ist der Handel mit Eisenerz generell besonders abhängig von der Entwicklung in China. Wenn sich die Wirtschaftsleistung dort abschwäche, gerate Eisenerz „sofort in die Schusslinie“.

          Benzin wird kaum günstiger

          Als ein schlechtes Zeichen fürs Öl wurde gedeutet, dass höhere Benzinreserven aus Amerika gemeldet wurde. „Die stark gestiegenen Infektionszahlen in den Vereinigten Staaten lassen auch für die kommenden Wochen keine positive Überraschung erwarten, da wohl viele  Menschen aus Vorsicht vor Ansteckung auf Ausflüge verzichten werden“, schreibt die Commerzbank. Zu den bereits viel diskutierten Nachfragesorgen komme nun noch der stärkere Dollar hinzu. Auch ein mögliches Anziehen der amerikanischen Geldpolitik beschäftigte die Märkte.

          An der Tankstelle in Deutschland merken Autofahrer noch nicht ganz viel vom billigeren Öl. Es habe auf Wochensicht nur einen „minimalen“ Preisrückgang gegeben, berichtet der Autoklub ADAC. Ein Liter Super E10 kostet demnach im Bundesmittel 1,560 Euro, das sind 0,2 Cent weniger als vor Wochenfrist. Diesel ist um 0,1 Cent billiger und liegt aktuell bei 1,384 Euro.

          Das ausgesprochen hohe Spritpreisniveau werde mit einem Vergleich der Situation von Anfang Juli deutlich, schreibt der ADAC. Obwohl Rohöl der Sorte Brent damals bei etwa 75 Dollar und darüber lag, sei  Benzin rund zwei Cent günstiger als heute gewesen. Dies zeige laut ADAC wie sich – vor allem aufgrund der Urlaubssaison und der gestiegenen Nachfrage nach Kraftstoffen – die Preise regelrecht hochgeschaukelt hätten: „Der Spielraum für Preissenkungen an den Zapfsäulen ist daher hoch.“

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